Die total blamierte Schweiz
Markus Kellenberger | Freitag, 28.08.2009
Nie zuvor hätte ich gedacht, dass ich übermässig viel Nationalstolz besitze. Doch definitiv spürte ich das heute Freitag (28.8.09), nachdem ich am Nachmittag die Radionachrichten gehört hatte: Der Bundesratsjet ist auf dem Rückweg aus Tripolis – an Bord nicht die Geiseln, nein, nur deren Gepäck. Die Libyer, hiess es, bestünden darauf, dass die Geiseln mit einem normalen Linienflug heimkehrten ... mir hängt der Kiefer noch immer runter.
Nicht genug, dass «mein» Bundespräsident vor dem libyschen Oberterroristen und Diktator Ghadhafi die Hosen bis auf die Knöchel runtergelassen hat, nein, jetzt ... (hier Vulgärwort für Geschlechtsverkehr einsetzen) dieser abgeschlagene ... (hier Wort einsetzen für Mischtier, das sowohl grunzt als auch bellt) auch noch «mein» Land!
Und was wird «mein» Land tun? Es wird die diplomatischen Anstrengungen zur Beilegung der «Missverständnisse» in den nächsten Wochen in allem Anstand wohl noch verstärken. Noch nie bin ich mir als Schweizer so ... (hier ein dem Hinterteil verwandtes Adjektiv einsetzen) vorgekommen. So blamiert und so vorgeführt, und das völlig losgelöst von der Frage, ob die Geiseln am Ende doch noch bis zum 1. September zurück sind.
Und wissen Sie, was das Beste am Ganzen ist? Ich, Sie – als Steuerzahler kommen wir vollumfänglich für die Einsatzkosten des Bundesratsjets als Gepäcktransporter auf, statt dass diese Nochbundesrat Merz vollumfänglich vom Lohn abgezogen werden.
Ich schäme mich für unseren Kniefall vor diesem absurden Diktatorenklan.
Foto: maiak.info / flickr / cc
Kommentare
Im Falle dieses (oberster Körperteil eines Nichterwachsenen) hätte ja eigentlich gar nicht viel mehr kaputtgehen können. Öl bekommt die Schweiz von Libyen eh keines mehr, und wer mit diesem Verbrecher Geschäfte machen will, soll dies auf eigenes Risiko tun - ohne Rückendeckung unserer Staatsdiplomatie. Keine Gesellschaft wird jemanden versichern, der im Krokodilteich baden will, weil er sich eine Schuppentrophäe für die Vitrine abschneiden möchte.
Aber typisch Schweizerisch: Man geisselte sich hauptsächlich selber. Und niemand stellte die zwei Fragen
- wie wäre eine solche Verhaftung in Lybien über die Bühne gegangen;
- und rechtfertigt die verletzte Ehre eines Diktatorenclans eine Geiselnahme?
Wie die Sache bisher verlaufen ist, heisst das für alle Welt: Seid Ihr mit der Schweiz nicht zufrieden - nehmt Euch ein Paar Helvetier als Geiseln, und alles kommt wie gewünscht.
Meine Meinung ist, dass wir mit Lybien halt brechen und alle Lybier rauswerfen. Nicht ganz diplomatisch aber immerhin eine Sprache die Herr Ghadhafi verstehen wird. Natürlich werden die Zurückkehrenden noch ein Jahr in die Auslieferungshaft gesteckt...
Da frage ich mich (und Sie): Was lernt eigentlich der Mensch zwischen dem Sandkasten und dem Thron?
Seit Jahren und immer wieder verbeugen wir uns unter dem Deckmantel der wirtschaftlichen Interessen vor Regierungen, die sich einen Dreck um Menschenrechte kümmern.
Ich erinnere zum Beispiel an China. Wie war das im letzten Jahr mit den Demos der Tibeter - und den trotzdem ungestört durchgeführten Olympischen Spielen? "Man kann doch einen so wichtigen Geschäftspartner wie das Reich der Mitte nicht beleidigen..." hiess es.
Geld kommt bei uns vor der Moral - und so lange das nicht ändert, werden wir weiter mit Mördern, Vergewaltigern, Irren und anderen Machtpsychopathen Geschäfte machen. Pfui!