Die heiligen drei Ks
Andres Jordi | Mittwoch, 08.04.2009
Gelten Osterhasen eigentlich auch als Haustiere? Nun, zumindest wären es welche, die man bedenkenlos verspeisen kann. Hündchen und Kätzchen dagegen sind uns ja so nah wie Schwesterchen und Brüderchen und ihr Verzehr ist Kannibalismus. Während wir in ein Stück Kuh oder unschuldiges Lämmchen ohne Gewissensbisse beissen. Es sind eben keine Haustiere.
Ich schätze ein zartes Osterlamm zu Ostern sehr. Dagegen bin ich kein Freund von Haustieren. Nicht im Bezug aufs Essen natürlich, ich habe von ihnen wissentlich noch gar nie gekostet. Ich finde, dass der Mensch zu seinen besseren Mitmenschen Hund und Co. ein – sagen wir mal – seltsames Verhältnis hat. Meiner Meinung gehören Wolf und Wildkatze in den Wald, nicht auf den Stubenteppich.
Die Hündeleien wecken bisweilen sogar das Tier in mir und ich werde aggressiv, wenn ich all den Viechern zuschauen muss, wie sie an jeder Hausecke ihren Blaseninhalt deponieren. Mit Verlaub: Das scheisst mich an! Ich möchte ja sehen, wenn ich mir dies erlauben würde. Und in einer zivilisierten Gesellschaft, die die Hygiene zunehmend ad absurdum führt irgendwie auch ein kleines Bisschen widersprüchlich.
Ich habe das Gefühl, dass all das Hausgetier auf dieser Welt immer zahlreicher wird. Kam man früher in der Familie noch mit einem Hund aus, müssen es heute mindestens drei sein. Das hat wahrscheinlich mit artgerechter Haltung zu tun. Die heutige Familienplanung scheint zudem auf dem kategorischen Imperativ der drei Ks zu beruhen: Kommen die Kinder, braucht es einen Kombi und ein paar Katzen.
Übrigens: Der Feldhase (ein Wildtier) ist selten geworden, weil der Mensch seinen Lebensraum zerstört. Und: Osterhasen sind keine Feldhasen.
(Bild: flickr.com, Yukari*)
Kommentare
Mann: "Ja was isch dänn?... Kommt Mami nach Hause?... Gang go Grüezi säge!"
Frau: "Hoi Bubeli!.. Ja, bisch en liäbä Bueb! Gahts guet?... Wo isch dä Bapi?"
Dazu nur soviel: die Beiden haben keine Kinder...
@Slartybart: Da ich nicht in jedem Fall gegen Versuche an Tieren bin, würde mich Ihr Sprachexperiment mit den Hunden und Katzen sehr interessieren. Anscheinend können auch Tiere an Persönlichkeitsspaltung leiden.
Diese hier leiden an einer anderen Spaltung, aber nur kurz: www.slartybart.ch
Hingegen finde ich das Quälen von Tieren genau so barbarisch wie das von Menschen und hoffe darum, Herr Jordi, Ihre "Versuche" sehen anders aus.
@LustigeFrau: Ich würde selber nie Hand an Tiere legen, ausser sie lägen gebraten und gut portioniert auf meinem Teller. Alles Weitere lasse ich andere für mich versuchen.
Es liegt mir fern, Katzen und Hunde auf solch widerliche Art zu quälen. Das war nun wirklich nur ein blöder Spruch - nicht einmal würdig, dauerhaft veröffentlicht zu werden. Darum, um den Natürlich-Blog nicht zu verunstalten, habe ich ihn ja auch auf «slartybart» deponiert - von wo er mittlerweile auch wieder entfernt wurde.
Was aber die Tipps auf «tinyurl» angeht, bin ich absolut der Meinung, dass aus dem, was heute als Abfall entsorgt wird, immer noch gut gekocht werden könnte. Und da kann ich mich wirklich nur wiederholen:
Wenn wir unsere Nutztiere so verwerten würden, wie dies ethisch zu rechtfertigen wäre, wäre schon ein grosser Schritt getan. Das heisst, ein Tier muss verwertet werden, so gut es geht. Es gibt erst wieder Filet, wenn die Kutteln gegessen sind. Wenn wir aber nur ein paar wenige Prozente eines Tieres essen und den Rest fortwerfen und das normal finden, deklarieren wir Dekadenz zur Potenz.
Kommt dann noch dazu, dass Kilometzg-Kunden, synonym zu mehr Fleisch für weniger Geld, sich zwangsweise ansehen müssten, wie die Tiere, deren Fleisch sie essen, gelebt haben. Aber es läuft leider umgekehrt: Kessler ist kriminell, Swissporc und noch schlimmere werden rehabilitiert. Traurig, aber wahr.
1. Was sind das für Menschen, die keinen Menschen, sondern ein Tier als "besten Freund" haben?
2. Freundschaft beruht auf gegenseitiger Freiwilligkeit. Meines Wissens haben sich Haustiere ihren Menschen nicht freiwillig ausgesucht, sondern wurden "gekauft" und werden in "Abhängigkeit" gehalten. Bei Hunden kommt uns deren Hang sich einzugliedern und unterzuordnen entgegen - Katzen sind da schon etwas eigenwilliger, aber auch vom Kühlschrank abhängig.
Aus meiner Sicht hat diese wechselseitige Beziehung also heher mit wohlwollender "Sklaverei" denn mit "Freundschaft" zu tun.
Im Umkehrschluss könnte das heissen: Benähmen sich mehr Menschen wie Hunde, würde es wiederum anderen Menschen leichter fallen, erstere auch als "beste Freunde" zu akzeptieren. Das will uns sagen: Wir können möglicherweise von Hunden lernen. Oder von Menschen, die Hunde mögen?
Wie auch immer: "Bester Freund" klingt im Singular halt ein bisschen gnadenlos ausschliesslich. Immerhin kenne ich einige freundliche Zeitgenossen, die mich als guten Freund bezeichnen – neben ihrem Hund. Und weil Hunde, im Gegensatz zu Menschen, selten zänkisch sind, gab's mit den involvierten Hunden noch nie eine Grundsatzdiskussion, wer denn nun der bessere Freund wäre. Freunde eben, alle zusammen. Die einen mit, die anderen ohne Fell.