Die Bürde der Würde

Andres Jordi | Dienstag, 03.03.2009

Würde ist eine Bürde. Das muss ich jetzt am eigenen Leib erfahren. Seit ich von höchster Instanz zum Smalltalkgenerator geadelt wurde, blockt es irgendwie, statt dass es bloggt. Konnte ich früher unbeschwert in den menschlichen und natürlichen Tiefgründen fischen, fühle ich mich nun – loyal wie ich bin – meinem zugetragenen Amt in innigster Weise verpflichtet. Schliesslich hiess es bei der Inauguration, verdient sei verdient. Und dem will ich möglichst gerecht werden. Nur: Was macht ein Smalltalkgenerator eigentlich ganz genau? Die Betriebsanleitung hier hilft mir nicht wirklich weiter. Demnach sollte ich irgendwelche Klassendiagramme in Klassenstrukturen konvertieren. Lehrer? Revolutionär?

Ich stelle mir einen Smalltalkgenerator eher als Wortgenerierungsmaschine vor. Ein Poet also? Das würde mir gefallen. Worte drechseln. Wie «…jenseits dieser Schüssel gibt es keinen Schlüssel…» (auf diesen Satz bin zugegebenermassen ein bisschen neidisch). Oder wie «so rein, so mein» (der ist von Mona Vetsch und es geht um Schnee) – so schlicht, so gut.

Oh Würde, du Bürde, es hilft nichts, sich in Utopien zu verlieren. Darum frage ich Sie, liebe Natürlichbloggerinnen und -blogger: Was verstehen Sie unter einem Smalltalkgenerator? Worin besteht meine Aufgabe?

Tags (Stichworte): BlogBloggenSmalltalk

Kommentare

  1. Von Skydiver am Dienstag, 03.03.2009 Hallo Herr Jordi, Ihre Frage ist nicht ernst gemeint, oder doch? Bisher haben sie die leicht lesbare Lösung zu Monitor gebracht, bevor Sie Frage gestellt und beantwortet hatten.

    Aber gut, ich erbarme mich Ihrer und sage schlicht das Folgende: Ein nebenberuflicher Smalltalker talkt einfach small. Nichts weiter. Ein hauptberuflicher mit Ritterschlag Smalltalkgenerator verteilt den Talk, den smallen, auf verschiedene Ebenen, die jede für sich durch wechselnden Anspruch eine völlig andere Wirkung erzeugt: Ist der Leser müde und hat null Bock auf klug, liest sich Ihr Talk small und leichtfüssig und beansprucht ihn nicht weiter. Ist der Leser alert und bereit für zwei, drei Gedanken, erkennt er in Ihrem Beitrag Hintergründiges, Nebenästiges, Tiefgängiges, Angedachtes, Anregendes und mehr - einfach so verpackt und schlau eingestreut, dass sich die müde Leserfraktion nicht gestört oder gar gepeinigt fühlt. Ambitionierte Denker und Leser mit geschärften Sinnen erkennen in Ihrem als Smalltalk getarnten Essay die geistige Herausforderung schlechthin: Genialer Ansatz, kluge Herleitung, zu Ende gedachte Schlussfolgerungen, philosophische, kulturelle, politoligische und soziologische Konsequenzen inklusive.

    Alles klar? Die Nuss bleibt klein und lässt sich knacken, oder? Also, und jetzt Sie!
  2. Von LustigeFrau am Dienstag, 03.03.2009 Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.
    Wie muss man das denn in dem Kontext verstehen?
  3. Von Slartybart am Dienstag, 03.03.2009 Uiii, der muss aber tief eingedrungen sein. Dabei hat sich der Juicytalker nur am allzu smallen des talks, verbunden mit der mehrheitsanbiedernden Themenwahl gestört. Die Instanz bittet, nicht zu hoch platziert zu werden, den da oben ist man einsam, es windet und es ist saukalt. Und im Keller hat's zu viele Glotzen, man ist jenseits und hat keinen Schlüssel. Am liebsten also normal, auch wenn das Risiko der smallen Fallen droht, davor bin auch ich nicht gefeit.

    Für meinen Teil würde Generator reichen, der kann zwar laut sein, aber das Wort strahlt Wärme aus, und die brauchen wir mehr den je (mal abgesehen von der Klimaerwärmung). Des Generators Aufgabe ist eben zu generieren, zu provozieren, und das ist ihm in dieser Sache auch hervorragend gelungen. Obwohl ich mir im ersten Moment nicht so ganz sicher war, Ihr Einschnappkoeffizient, lieber Herr Jordi, scheint sich aber ebenfalls in Grenzen zu halten. Himmel sei Dank, weil, Sahnetörtchen lassen sich nicht so leicht verschicken wie Brote.

    So, wie die Kunst im Auge des Betrachters entsteht, ist auch der Kommentar zu einem Vorkommnis vom Empfinden dessen geleitet, der sich darüber auslässt, das ist schon richtig. Es ist aber wahrlich ein befreiendes Gefühl, seine Impulse in die Welt stellen zu können und so zu hoffen, dass einen das Echo befruchten wird. Huch, ich hab' die Pille vergessen...
  4. Von Malven am Mittwoch, 04.03.2009 Interessant, es gibt also auch den Neid auf Sätze! Um ehrlich zu sein, ich kann mir das sogar ein wenig vorstellen. Mir geht es ja mit dem Reim von Mona Vetsch fast genau so. So rein, so mein! Kommt also eine junge Moderatorin daher und spricht solcherlei simple Worte, die auf fast ewig in irgendwelchen Köpfen hängen bleiben, während dessen andere, beispielsweise Schriftsteller oder Hobbypoeten stundenlang über Sätzen brüten!

    So rein, so mein – wo bleibt da die Kunstfertigkeit? Kann doch jeder! Oder etwa doch nicht? Darüber lässt sich philosophieren. (Ich mag übrigens Mona Vetsch auch sehr.)
  5. Von kellenberger am Mittwoch, 04.03.2009 Immer öfters frage ich mich, was wohl mehr wertvolle Lebenszeit sinnlos frisst: TV oder Bloggen?
  6. Von Jordi am Mittwoch, 04.03.2009 Ich fasse zusammen:
    Ein hauptberuflicher Smalltalkgenerator mit Ritterschlag ist
    - ein Gärtner, der tiefe Gänge gräbt und Bäume mit Nebenästen pflanzt und seine Bürde mit Würde trägt,
    - ist Essayist im Tarnanzug, der philosophisch-kulturell-politologisch-soziologische Abhandlungen für Leser mit Bock verfasst, die gleichzeitig einen seichten und süffigen Überbau für die Müden und Bocklosen haben,
    - ist im Nebenamt Nussknacker für kleine Früchtchen, ist vom Ansatz her ein Genie, in der Herleitung ein Kluger und am Ende einfach konsequent,
    - ist Fallensteller, der selber smalle Fallen und mehrheitsanbiedernde Themen zu meiden weiss,
    - ist Künstler, dessen Kunst durch die Augen des Betrachters zu ebendieser wird,
    -ist Neider fremder Sahnetörtchen und Worte
    und erledigt dies alles im richtigen Kontext mit weniger als tausend Worten, die trotzdem mehr sagen als jedes Bild. Zudem besitzt er, um die nötige Wärme zu generieren, einen relativ tiefen Einschnappkoeffizient und könnte statt zu Bloggen geradeso gut im Keller vor der Glotze hocken.

    Für die Verhütung kann ich um Gotteswillen nicht auch noch sorgen!
  7. Von Slartybart am Mittwoch, 04.03.2009 Tja, so anspruchsvoll ist das heutige Leben. Ohne Kompetenzzentrum läuft da nichts mehr. Ich habe diesen Job ja nicht gewählt, und zwar mit Vorbedacht: Wenn man die Kompetenz von sich weist, wächst die Freiheit, Fehler zu begehen. Und die ist grösser als 1000 Sender auf dem nicht eingeschalteten TV. Wo genau, Herr Kellenberger, steht denn nun Ihre Glotze? Hat's auch Strom in dem Raum oder wenigstens einen Hometrainer mit Generator(!)?

    Ihre Frage kann nicht mit einem Wort beantwortet werden: TV ist Input, Bloggen eher Output; beides macht k-put, wenn man die Grenzen nicht kennt. Selbstbefriedigung versus Selbsterfahrung - ich möchte da nicht richten. Jedes Ding zur rechten Zeit, erspart viel Müh und manchen Neid. Das war jetzt Echtzeitprosa. Nur soviel: Bloggen bringt Geld - mindestens wenn man es berufsmässig tut, glotzen kostet nur welches. Übrigens - die Glotze ist neben Kopfweh das beste Verhütungsmittel; amerikanische Wissenschaftler haben das herausgefunden.
  8. Von kellenberger am Donnerstag, 05.03.2009 Lieber Slartybart(fass)

    Unser Familien-TV steht konkret in der Garage und ist weder am Stromnetz noch am Kabel angehängt. Dort bleibt er vorläufig - und falls ich deswegen den Weltuntergang (oder einen neuen Musicstar) verpassen sollte ... so what?!
    Hinter dem Bloggen steckte ursprünglich die Idee, eine freie und Medienzaren-unabhängige Infoplattform zu schaffen. Damit ist schon lange Schluss. Medienunternehmen, Kleinunternehmer und PR-Agenturen haben das Bloggen längst als mögliche Einnnahmequelle entdeckt, respektive hoffen, dass daraus eine wird. Es ist wie mit gesellschaftlichen Entwicklungen und Strömungen. Kaum taucht eine auf, wird sie kommerzialisiert. Erinnern Sie sich an die Punk-Bewegung? Kaum in der Gosse als Protest gegen das Establishment aufgetaucht, konnte man Nietengurte und entsprechend kaputte Hosen schon im Laden kaufen. So wird die Masse heute manipuliert - aus Protest wird sofort eine Modeströmung geschaffen und daraus kräftig Kapitalgeschlagen. Mundtot. Hirntot. Und das machen heute auch die meisten Medien. Im Zeitalter von 20-Minuten sind wir nur noch Infomüllschlucker, vollgepumpt mit Schrott, unwichtigem Kurzfutter und tausenden von Anektoten aus dem künstlichen Leben ebenso künstlicher Promis, an deren Namen man sich morgen schon nicht mehr erinnert.
    Denken Sie mal darüber nach! Und dann lesen Sie mal 20-Minuten ... und Ihre Lokalzeitung, die in Konkurrenz zu diesem Schund steht ... und dann studieren Sie mal das TV-Programm ... und hören Sie mal Radio ... und dann sagen Sie mir, ob das wirklich eine Informationsgesellschaft ist. Oder vielleicht eher eine Desinformations- und Zumüllgesellschaft.
  9. Von Slartybart am Donnerstag, 05.03.2009 Lieber Herr Kellenberger
    Sie haben leider absolut recht. Es tut gut, solches von jemandem, der publizistisch tätig ist, zu hören. Man fühlt sich nicht mehr so ganz allein. Denn das Problem ist auch, dass das die meisten Leute nicht einmal mehr checken. Konsum ist geil und was gestern war, vorbei. Ich habe weitgehend aufgehört, Katastrophen-Medien zu konsumieren. Mit dem Radio hat es begonnen: immer die gleichen öden Wiederholungen, Börsenkurse, Verkehrsinformationen und belangloses Geblubber - zumindest zur Hauptsendezeit. Um so wertvoller sind wirklich gute Zeitschriften, deshalb auch mein vergangenes Engagement fürs Natürlich. Wie wohltuend sind Publikationen wie der Zeitpunkt, Spuren, und wie sie alle heissen, Zeitschriften, die auch nach einem halben Jahr noch Informationsgehalt haben.
    Doch gerade mein Widerwillen gegen "Andi-Blogs" und Valentines-Künstlichkeiten, das immerallessofortmöglichinsichhineinfressen, hat auch positive Effekte, und seien die auch nur psychohygienischer Art: Solange es noch schwänzelt, ist der Fisch noch nicht tot.

Kommentar schreiben (Lesen Sie bitte unsere Regeln)

Sie haben noch kein Username und Passwort? Hier können Sie sich kostenlos bei «Natürlich» registrieren.

Natürlich im Mai 2012


Inhalt

Vorschau
Archiv

Schnupper Abo
4 Ausgaben für 20 Franken
Jetzt profitieren!

Aboservice

Werbung
Werbung

Natürlich Essen

Rezept der Woche: 27. April 2012

Spargeln im Strudelteig


Die Natürlich Bilder Galerie