Der heilige Henry

Markus Kellenberger | Donnerstag, 13.03.2008

Wer Zeuge eines Wunders werden will, braucht nicht mehr bis nach Lourdes zu pilgern, ein Ausflug nach Genf reicht. Dort können sich Gläubige mit dem ihnen eigenen verklärten Blick selber davon überzeugen, wie die Automobilindustrie über Nacht ganz grün geworden ist.

 

Aus dem Vatikan wird verlautet, dass sich der Papst überlege, Mercedessterne und Ferrari-Embleme in seine private Reliquiensammlung aufzunehmen. Zudem wird immer wahrscheinlicher, dass Henry Ford, der Erfinder des Fliessbandautos, noch in diesem Jahrzehnt heilig gesprochen wird. Ich warte gespannt – und überlege mir bis dahin, ob das Vaterunser nicht besser in VWunser umbenannt werden soll.

 

Ich bitte um weitere Vorschläge, wie und in welcher Form wir das Goldene Kalb der Gegenwart artgerecht anbeten können.

 

Bild: © Jens Schöninger / PIXELIO

 

 

Tags (Stichworte): AutomobilindustrieUmweltschutz

Kommentare

  1. Von Skydiver am Freitag, 14.03.2008 Pannendreieck und Autoapotheke sind schon Standard. Jetzt vielleicht noch ein zusammenklappbares Altärchen - für das kleine Gebet zwischendurch? Ob so viel Lobpreisung aus dem rollenden und ruhenden Verkehr würde die Autoindustrie noch viel schneller noch viel grüner.
  2. Von Stettler am Samstag, 15.03.2008 Das Auto ist die heilige Kuh unserer Gesellschaft. Zu viele Löhne und zu viele Gewinne hängen daran. So ist es kein Wunder, wenn sich in diesem Bereich kaum etwas ändert. Daran ist nicht einmal die Automobilindustrie schuld, sondern in erster Linie die Konsumenten, die zwar etwas fürs Klima tun möchten - aber bitte nicht über das eigene Portemonaie und nicht über die eigene Bequemlichkeit hinaus. Schlage vor, ohne Zwischenschritt statt erst zum VWunser gleich zum AUTOunser überzugehen.
  3. Von Slartybart am Montag, 17.03.2008 Vater unser,
    der du liebst die geilen Maschinen,
    geheiligt werden deine Motoren,
    deine Beschleunigung komme,
    deine Geschwindigkeit geschehe,
    wie auf Landstrassen, so auch der Autobahn.
    Unsern täglichen Sprit gib uns heute,
    und vergib uns unsere Temposünden,
    wie auch wir vergeben den Velofahrern,
    den armen, beschränkten und stehengebliebenen.
    Führe uns nicht in Polizeikontrollen,
    sondern erlöse uns von den roten Lichtsignalen,
    denn dein sind Zylinder und Kurbelwelle,
    Die Kolben, die Töne und die heiligen Dünste
    Ihre Heiligkeit in Ewigkeit
    Amen.

    Über den Witz der Aussage lässt sich streiten. Auch über die Sünden und Unterlassungen derer, die sich immer besser finden, wenn sie statt zu handeln einfach andere in die Pfanne hauen. Vergelt\'s Gott hoffentlich nicht.



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