Der heilige Henry
Markus Kellenberger | Donnerstag, 13.03.2008
Wer Zeuge eines Wunders werden will, braucht nicht mehr bis nach Lourdes zu pilgern, ein Ausflug nach Genf reicht. Dort können sich Gläubige mit dem ihnen eigenen verklärten Blick selber davon überzeugen, wie die Automobilindustrie über Nacht ganz grün geworden ist.
Aus dem Vatikan wird verlautet, dass sich der Papst überlege, Mercedessterne und Ferrari-Embleme in seine private Reliquiensammlung aufzunehmen. Zudem wird immer wahrscheinlicher, dass Henry Ford, der Erfinder des Fliessbandautos, noch in diesem Jahrzehnt heilig gesprochen wird. Ich warte gespannt – und überlege mir bis dahin, ob das Vaterunser nicht besser in VWunser umbenannt werden soll.
Ich bitte um weitere Vorschläge, wie und in welcher Form wir das Goldene Kalb der Gegenwart artgerecht anbeten können.
Bild: © Jens Schöninger / PIXELIO
Kommentare
der du liebst die geilen Maschinen,
geheiligt werden deine Motoren,
deine Beschleunigung komme,
deine Geschwindigkeit geschehe,
wie auf Landstrassen, so auch der Autobahn.
Unsern täglichen Sprit gib uns heute,
und vergib uns unsere Temposünden,
wie auch wir vergeben den Velofahrern,
den armen, beschränkten und stehengebliebenen.
Führe uns nicht in Polizeikontrollen,
sondern erlöse uns von den roten Lichtsignalen,
denn dein sind Zylinder und Kurbelwelle,
Die Kolben, die Töne und die heiligen Dünste
Ihre Heiligkeit in Ewigkeit
Amen.
Über den Witz der Aussage lässt sich streiten. Auch über die Sünden und Unterlassungen derer, die sich immer besser finden, wenn sie statt zu handeln einfach andere in die Pfanne hauen. Vergelt\'s Gott hoffentlich nicht.