Der Applaus in der Kirche

Markus Kellenberger | Freitag, 05.03.2010

War nach vielen vielen Jahren wieder mal in der Kirche. Morgenpredigt mit Abendmahl. Unser Jüngster besucht den KUW, den Kirchlichen Unterweisungsunterricht. Freiwillig. Er will wissen, wo Gott hockt. Wenigstens einer in der Familie.

Also früh auf und ab. Der ältere Bruder pubertiert und bleibt liegen. Soll er doch, der liebe Gott wird sich das schon merken. Meine Geliebte und ich sowie die aufgebotenen Grosseltern sehen also wieder mal die Dorfkirche von innen. Normalerweise betreten wir solche Gebäude nur in den Ferien. Aus kulturellem Interesse.

Der Pfarrer am Eingang umfasst meine Hand innig mit seinen beiden. Irgendwie ein bisschen too much. Wir setzen uns. Die KUWler sind schon da. Vorderste Reihe. Herzig. Sohn nickt uns ernst zu.

Predigt beginnt. Kirchgemeinderatspräsident begrüsst den Pfarrer, da er neu sei. So so.

Dann begrüsst der Pfarrer die Gemeinde und sagt, dass er neu sei. So so.

Dann beginnt die Predigt mit Multimedia. Orgelspiel (hat mir noch nie wirklich gefallen, diese gequetschten Himmelfahrtstöne), Powerpoint mit Geschichte, Singen (342, 1+2), Aufstehen, Beten, Absitzen.

Dann endlich der Auftritt der Kleinen. Deswegen sind wir gekommen. Braves Aufreihen vor dem Altar, kurzes Raunen im Auditorium. "Unserer? Der Vierte von Links!"

Kinderstimmen erheben sich. Fünf volle Strophen. Weiss nicht mehr welches Lied, bin immer zu berührt, wenn der eigene Sohn auftritt. Dann Stille. Und noch mehr Stille. Und noch viel mehr Stille. Verdammt. Warum klatscht in der Kirche nie jemand? Und ich auch nicht?

Warum hebt nie jemand die Hand und stellt eine Frage?

Warum lacht nie jemand voll Freude?

Warum gibt es in der Kirche keinen Applaus für gar nichts?

Fotos: Andrew / flickr / cc, PeWu / flickr / cc

 

Tags (Stichworte): AbendmahlApplausDorfkircheFragenKircheKlatschenPfarrerPredigt

Kommentare

  1. Von rodek am Freitag, 05.03.2010 Ein wenig mehr Leben in der Kirche wäre auch von meiner Seite wünschenswert. Obgleich ich auch die Stille mag, ohnne sie würde weder die Messe noch der Raum seine Wirkung erzielen. Und was die Orgelmusik betrifft: Sie haben den kürzlich im Kino gezeigten dänischen Film "Troubled Water" wohl nicht gesehen!
  2. Von Hampe am Freitag, 05.03.2010 Gehen Sie doch einmal in den Gottesdienst einer dieser "coolen" Freikirchen. Die nennen das dann Celebration oder so ähnlich. Dort können Sie wahrscheinlich jauchzen und tanzen und jubeln soviel Sie wollen. Ob Ihnen das besser gefällt, möchte ich aber bezweifeln.
  3. Von kellenberger am Montag, 08.03.2010 Einfach nur Jauchzen und Tanzen um der Exstase Willen - nein, das würde mir auch nicht besser gefallen. Da fehlt mir die Auseinandersetzung, der Dialog, die Fragen, die Reflektion, der kritische Geist, das wahrhaft Freie im Menschen. Lieber rauche ich an einem schönen Platz eine "Sonntagspfeife" - das ist mir Celebration genug.
  4. Von LustigeFrau am Dienstag, 09.03.2010 Ich war zeitweilig oft in der Kirche, zu verschiedenen Gelegenheiten und in verschiedenen Gemeinden. Mal war's spannend, mal langweilig. Mal wurde gelacht, mal geweint. Mal geklatscht, mal nicht. Meistens ganz unabhängig von der Konfession und von der Festlichkeit des Gottesdienstes. Und erstaunlich oft kam's ganz anders, als ich es erwartet hatte. Nur in einer Vermutung wurde ich jedes Mal bestärkt: Orgelmusik ist Sternenstaub.
  5. Von krabipeter am Donnerstag, 11.03.2010 also was ist denn "die kirche"? gebäude? institution? macht? oase? kann ja alles sein oder eben nicht sein. von träge-überaltert-kalt bis freudig-aufgestellt-lebensnah erleb ich alles immer wieder neu in ein und derselben (landes-)kirche. und ich kann sagen: ich bin da ganz nahe am puls des kirchenalltags als vollblut-organist! bei mir aber ist mein beitrag nicht einfach liturgisches beigemüse, ich bin nicht vom verschönerungsverein, nein, ich möchte als vollwertiger partner mich ins geschehen einbringen. himmlischer sternenstaub? wenn worte versagen, dann kann nur noch musik sprechen.... ob dann bach oder beatles, volksmusik aus dem toggenburg oder aus armenien, choral oder love-song.... herz und seele solls durchtränken und erfreuen und aufwühlen... applaus?? warum nicht...
  6. Von felix am Freitag, 19.03.2010 Es stimmt schon, dass die Kirche kein Ort der Traurigkeit ist. Sie ist aber ein Ort der Sammlung und ein Ort nach innen zu gehen.
    "Sei Still und wisse, dass "Ich" - Gott - bin".
    Als Meister Eckkard, der von der Zen Meistern als einer der ihren angesehen wird sagte: "Wenn "Ich" nicht bin ist Gott auch nicht". wurde er als Bischof exkommuniziert und verstoßen.
    Kinder spüren, dass sie auf diesem schönen blauen Planeten etwas zu erledigen haben. Wenn die Eltern keine Ahnung haben oder ihre Suche nach dem "Wer bin ich" auf Grund von zu vielen dummen Antworten im Außen verschüttet wurde, dann sind sie -leider- den auch zum Großteil ahnungslosen Priestern ausgeliefert. Jesus würde heute genauso wie vor 2000 Jahren aus der "Kirche" ausgestoßen werde.
    Machen sie sich gemeinsam als Eltern wieder auf die Suche nach dem Ewign uns suchen sie es in ihrem eigen Inneren (Herzen). Das zumindest sollten sie für ihr Kind tun.
    mit lieben Grüßen
    Felix
    "Sei voll Liebe und tue<was du willst" (Augustinus)

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