Atom, Werbung und D&G
Markus Kellenberger | Montag, 07.07.2008
Werbung ist das Schmiermittel unserer Gesellschaft. Ohne sie lässt sich kaum mehr etwas verkaufen, weil – zumindest bei uns – alle eigentlich schon alles haben. Also ist es erste Aufgabe der Werbung, neue Bedürfnisse zu schaffen. "Die Konsumenten verlangen danach", heisst dann der Äxgüsi-Standardsatz, mit dem sich die Zampanos der Branche aus der Verantwortung ziehen, nachdem sie allen eingebleut haben, ohne eine D&G-Unterhose oder ohne einen mindestens zwölf Liter saufenden SUV gesellschaftliche Nullen zu sein.
Dass diese Strategie noch lange funktioniert, zeigt unsere kleine Umfrage von letzter Woche zum Thema Werbung und Werbeversprechen: 26,9 Prozent der Beteiligten findet "dabei sein cool", und immerhin 36,5 Prozent geben zu, sich von den verlockenden Botschaften "ein wenig" beeinflussen zu lassen. Der Rest der Abstimmenden behauptet, dass Werbung an ihnen spurlos abperlt…wer's glaubt!
Die Atomwirtschaft sicher nicht. Seit letztem Jahr ist sie gezielt daran, uns auf die neuen Kernkraftwerke einzustimmen, die sie bauen möchte. Eigens dazu hat sie ein werbewirksames Atommaskottchen erfunden, es gmögig "Stromlücke" getauft und gleich auf Tournee durch die Medien geschickt. Sein Auftrag: Uns klar machen, dass uns ohne die Segnungen der Kernspaltung schon bald das Licht ausgeht, und dass alternative Energiequellen zwar gut gemeint, im Vergleich zur Kraft des Atoms aber Schnibischnäbi sind…wer's glaubt!
Will die Atomwirtschaft erfolgreich sein, muss sie die Werbeagentur wechseln! Mir fehlen zwei wesentliche Dinge, um meine Zweifel gegenüber der veralteten und gefährlichen Technik auszuräumen:
1. Ich will Maskottchen "Stromlücke" unbedingt als Plüschtierchen kaufen können, vielleicht in Gestalt eines flauschigen Kühltürmchens, zur Not aber auch als kuscheliges Atommüllfässchen.
2. Und: Ich will endlich wissen, wo und wie die Atomfreunde ihre strahlende Hinterlassenschaft zu vergraben gedenken!
Und Sie? Was möchten Sie von der Atomlobby wissen?
Bild: © chris / PIXELIO
Kommentare
PR-mässig haben sie es natürlich gut. Millionen stehen ihnen zur Verfügung. Und die Erfindung der Stromlücke ist nun wirklich ein Knüller. Mit der Agentur, die dieses Gespenst ins Leben gerufen hat, möchte ich meine nächste Kampagne auch machen.
Letztes Jahr habe ich mich intensiv mit dem Thema Biogas auseinander gesetzt. Eine Studie, finanziert durch das Bundesamt für Energie ergab, dass Klein - Biogasanlagen nicht rentabel sind, obwohl gesamtschweizerisch da ein recht grosses Potenial vorhanden ist. Fazit: Energie ist immer noch zu billig. Übrigens produzieren auch Kernkraftwerke nicht mehr zum heute üblichen Tarif. Den endgültigen Preis geben die grossen Energie Erzeuger natürlich nicht im voraus bekannt.
Klar ist jedoch, dass die AKW-Lobby nach wie vor zwei Klötze am Bein hat: SICHERHEIT und ABFALL. Moderne Reaktortechnik ist zwar sicherer geworden, doch man darf nicht vergessen, dass viele der weltweit aktiven Anlagen aus den 70er und 80er-Jahre stammen und teilweise in besorgniserregendem Zustand sind. Zudem scheint manchem Betreiber der Profit wichtiger zu sein als lückenlose Sicherheit. Wo der ganze radioaktive Müll gebunkert werden soll, weiss im Übrigen niemand. Vielleicht buddeln die Wühlmäuse von der Nagra ja schon bald ganz in Ihrer Nähe...