Winters über den Gemmipass
Die einfache Route über den Gemmipass ist ein Klassiker unter den Winterwanderungen. Die Übernachtung im Berghotel Schwarenbach bietet Komfort in hochalpiner Umgebung.

Gleich all den aus Holz erbauten Wirtshäusern in den Hochalpen, am Fuss der Gletscher, in den nackten Felsschluchten, die die weissen Gipfel der Berge kerben, dient das Gasthaus Schwarenbach den Wanderern als Unterkunftsstätte, die den Gemmipass überschreiten. Sechs Monate lang bleibt es offen und wird von der Familie Hans Hauser bewirtschaftet; sobald jedoch der Schnee sich schichtet und das Tal bedeckt und den Abstieg nach Leukerbad ungangbar macht, ziehen die Frauen, der Vater und die drei Söhne von dannen und überlassen das Haus der Hut des alten Bergführers Kaspar Hari, des jungen Bergführers Ulrich Kunzi und des grossen Bernhardinerhundes Sam. Die beiden Männer und das Tier bleiben bis zum Frühling in diesem Schneegefängnis und haben nichts vor Augen als den riesigen, weissen Hang des Balmhorns; bleiche, leuchtende Gipfel umstehen sie; sie sind eingesperrt, blockiert, begraben unter dem Schnee, der rings um sie immer höher wird, der das kleine Haus umhüllt, umschlingt, zusammendrückt, sich auf dem Dach häuft, zu den Fenstern emporsteigt und die Tür vermauert.»
So beginnt die Geschichte «Das Gasthaus» von Guy de Maupassant. Sie wird tragisch und unheimlich enden, mit einem verschollenen Bergführer, einem von Adlern abgenagten Hundeskelett vor der Eingangstüre und dem zweiten Bergführer, der sich im Berghaus verbarrikadiert und langsam dem Wahnsinn verfällt.

Die erste Passwanderung
Zurück ins Heute, in einen strahlenden Wintertag beim Berghotel Schwarenbach. Es ist alles andere als vermauert und verschlossen, sondern lädt auf der grossen Terrasse zu einem Schmaus ein, und oben sind alle Zimmer für eine wohlige Nachtvorbereitet. Bergführer braucht es auch nicht, denn die Strecke über den Gemmipass ist eine der einfachsten alpinen Winterwanderrouten. Und Hunde dürfen gar ins Zimmer und neben Herrchens Bett nächtigen. Wichtig zu wissen ist aber, dass das Haus für Übernachtungen erst ab Anfang Februar geöffnet ist (das Restaurant allerdings bereits ab Weihnachten).
Die Route über den Gemmipass gehört zu den Klassikern der Winterwanderwege in der Schweiz. Sie wurde erst 1995 eröffnet, war aber die erste Winterwanderung über einen Gebirgspass in der Schweiz. Mit etwa neun Kilometern ist sie zwar nicht lang, führt aber in eine durch und durch hochalpine Bergwelt.
Beginnt man die Wanderung auf Sunnbüel ob Kandersteg, bilden die steilen, vergletscherten Flanken des Altels und des Rinderhorns eine eindrückliche Kulisse zur Linken. Bei aller Dramatik ist aber der Weg selbst bestens ausgebaut, schlängelt sich durch ein mehr oder weniger breites Hochtal und hat nur wenige Steigungen.
Hoch hinaus
Für Schneeschuhläufer ist das Untere Tatelishorn ein alpines und sehr lohnendes Ziel. Der Gipfel, der fast die Marke von 2500 Metern erreicht, erhebt sich auf einem langen Ausläufergrat des Altels und thront hoch zwischen Sunnbüel und dem Gasteretal. Der Aufstieg ist mit etwas Berg- und Schneeschuherfahrung gut machbar, der letzte Hang auf den Gipfel kann aber, je nach Schneeverhältnissen, recht anspruchsvoll sein.
Für den zweiten Tag des Schneeschuhwochenendes besteht die Möglichkeit, den langen Rücken des Daubenhubels zu besteigen. Dieser ist noch etwas höher, aber weniger schwierig als das Untere Tatelishorn und bietet schöne Aussichten ins Massiv des Altels und im Süden in die Walliser Alpen.
Das Buch zur Wanderung: «Wandern und Geniessen im Winter» ist als Leserangebot zu einem Vorzugspreis erhältlich.
Auf grossem Fuss
• Charakter
Die einfache Passroute mit einem komfortablen Hotel in hochalpiner Umgebung. Für Schneeschuhläufer gibt es ein Horn und einen Rücken zum Besteigen.
• Die Schneeschuhtouren
Anfahrt und Ausgangspunkt: Mit dem Zug nach Kandersteg. Vom Bahnhof mit dem blauen Ortsbus zur Talstation der Sunnbüel-Luftseilbahn und mit dieser hinauf.
1. Tag, Unteres Tatelishorn
Von Sunnbüel absteigen in die Ebene der Spittelmatte und bis an deren Südende. Nach insgesamt etwa 2 Kilometern links (östlich) hoch und um den Sagiwald herum in einem Bogen ansteigen. Nordöstlich weiter, zuletzt recht steil, auf das Untere Tatelishorn (2497 Meter). Auf demselben Weg hinab auf die Spittelmatte und weiter zum Berghotel Schwarenbach.
Länge und Dauer: 9,8 Kilometer, 740 Meter Aufstieg, 620 Meter Abstieg, 5 Stunden.
Technische Schwierigkeit: anspruchsvoll (recht steiler Schlusshang).
2. Tag, Daubenhubel
Kurz nach dem Berghotel Schwarenbach westlich etwas ansteigen und auf einer ansteigenden Terrasse südsüdwestlich halten. Den Taleinschnitt Rote Chumme überqueren, weiter in einem Tälchen ansteigen und auf den langen Rücken des Daubenhubels (höchster Punkt 2528 Meter). Absteigen auf die Lämmerenalp und nun östlich zum Gemmipass. Mit der Luftseilbahn nach Leukerbad (Ortsbus von der Talstation zum Busbahnhof).
Länge und Dauer: 7,8 Kilometer, 540 Meter Aufstieg, 260 Meter Abstieg, 3 Stunden.
Technische Schwierigkeit: mittel.
Alternativen
S1 Einfacherer 1. Tag: Den letzten, steilen Hang auf das Untere Tatelishorn weglassen und stattdessen nur bis nach Tatelen (ebene Terrasse auf ca. 2200 Meter). Die Kenndaten für die Tour sind dann: Länge 7,8 Kilometer, 440 Meter Aufstieg, 320 Meter Abstieg, 3 1/2 Stunden
Technische Schwierigkeit: mittel.
• Die Winterwanderungen
Anfahrt und Ausgangspunkt: wie unter Schneeschuhtouren.
1. Tag, Berghotel Schwarenbach
Von der Bergstation Sunnbüel auf einem breiten Weg über die Spittelmatte zum Berghotel Schwarenbach.
Länge und Dauer: 4 Kilometer, 170 Meter Aufstieg, 40 Meter Abstieg, 11/2 Stunden.
2. Tag, Gemmipass
Vom Berghotel Schwarenbach auf weiterhin breitem Weg zum Daubensee, über den See und hinauf zur Bergstation der Luftseilbahn auf dem Gemmipass. Mit der Luftseilbahn nach Leukerbad (Ortsbus von der Talstation zum Busbahnhof).
Länge und Dauer: bis zum Gemmipass 5,7 Kilometer, 290 Meter Aufstieg, 2 Stunden.
Alternativen
W1 Verlängerung 1. Tag:
Länge 7,4 Kilometer, 160 Meter Aufstieg, 150 Meter Abstieg, 2 1/2 Stunden.
W2 Verlängerung 2. Tag:
Länge 10,3 Kilometer, 330 Meter Aufstieg, 30 Meter Abstieg, 3 1/2 bis 4 Stunden.
• Berghotel Schwarenbach
Öffnungszeiten Restaurant:
Weihnachten bis Anfang Mai.
Öffnungszeiten Hotel:
Anfang Februar (!) bis Anfang Mai.
Adresse: Berghotel Schwarenbach, Familie Peter Stoller-Wehrli, 3718 Kandersteg, Telefon 033 675 12 72, www.schwarenbach.ch
Unterkünfte und Restaurants
- Bergrestaurant Sunnbüel, Telefon 033 675 13 34
- Berghotel Wildstrubel, Restaurant, Zimmer und Lager, Telefon 027 470 12 01, www.gemmi.ch
- zahlreiche Hotels und Restaurants in Kandersteg und Leukerbad
Karten
- Landeskarte 1:25 000, 1247 Adelboden, 1267 Gemmi
- Landeskarte 1:50 000, 263 oder 263S Wildstrubel
Weitere Informationen
Kandersteg Tourismus, 3718 Kandersteg, Telefon 033 675 80 80, www.kandersteg.ch
Leukerbad Tourismus, 3954 Leukerbad, Telefon 027 472 71 71, www.leukerbad.ch
Fotos: © Heinz Staffelbach
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