Wer zuletzt lacht
Frauen möchten in warme Gefühlswelten eintauchen, während Männer es schnell und
kurz wollen, weiss Öko-Lisa.
Wer zuletzt lacht, ist höchst wahrscheinlich eine Frau. Nicht nur, dass wir näher am Wasser gebaut sind – Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts weinen viermal häufiger als Männer – nein, wir brauchen auch deutlich länger, um einen Witz zu verstehen. Wissenschaftler der kalifornischen Stanford- Universität haben nun den endgültigen Beweis erbracht: Männer wollen es schnell und kurz, Frauen dagegen sehnen sich nach dem Eintauchen in warme Gefühlswelten. Wer bei dieser Umschreibung an Sex denkt, ist – pardon – selber schuld. Denn allerspätestens beim Thema Humor hört der Spass zwischen den Geschlechtern auf. Dies scheint keine neue Erkenntnis zu sein, bemüht man den Philosophen Immanuel Kant, der bereits im 18. Jahrhundert gesagt hat: «Lachen ist männlich, Weinen ist weiblich.»
Als ob wir Frauen nicht auch von den positiven Auswirkungen des Lachens auf Körper und Psyche profitieren könnten! Wo ein herzhaftes Haha oder Hihi doch die Körperzellen mit mehr Sauerstoff versorgt, die Bronchien durchlüftet, Verbrennungsvorgänge fördert, Herz und Kreislauf anregt. Ganz im Ernst: Lachen ist körperliche Schwerstarbeit, bei der insgesamt über hundert Muskeln beteiligt sind, von der Gesichts- bis hin zur Atemmuskulatur. Bei vollem Lachen wird der ganze Mensch erfasst. Der Kopf bewegt, der Körper biegt und krümmt sich. So soll zwei Minuten anhaltendes Lachen genauso gesund sein wie zwanzig Minuten Joggen – und zwar unabhängig davon, auf welcher Stammtisch-Witz-Pointe Ersteres beruht. Es kann auch nur aufgesetzt sein, behauptet der aus Nigeria stammende Lach-Trainer Ikechukwu Simeon Omenka, dessen Name per se Potenzial zum Kalauer hat.
Spaghetti ernten
Dagegen hören sich gewisse Aprilscherze wie billigste Waschmittelwerbung an. Allen voran die Mär von den Briten, die ihres Inseldaseins überdrüssig nun auch auf Rechtsverkehr umstellen wollen. Dabei stammt eine der herrlichsten Medienenten just aus dem Vereinigten Königreich. Man schrieb den 1. 4. 1957, als die BBC einen dreiminütigen Beitrag über den Beginn der Spaghetti-Ernte in der Schweiz ausstrahlte. Der in St. Albans gedrehte Beitrag zeigte eine Frau, wie sie Spaghetti pflückt und sie anschliessend zum Trocknen in die Sonne legt. Zur Ehrrettung all jener, die in der Folge beim TV-Sender anriefen, um zu erfahren, wo es diese Spaghetti-Büsche denn zu kaufen gebe, sei gesagt, dass Spaghetti in den Fünfzigerjahren noch weitgehend unbekannt waren. Heute würde diese Geschichte keinen einzigen müden Lacher mehr provozieren.
Wo sich der Aprilscherz doch eh in der Krise befindet. Sagt jedenfalls Michael Titze. Als Humorforscher sieht er in unserer inhomogenen Gesellschaft eine zunehmende Schwierigkeit, allgemeinverbindliche Muster für Witze aufzustellen. Dazu gesellt sich noch die grassierende Wirtschaftskrise, die allgemein wenig Grund zum Lachen bietet – ausser, man erheitert sich über sich selber. Das können Frauen übrigens besser als Männer. Wissenschaftlich erwiesen!
Die Autorin
Die Journalistin und Moderatorin Nicole Amrein hat mehrere satirische Frauenromane und Romanserien verfasst, darunter einige Bestseller. Jeden Monat gewährt uns die Bernerin mit spitzer Feder einen unterhaltsamen und intimen Blick ins Tagebuch von Öko-Lisa. Mehr unter www.nicoleamrein.ch
Foto: liquene / flickr / cc, Illustration: Manuela Lanfranconi
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