Vom Garten in den Mund
Bewusstes Essen ist ein wichtiger Beitrag für die Gesundheit. Für Remo Vetter steht fest: Das richtige Gartenwerkzeug und die richtige Einstellung sind der erste Schritt hin zu mehr wohltuendem Genuss.
Ein englischer Arzt hat vor vielen Jahren gesagt: «Der einzige Weg, um Krankheiten zu reduzieren, wäre es, zurückzufinden zur Diät unserer Vorfahren.» Aber auch wenn es so wäre, für viele von uns wäre das alles andere als erstrebenswert. Die Herausforderung liegt aus meiner Sicht deshalb darin, einen Weg zu finden, wie wir dem westlichen Lebenswandel und den damit verbundenen Essgewohnheiten möglichst ausweichen können.
Surftipps
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• uk umwelt und kommunikation
Theoretisch tönt das einfach. Der westlichen Diät und der damit verbundenen Nahrungsideologie abzusagen, würde schlicht heissen, einfach aufzuhören, moderne, schnell zubereitete Nahrung zu konsumieren und unsere Denkweise und Gewohnheiten zu ändern. Um es noch einfacher auszudrücken, plädiere ich für eine ehrliche und nach Möglichkeit lokal produzierte authentische, vollwertige Ernährung, wie das auch die Vereinigung Slow Food tut («natürlich leben» 12-09). Gleichzeitig sollten wir ganz einfach Nahrungsmittel meiden, welche so weit chemisch verändert wurden, dass sie viel eher ein «Produkt» der Industrie, als der Natur sind.
Wenn mich meine Erfahrung als mit der Natur arbeitender Gärtner etwas gelernt hat, dann dies, dass alles miteinander verbunden ist. Von der Gesundheit des Bodens, zur Gesundheit der Pflanzen und Tiere, welche wir verspeisen, über die Esskultur in der wir uns «heimisch» fühlen, bis zur Gesundheit des einzelnen Menschen. Um uns gut zu ernähren, müssten wir wieder mehr Zeit investieren, um gemeinsam zu kochen und die Mahlzeiten auch
gemeinsam zu geniessen.
Der Trick mit dem Werkzeug
Neben der Wichtigkeit der Ernährung ist mir auch die Pflege des Bodens und die Wahl der Samen und Pflanzen ein zentrales Thema. Darum ist es mir wichtig, guten biologischen Samen und Jungpflanzen einzusetzen und auf Hybriden zu verzichten. Um den Boden schonend zu bearbeiten, braucht es ausserdem gutes Werkzeug.
Ich komme mit sehr wenigen Gartengeräten aus und setze dabei wo immer möglich auf Kupfergeräte. Kupfer ist ein ausgezeichneter Leiter. Blitzableiter sind aus Kupfer, Spitzenköche verwenden Kupferpfannen in der Küche, weil sich die Speisen darin schnell erhitzen. Meine handgefertigten Geräte sind sehr leicht, etwas Edles, Exklusives haftet ihnen an.
Sieben Werkzeuge sind es, auf die ich schwöre
• Spaten
Als ich meinen Kupferspaten zum ersten Mal einsetzte, fiel ich beim «Stechen» fast über den Spaten hinweg! Alle meine Werkzeuge haben Lindenholz-Stiele. Durch den jahrelangen Gebrauch schmiegt sich der Stiel so richtig gut in meine Hand. Der Kontakt zwischen Hand und Stiel ist wichtig. Ein Stiel ist wie ein Pinsel in der Malerei – der verlängerte Arm des Künstlers.
• Gabel
Eine Grabgabel darf in keinem Garten fehlen. Bei mir kommt sie fast nur noch beim Kartoffelgraben und Kompostumsetzen zum Einsatz.
• Rechen
Davon habe ich drei verschiedene Exemplare. Zum Vorbereiten der Saatbeete nehme ich einen breiten mit einem Schaft von 30 Zentimetern. Einen zweiten, schmalen Rechen benutze ich, um zwischen den Pflanzreihen zu arbeiten. Mit einem Fächerrechen sammle ich das Laub und kitzle damit hin und wieder die Beetoberfläche.
• Pendelhacke
Die Pendelhacke steht am häufigsten im Einsatz, mal abgesehen von Messer und Gartenschere. Mit ihr lüfte ich täglich den Boden und schneide dabei das bisschen Unkraut ab, das trotz meiner Arbeitsweise aufkommt.
• Kleine Handschaufel
Ich habe zwei davon. Eine breite, mit der ich Saatkisten mit Erde fülle und Setzlinge pflanze, und eine schmale, die ich beispielsweise für das Pflanzen von feinen Lauchsetzlingen verwende. Das Setzholz dient mir dazu, die Pflanzlöcher schnell und effizient vorzubereiten.
• Scheren
Neben der Pendelhacke sind Gartenschere und Messer ein Muss für jeden Gärtner. Scheren gibt es so viele, wie Sand am Meer. Die besten sind die Schweizer Felco-Scheren. Achten Sie darauf, dass die Klingen immer scharf sind.
• Sense
Wichtig ist, dass die Sense scharf ist wie ein Rasiermesser. Ich lasse sie mir von einem alten Bauern dengeln (schärfen). Ihm zuzuschauen, wie er diese Arbeit mit einer Pfeife im Mund auf einem Holzklotz vor der Scheune sitzend in aller Ruhe verrichtet und dabei immer wieder prüft, ob es gut ist, fasziniert mich.
Meine Kupfergeräte machen mir die Arbeit zum Genuss. Es ist wie bei einem guten Wein. Den trinkt man auch nicht aus dem Plastikbecher. Erfülltes Gärtnern heisst für mich, mit schönem, handgefertigtem Werkzeug einen guten Boden zu pflegen und darauf kräftige Kräuter und gesundes Gemüse zu ziehen.
Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.
Fotos: © Dave Brüllmann
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