Volkskrankheit
In der Schweiz leidet jeder fünfte Mensch an Rheuma. Nebst der medikamentösen Therapie können viele naturheilkundliche Massnahmen helfen, den Körper wieder in Fluss zu bringen.

Rheuma wird aufgrund der Häufigkeit als Volkskrankheit betrachtet: Die Rheuma Liga Schweiz nennt 1,5 Millionen Betroffene. Unter dem historischen Begriff Rheuma werden heute alle Erkrankungen des sogenannten rheumatischen Formenkreises zusammengefasst. «Schmerzen an ständig wechselnden Lokalitäten des Körpers», ein «Fliessen der Schmerzen» deuteten bei der Namensgebung auf die vielen Formen der Krankheit hin. Rheuma ist abgeleitet vom griechischen Ausdruck «rheo», was «ich fliesse» oder «ich ströme» bedeutet. Überdies kann man den Sinnspruch «panta rhei», «alles fliesst», durchaus als Wink zur naturmedizinischen Behandlung der Krankheit verstehen. Denn sobald alles im Fluss ist, findet die Krankheit nicht mehr statt. Rheuma gehört zu den ältesten, bekannten Erkrankungen des Menschen. Bereits an 5000 Jahre alten ägyptischen Skeletten fand man einen krankhaften Gelenkverschleiss.
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• Schweizerische Gesellschaft für Rheumatologie
• Rheumaliga Schweiz
• A. Vogel
• Rheuma Schweiz
Eine Eingrenzung, was Rheuma ist und was nicht, ist oft selbst für Experten schwierig. Das zeigt allein schon die Anzahl der möglichen rheumatischen Krankheitsbilder von etwa 200. Grundsätzlich wird zum einen zwischen Rheuma-Erkrankungen unterschieden, die durch Abnutzung (Altersprozess) oder durch mögliche Fehlstellungen wie Verletzungen entstehen können. Zum anderen können Rheuma-Erkrankungen durch eine Fehlfunktion des Immunsystems hervorgerufen werden. So gibt es theoretische Vorstellungen, dass das Immunsystem sich gegen körpereigene Proteine wendet und wie beispielsweise bei der rheumatoiden Arthritis Entzündungen in den Gelenken verursacht. Die Auslöser für diese Fehlfunktionen sind nicht bekannt. Auch weiss man nicht, weshalb das Immunsystem so reagiert. Neben den Gelenken können Knochen, Muskeln, Bindegewebe, seltener auch Sehnen, Bänder, Nerven oder Organe betroffen sein.
Unspezifische Symptome
Rheuma kann jeden und in jedem Lebensalter treffen – also auch Kinder Jugendliche. Gerne wird von Rheumatologen nach der eindeutigen Diagnose eine möglichst schnelle und zügige Behandlung empfohlen. Je früher die Therapien einsetzen, desto besser ist im Allgemeinen der Krankheitsverlauf – so die gängige Expertenmeinung. Die Schwierigkeit ist nur: Anfängliche Symptome können sehr unspezifisch sein wie zum Beispiel ziehende Schmerzen in den Gelenken, Schwellungen an Händen oder Füssen. Menschen, die beispielsweise an Morbus Bechterew, einer Entzündung der Sehnenansätze, leiden, brauchen gegenwärtig noch etwa fünf bis sieben Jahre, bis ihre Erkrankung tatsächlich diagnostiziert wird. Das ist für die Patienten ein riesiges Problem, denn bis dahin kann die Erkrankung schon weit fortgeschritten sein.
Geteiltes Leid ist halbes Leid
Menschen, die an chronisch entzündlichen oder degenerativen Erkrankungen der Bewegungsorgane leiden, sind ihr ganzes Leben lang betroffen. Eine Heilung von Rheuma ist bis heute nicht möglich – unter anderem auch, weil die tatsächlichen Ursachen der Erkrankungen nicht bekannt sind. Wegen der Schwere und der häufig starken Beeinträchtigungen empfehlen Experten den Betroffenen, Patientenschulungen zu besuchen. Bei diesen Schulungen lernt man, mit der chronischen Erkrankung besser umzugehen. Gesprächstherapien oder das Einüben von Entspannungsverfahren (autogenes Training, progressive
Muskelrelaxation nach Jacobson, Yoga) gehören zu den Massnahmen. Viele Betroffene entscheiden sich auch dafür, eine Selbsthilfegruppe zu besuchen. Die Patienten lernen, wie andere mit Verzweiflung, Angst, Hilflosigkeit und der zunehmenden Abhängigkeit von Hilfe umgehen. Da jeder Mensch unterschiedliche Herangehensweisen oder Strategien entwickelt, wird der
Austausch hierüber häufig als hilfreich empfunden. Ausserdem stärkt der Gedanke, mit der Krankheit nicht allein zu sein. Nicht zuletzt gibt es in den unterschiedlichsten Phasen der Erkrankung etwas dazuzulernen: Rheuma hat Auswirkungen auf Beruf, Familie, Beziehungen und Freizeit.
Fotos: fotolia.com, VinothChandar / flickr / cc
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