Und es gibt ihn doch – den Kugelblitz

Andreas Walker | Ausgabe 11 - 2008

Kugelblitze wurden lange ins Reich der Legenden verbannt. Jetzt scheint es doch möglich, sie künstlich herzustellen.

Gerd Fussmann erzeugt einen Kugelblitz

Nach angeblichen Beobachtungen soll ein Kugelblitz eine typische Grösse von rund 30 Zentimetern haben und etwa so hell wie eine 100-Watt-Birne leuchten. Dabei richtet er meistens keinen Schaden an. Sowohl elektrische Entladungen als auch Verbrennungen treten nicht auf. Die schwebende Feuerkugel kann im Laufe der Entwicklung immer schwächer werden und still verschwinden oder sich plötzlich wie eine Seifenblase auflösen. In seltenen Fällen zerplatzt der Kugelblitz in einer heftigen Explosion. Das Phänomen des Kugelblitzes ist sehr selten und wurde deshalb lange Zeit von den Wissenschaftlern nicht ernst genommen.

Gerd Fussmann, Professor für Plasmaphysik an der Humboldt-Universität in Berlin und Physiker am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching, experimentiert im Labor mit künstlichen Kugelblitzen. Die Versuchsanordnung ist relativ einfach: Ein gut gefülltes Wasserglas mit Natrium und Kalzium, worin ein ringförmiger Draht als Elektrode am Boden des Gefässes liegt. Die zweite Elektrode ragt von unten als isolierter Kupferdraht wenige Millimeter über die Wasseroberfläche hinaus. Ihre oberste Spitze ist nicht isoliert und es findet gerade ein Wassertropfen darauf Platz. Zwischen den Elektroden wird schliesslich eine Spannung von 5000 Volt aufgebaut, die sich schlagartig entlädt. Dabei verdampft der Wassertropfen auf dem Kupferkabel und steigt als leuchtende Kugel von etwa 30 Zentimeter Durchmesser in die Luft. Nach spätestens einer halben Sekunde verlöscht die Lichtkugel geräuschlos.

Im Innern von Fussmanns Kugelblitzen herrschen Temperaturen von über 2000 Grad Celsius. Bei so hohen Temperaturen bildet sich aus den salzbildenden Metallen Natrium, Kalzium und ein wenig Kupfer aus der Elektrode ein leuchtendes Plasma. Zwar scheint dieser künstliche Kugelblitz nicht alle bisher beschriebenen Kriterien zu erfüllen. Allerdings existiert auch keine allgemeine Definition für Kugelblitze.

Sollte ein Kugelblitz, wie ihn Fussmann im Labor generiert in der Natur vorkommen, müsste ein normaler Blitz in eine Wasserpfütze schlagen, um schliesslich einen Kugelblitz entstehen zu lassen.

Bild: © Norbert Michalke

Tags (Stichworte): KugelblitzMeteorologiePlasmaphysik

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