Über Streicheleinheiten

Sabine Hurni | Ausgabe_01_02_18

Die Haut will gestreichelt und gestriegelt sein – und das am liebsten so sanft wie nur möglich. Leichte Massagen mit Bürsten und Sisalhandschuhen regen den Kreislauf an und wirken verjüngend.

@ Alex Spichale, istockphoto.com

Heute schon gestriegelt? Von Kopf bis Fuss, mit einer Trockenbürste, einem Sisalhandschuh oder einem rauen Frottiertuch? Kaum eine andere Anwendung wirkt über den feinen Hautreiz so heilsam auf sämtliche Organe wie das sanfte Trockenbürsten. Es regt die Durchblutung und somit den gesamten Hautstoffwechsel an. Besonders ideal ist das Ritual für Morgenmuffel, die schlecht in die Gänge kommen. Gleichzeitig stärkt die regelmässige Anwendung das vegetative Nervensystem, regt den Lymphfluss und somit die Ausscheidungsfunktionen des Körpers an und unterstützt das Immunsystem. Die Haut ist immerhin unser grösstes Organ und gleichzeitig ein äusserst wichtiges Ausscheidungsorgan.

Schadstoffe und überschüssige Säure, die der Körper nicht über andere Organe ausscheiden kann, gelangen in die tiefen Hautschichten und ins Bindegewebe. Durch das anregende Trockenbürsten kommt Bewegung in das Bindegewebe und die Haut wird über die zahlreichen Talg- und Schweissdrüsen sanft «entrümpelt». Wer regelmässig seinen ganzen Körper bürstet, regt den Blut- und Lymphfluss an und entledigt sich eingelagerten Ballasts.

Damit die Haut beim Bürsten nicht verletzt wird,

sollte die Trockenbürstenmassage immer mit einer weichen Bürste mit Naturborsten erfolgen. Wildschweinborsten zum Beispiel sind ideal als Körperbürste, für das Gesicht eignen sich die weichen Bürsten aus Pferdehaar. Harte Bürsten oder Kunststoffbürsten können zu starke Reize auslösen oder die Haut gar verletzen. Bei der Bürstenmassage gilt: Weniger ist mehr. Lieber regelmässig sanfte Reize setzen, als sich einmal die Woche wund schrubben.

Und so gehts: Wer möchte, kann das Fenster weit öffnen und während des Bürstens frische Luft einatmen. Beginnen sollte man laut Pfarrer Kneipp, dem «Vater» der kneippschen Güsse und der Trockenanwendungen, an der rechten Fussaussenseite. Es ist die Körperstelle, die am weitesten vom Herz entfernt liegt. Man bürstet an der Aussenseite des Beins hoch und an der Innenseite runter. Erst nur bis zum Knie, dieses umkreisen und die Innenseite der Waden runter zum Knöchel und auch diesen umkreisen. Dann das ganze Bein aussen hoch und innen runter. Mit dem linken Bein gleich vorgehen und dann mit der rechten Handfläche, Arme, Schulter, Rumpf und Rücken weitermachen. An den Hand- und Fusssohlen befinden sich enorm viele Talg- und Schweissdrüsen, über die die Ausscheidungsarbeit stark angeregt wird. Falls es also mal nicht reicht für eine Bürstenmassage, sollte man zumindest die Unterarme, Waden, Hände und Füsse abrubbeln. Eine sanfte Trockenbürstenmassage dauert höchstens zehn Minuten und sollte alle zwei bis drei Tage jeweils morgens durchgeführt werden, damit der Köper von diesem Ritual profitieren kann.

Und der Körper profitiert gewiss:

Bürstenmassagen erhöhen einen zu niederen Blutdruck und senken den erhöhten. Denn die Anwendung einer Bürste regt den Kreislauf an und holt das Blut auch in die feinen Kapillaren der Haut, wo die Durchblutung in der Regel eher eingeschränkt ist. Durch die erhöhte Durchblutung und den vermehrten Lymphfluss wird überschüssige Säure aus dem Körper transportiert, was gerade Menschen mit Rheuma, Arthrose oder Arthritis zugutekommt. Sie können durch die Trockenbürstenanwendung Linderung erleben. Auch Wassereinlagerungen werden reduziert und die Haut erscheint sichtbar glatter. Das Trockenbürsten ist zudem ein gutes Abhärtungsritual für den Winter. Hartgesottene können sich nach dem Bürsten mit Schnee abreiben oder den Körper kalt abduschen. Aber auch eine warme Dusche, ein pflanzliches Pflegeöl oder eine Hautpflege aus dem Regal der Naturkosmetik rundet das morgendliche Ritual ab.

Achten Sie beim Kauf Ihrer Bodylotion darauf, dass keine Erdölderivate, wie zum Beispiel Paraffin oder Paraffinwachse, enthalten sind. Solche Produkte belasten die Haut; sie verhindern, dass diese frei atmen kann. Wenn Sie den Stoffwechsel mit der Bürste schon anregen, sollten Sie bei der Pflege ein Produkt wählen, das die Zellaktivität günstig beeinflusst. Sei es durch die Beigabe von pflanzlichen Extrakten oder durch mineralische Wirkstoffe, Schüsslersalze oder pflegende Pflanzenöle.

Es versteht sich von selbst,

dass man offene Wunden, Krampfadern und Hautentzündungen auslassen sollte. Zudem kann das Trockenbürsten nervöse, leicht erregbare Menschen eher noch unruhiger machen – für sie sind warme, ölige Anwendungen besser. Doch allen anderen möchte ich dieses weitgehend in Vergessenheit geratene Reinigungs- und Stärkungsritual ans Herz legen. Verspannungen können sich lösen, die Energie kommt ins Fliessen, Fetteinlagerungen reduzieren sich, Cellulite kann sich sichtbar vermindern und das allgemeine Wohlbefinden wird gestärkt. Auf diese Weise kann man auch der ab Ende Februar beginnenden Frühlingsmüdigkeit trotzen. Gleichzeitig regt man über die Haut reflektorisch sämtliche inneren Organe an. Bürstenmassagen sind somit nicht nur ein günstiges Heilmittel, sie sind auch eine unbezahlbare Präventivmassnahme gegen so ziemlich alle Beschwerden.

Früher hatten die Leute mit ihren kratzigen Hemden und den juckenden Wollstrümpfen gleichsam ihre Haut belebt. Heute, in Zeiten von Weichspüler und feinstem Zwirn müssen wir die Haut eben mit anderen Reizen aktivieren. 

Zur Person
Sabine Hurni ist dipl. Drogistin HF und Naturheilpraktikerin, betreibt eine eigene Gesundheitspraxis, schreibt als freie Autorin für «natürlich», gibt Ayurveda-Kochkurse und setzt sich kritisch mit Alltagsthemen, Schulmedizin, Pharmaindustrie und Functional Food auseinander.

Foto: Alex Spichale, istockphoto.com

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