Über das Lachen

Sabine Hurni | Ausgabe_06/2017

Lachen ist gesund: Es lindert Schmerzen, stärkt das Immunsystem und entspannt effektiver als jedes Entspannungstraining. Man muss dazu nicht mal richtig lachen, so tun als ob reicht.

@ istockphoto.com, zvg, Alex Spichale

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Wie oft erleben wir Situationen, in denen wir innert Bruchteilen von Sekunden entscheiden müssen, ob wir uns ärgern oder herzhaft lachen sollen. Kürzlich hat eine ältere Dame neben mir im Zug ein norddeutsches Fischbrötchen gegessen. Für die Leser, die das nicht kennen: Das ist ein Sandwich mit rohen Zwiebeln und einem eingeklemmten, rohen Fisch. Ihr Mann verspeiste frittierte Kartoffeln, die nicht weniger geschmacksintensiv waren. Zuerst ärgerte ich mich über die beiden und überhaupt über die ganze Esserei im Zug. Doch Minuten später fand ich die Situation so herrlich skurril, dass sie durchaus eine Bereicherung war. Meinem unbekannten Leidensgenossen im Abteil ging es wohl ähnlich. Irgendwann trafen sich unsere Blicke und wir mussten lachen.

Ich muss also nicht glücklich sein, um zu lachen.
Aber das Lachen macht definitiv glücklich – und viele Situationen ertragbarer. Doch wir Schweizer lachen viel zu wenig. Wenn ich morgens am Bahnhof an den wartenden Menschen auf dem Peron vorbeigehe oder die Leute an der Warenhauskasse beobachte, frage ich mich manchmal, was ihnen über die Leber gelaufen ist. Dunkle Kleider, grimmige Mienen, kein Augenkontakt, kein Blick nach links oder rechts. Liegt es vielleicht daran, dass uns als Kind eingetrichtert wurde: Mit Fremden spricht man nicht!? Und anlächeln tut man sie schon gar nicht, denn das ist ja die direkte Aufforderung, um mit jemandem in Kontakt zu treten. Nein. Lieber bleiben wir in unserer Gedankenwelt verborgen und machen ein mürrisches Gesicht. Das ist schade!

Zum Glück sorgen die warmen Sommermonate für heitere Gesichter und lockere Gemüter. Sonne und Wärme tragen dazu bei, dass sich die Gesichtsmuskeln entspannen und häufiger ein Lächeln über das Gesicht huscht. Laut meinen Recherchen lachen Kinder 400 Mal pro Tag. Und Erwachsene? Die bringen es auf magere 6 Lacher. Vor 50 Jahren war es offenbar noch anders, da haben die Schweizer immerhin 18 Mal pro Tag gelacht.

Ist uns das Lachen also vergangen? Ich hoffe nicht! Denn Lachen macht nicht nur glücklich, es ist auch gesund. «Das Lachen ist ein leichtes silbernes Glöckchen, das uns ein guter Engel mit auf den Lebensweg gegeben hat», schrieb der österreichische Dichter Joseph Roth.

Gelotologie – die Wissenschaft über das Lachen (gélos = Lachen) – beschäftigt sich mit den körperlichen und psychischen Aspekten des Lachens. Gemäss Studien lindert eine Lachsalve von wenigen Minuten chronische Schmerzen und stärkt das Immunsystem. Ein lustiger Film, ein Gesellschaftsspiel oder ein guter Witz lassen die Abwehrzellen über Stunden bis Tage in die Höhe schnellen. Beim Lachen werden zudem die Glückshormone Endorphine ausgeschüttet, die einen wesentlichen Beitrag zur Stressbekämpfung leisten. Dazu muss man nicht mal richtig lachen. Schon das Hochziehen der Mundwinkel veranlasst uns, die Körperhaltung zu verändern und aufrechter durchs Leben zu gehen. Probieren Sie es aus!

Psychologen setzen Humor im Bereich der Psychosomatik ein, und in Spitälern lockern Clowns die triste Atmosphäre gezielt auf und sorgen so für eine schnellere Genesung. Wenn vor dem Lachen eine Situation noch ausweglos erschien, verändert sich mit dem Lachen die Sicht auf die Dinge – und plötzlich entstehen neue Lösungsansätze. Fröhliche Menschen sind aber auch kontaktfreudiger, beliebter und sozial erfolgreicher als Miesepeter. Überhaupt soll eine Minute Lachen gleich entspannend sein wie 45 Minuten Entspannungstraining. Immerhin aktiviert schallendes Gelächter rund 300 verschiedene Muskeln.

Verhaltensforscher unterscheiden 18 Arten von Lächeln. Nur eine einzige Variante davon ist Ausdruck spontanen, ehrlichen Vergnügens. Beim entspannten Lachen zeigen die Mundwinkel symmetrisch nach oben und um die Augen bilden sich Lachfältchen. Es ist erfrischend, in so ein lachendes Gesicht zu blicken. Denn was gibt es Schöneres als ein Gesicht, das sich von einem Moment zum nächsten in ein Lächeln oder gar in ein breites Lachen verwandelt.

Gründe, sich im Alltag köstlich zu amüsieren, gibt es genug. Nur muss man sie sehen, offen dafür sein und sich sogar wünschen, lustige Situationen zu erleben. Glauben Sie mir, das klappt. Und wenn nicht, gibt es lustige Filme, Komiker, Witzbücher, lustige Gesellschaftsspiele, das oft tragisch komische Theater auf der Politbühne oder witzige Freunde, die uns immer wieder zum Lachen bringen. Denn Lachen ist ja bekanntlich ansteckend: Wenn Sie jemanden anlächeln, dann lächelt er oder sie wahrscheinlich zurück. Lacht am Nebentisch im Restaurant jemand ein echtes Lachen, bewegen sich vermutlich auch Ihre Mundwinkel nach oben. Und wenn sich zwei die Bäuche halten vor Lachen, bleibt rund herum kaum einer ernst, obwohl die anderen keine Ahnung haben, worum es geht. Gut, das wissen diejenigen, die sich vor Lachen kugeln, oft selber nicht so genau. Denn irgendwann gehts nur noch ums Lachen selber – und schon sind wir bei der ersten Regel eines achtsamen Lebens: Wenn man lacht, dann lacht man. Während beim Spazieren, Meditieren, Bügeln, Autofahren oder Abwaschen die Gedanken sehr schnell abschweifen und man gedanklich vom Hundertsten ins Tausendste kommt, ist Lachen absolut gegenwärtig. Wer schallend lacht, ist ganz im Hier und Jetzt und vergisst alles rundherum. Vielleicht ist das Lachen ja deshalb so gesund – weil es uns Sorgen und schwere Gedanken für einige Momente vollkommen vergessen lässt.

Zur Person
Sabine Hurni ist dipl. Drogistin HF und Naturheilpraktikerin, betreibt eine eigene Gesundheitspraxis, schreibt als freie Autorin für «natürlich», gibt Ayurveda-Kochkurse und setzt sich kritisch mit Alltagsthemen, Schulmedizin, Pharmaindustrie und Functional Food auseinander.


Foto: istockphoto.com, zvg,  Alex Spichale

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