Stadtkompost

Veronica Bonilla | Ausgabe 04 - 2011

Auch Stadtmenschen und solche ohne Garten müssen nicht auf einen Kompost verzichten. Die Lösung: ein Balkonkompost.

Wer schon mal erlebt hat, wie aus pflanzlichen Garten- und Küchenabfällen innert weniger Monate fruchtbar-krümeliger Humus wird, der wird organische Abfälle nur noch äusserst ungern in den Abfall werfen. Dass diese zusammen mit dem Haushaltkehricht verbrannt werden, ist Verschwendung.

Doch was tun, wenn kein eigener Garten vorhanden ist? Wenn der Vermieter aus Furcht vor Gestank oder einer illegalen Mülldeponie das Kompostieren verbietet? Kein Problem. Auch Küchenabfälle von Stadtmenschen können den Weg alles Irdischen gehen. Voraussetzung: Ein Balkon, ein paar wenige Utensilien aus dem Hobbymarkt und die Freude, Naturvorgänge zu beobachten und zu unterstützen. Vorweg: Ein Balkonkompost funktioniert nicht anders als ein normaler Gartenkompost. Organisches Material wird zerkleinert, gemischt, feucht gehalten und zugedeckt. Mikroorganismen und Kleinsttiere wandeln das Kompostgut in Kohlendioxid (CO2), Wasser und Humus um. «Ob im Garten oder auf dem Balkon kompostiert wird, spielt keine Rolle», erklärt der Basler Kompostberater Hans Balmer, «man kann einen Kompost sogar auf dem Estrich oder im Keller betreiben.» Benötigt wird ein Kübel oder eine Holzkiste, die etwa 70 bis 100 Liter fassen. Ein solcher Behälter reicht, um die Abfälle eines Kleinhaushaltes zu kompostieren. Regentonnen aus Metall eignen sich nicht, weil sie rosten und den Kompost vergiften. «Plastik ist relativ neutral und billig», so Balmer. Ein Plastikkübel, in dem kompostiert werde, habe eine Lebensdauer von vier bis fünf Jahren. Holz hält je nach Dicke rund zehn Jahre.

Surftipps
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Bioterra - für Garten, Natur und Landwirtschaft
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Hausinfo - Ratgeber rund ums Eigenheim
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Schön vermengen, sonst stinkts

«Kompost ist ein lebendiges System», erklärt der Experte, «einmal pro Woche müssen die Feuchtigkeit und die richtige Durchmischung geprüft werden.» Läuft etwas falsch, merkt man das schnell: Es stinkt. Abhilfe schaffen dann gründliches Vermengen und vermehrte Kontrollen. Ist die Rotte zu feucht, braucht sie mehr Trockenmaterial wie Häcksel oder dürre Blätter. Ist sie zu trocken, muss vorsichtig Wasser zugegeben werden. Es lohnt sich, das Kompostieren in einem Kurs zu erlernen; am lebendigen Beispiel wird nämlich am einfachsten klar, wie die optimale Rotte beschaffen sein sollte. Manche Gemeinden bieten mittlerweile auch entsprechende Beratungen an. Nicht nötig ist Kompostbeschleuniger, wie er zum Teil im Fachhandel oder im Internet angeboten wird. «Er nutzt vor allem dem Portemonnaie des Herstellers», sagt Balmer. Im Winter lohnt es sich, den Kompost wie eine Kübelpflanze vor Kälte zu schützen, damit er nicht gefriert und die Würmer nicht absterben und verschleimen. Beim Gartenkompost ist dies nicht nötig, da sein Volumen grösser ist und im Innern kaum Minustemperaturen auftreten, ganz besonders wenn er regelmässig «Grünfutter» erhält.

Sogar in der Küche

Der klassische Kompost ist nicht die einzige Möglichkeit, organische Reststoffe in den Kreislauf der Natur zurückzuführen. Bewährt hat sich auch die Wurmkiste. Dabei werden die Küchenabfälle in einer Holzkiste gesammelt und von Mikroorganismen und einer grossen Zahl von Kompostwürmern zu Wurmhumus umgearbeitet. Bauanleitungen oder fertige Kisten sowie Wurmlieferanten finden sich im Internet. Wurmkompost ist sehr nährstoffreich und die Küchenabfälle verwandeln sich innert weniger Wochen in Humus. Die vielen Würmer, die bald in der Kiste herumwuseln, brauchen jedoch regelmässig Nahrung. «Für eine Wurmkiste trägt man Verantwortung wie für ein Haustier», sagt Balmer. Weil Tausende von gefrorenen Würmern eine ganze Menge Schleim ergeben, hält man die Wurmkiste am besten im Keller oder in der Garage, wo die Temperaturen auch im Winter im Plusbereich liegen.

Wen das Gruseln überkommt bei solchen Mengen von Würmern, kann es auch mit einem Bokashi-Eimer probieren. Dieser klinischsaubere Plastikkübel, der 17 Liter fasst, kann sogar in der Küche stehen. Im Bokashi-Eimer werden die Küchenabfälle fermentiert, also ohne Sauerstoff, aber unter Zugabe von sogenannten effektiven Mikroorgansimen gelagert. Das fermentierte Material sieht nach ein par Wochen zwar noch erkennbar nach Küchenabfällen aus, vergraben in der Erde wird es jedoch innert zehn bis zwölf Tagen zu Humus. Kompostberater Hans Balmer hat es ausprobiert: «Es funktioniert tipptopp.»

Fotos: fotolia.com

Tags (Stichworte): BalkonkompostBonillaGartenKücheKompostStadtkompostStadtmenschenWurmkiste

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