Sprachaufenthalt für Honigbienen
Bienen aus Asien verstehen Artgenossen aus Europa nicht – und umgekehrt. Als «Touristen» können sie aber fremde Bienensprachen lernen.
Honigbienen kommunizieren über ein ausgeklügeltes System, mit dem sie sich über lohnende Futterquellen austauschen können. Die von der Nahrungssuche in den Bienenstock zurückkehrenden Arbeiterinnen teilen ihren Artgenossinnen dabei mittels sogenanntem Rund- und Schwänzeltanz mit, welche Futterplätze in welcher Distanz und Himmelsrichtung zu finden sind.
Die Tanzsprache der Bienen entdeckte der deutsche Verhaltensforscher Karl von Frisch im vergangenen Jahrhundert. Jede der neun verschiedenen Arten von Honigbienen hat im Laufe der Evolution ihre eigene Sprache entwickelt. Ein Team von Wissenschaftlern aus China, Australien und Deutschland hat nun herausgefunden, dass Asiatische Honigbienen (Apis cerana) und die auch hierzulande vorkommende Europäischen Honigbienen (Apis mellifera) die Sprache der jeweils anderen Art erlernen können.
Anhand von Videoaufzeichnungen stellten die Bienenforscher in ihrer Untersuchung als Erstes sicher, dass die beiden Bienenspezies in einer für beide identischen Umgebung tatsächlich verschiedene Sprachen sprechen. Die Unterschiede zeigten sich vor allem im Schwänzeltanz, dessen Dauer den Bienen die Distanz zu einer Futterquelle angibt. Die Arbeiterinnen der Asiatischen
Honigbiene tanzten zur Angabe einer bestimmten Distanz erheblich länger als jene der Europäischen. Die Wissenschaftler verpflanzten nun einzelne junge asiatische Individuen in eine europäische Kolonie und umgekehrt einzelne Europäer in einen asiatischen Stock. Nach einer gewissen Anpassungsphase lernten die Ausländer die Fremdsprache der anderen Kolonie verstehen und halfen dann erfolgreich bei der Futterbeschaffung mit. Aus früheren Studien sei bekannt, so die Bienenforscher, dass Tänzerinnen bestimmte Duftstoffe produzierten, mit denen sie Novizen zur Nahrungssuche animierten. Auf diese Weise erfolge möglicherweise bei den Asiatischen und Europäischen Honigbienen auch das Erlernen der jeweils anderen Sprache.
Apropos Duft: Eine besondere Herausforderung stellte sich den Wissenschaftlern bereits beim Einschleusen der fremden Bienen in einem anderen Stock. Normalerweise erkennen Bienen einer Kolonie nämlich Individuen einer anderen Art an ihrem Duft und spedieren diese umgehend aus dem heimischen Stock. Gemäss den
Forschern ist es ihnen bei ihrer Untersuchung überhaupt zum ersten Mal gelungen, stabile Kolonien mit zwei verschiedenen Bienenarten zu etablieren.
Bild: © qai / PIXELIO, FOTOLIA
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