Scharfe Früchtchen
Ihre Schärfe schützt Chilischoten vor Pilzbefall. Möglicherweise war dies auch der Grund, weshalb der Mensch die heisse Frucht auf seinen Speiseplan setzte.
Chili ist nicht nur beim Menschen beliebt, sondern steht auch auf dem Speiseplan von Insekten und Pilzen. Gewisse Wanzen beispielsweise bohren mit ihren feinen Rüsseln die Früchte der Nachtschattengewächse an und tun sich am Zucker und an den Fetten gütlich. Durch die mikroskopisch kleinen Verletzungen können wiederum Schimmelpilze in die Schoten gelangen und diese zum Absterben bringen. Doch die Paprikapflanzen können sich wehren, wie kürzlich Wissenschaftler herausgefunden haben: Sie produzieren ein Alkaloid namens Capsaicin und das wirkt wie ein Fungizid. Der Wirkstoff macht die Chili auch für den Menschen als Gewürz interessant, denn er verleiht den Früchten ihre typische Schärfe.
Joshua Tewksbury von der University of Washington und seine Kollegen untersuchten in Bolivien wilde Chilipflanzen der Art Capsicum chacoense auf ihre Capsaicingehalte und fanden heraus, dass nicht alle Pflanzen diese produzieren; dementsprechend unterscheiden sie sich beträchtlich in ihrer Schärfe. Die Forscher stellten fest, dass die scharfen Chili vor allem in Gebieten wachsen, in denen die Schoten fressenden Wanzen oft vorkommen und daher eine erhöhte Gefährdung für eine Infektion mit Pilzen besteht, während die milden vor allem in wanzenfreien Regionen auftreten. Es zeigte sich zudem, dass Pflanzen, die bereits Capsaicin produzieren und in Gegenden gedeihen, in denen ein Pilzbefall trotzdem häufig ist, noch wesentlich mehr des Alkaloids beinhalten und daher deutlich schärfer sind als üblich.
Vögel, die sich von den Chilischoten ernähren, meiden die scharfen Früchte hingegen nicht. Ihnen fehlen die entsprechenden Rezeptoren, die beim Verzehr den Schärfereiz auslösen. Damit bleibt die Samenverbreitung für die Pflanzen gewährleistet und ihre Fortpflanzung gesichert. Neben Mais gehört Chili zu den ältesten Kulturpflanzen des Menschen. Gemäss Tewksbury hänge dies vielleicht mit dem Vorkommen des Capsaicins in den Früchten zusammen, – nicht wegen der Schärfe verleihenden, sondern wegen der fungiziden Wirkung. Denn gerade in feuchten und warmen Klima-ten, so der Wissenschaftler, seien Lebensmittel zu früheren Zeiten ohne Kühlschrank und adäquate Lagermöglichkeiten häufig mit krankmachenden Mikroben und Schimmelpilzen befallen gewesen und Chili habe diesbezüglich eine sichere Nahrungsquelle dargestellt.
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