Sanfte Wildnis

David Coulin | Ausgabe_12/2016

Hoch über dem Lac de Joux wacht der Mont Tendre über das stille Tal. Eine Schneeschuhwanderung mit viel Aussicht führt auf den höchsten Gipfel des Schweizer Juras.

Die Sonne steht flach am Horizont bei der Ankunft in der Cabane du Cunay. Während rund zwei Stunden hat sie uns begleitet, mal durch dichten Tannenbewuchs blinzelnd, mal im offenen Gelände die gelben Wanderwegweiser beleuchtend, die alle in eine Richtung zeigen: zum Mont Tendre, dem mit 1679 Metern höchsten Gipfel des Schweizer Juras.

Startpunkt war der Col du Marchairuz, der Übergang vom Vallée de Joux zur Infanteristenhochburg Bière und von dort direkt hinunter zum Genfersee. Wer weiss wie, der kommt hier auch ohne eigenes Auto hin. Am besten, man meldet sich beim Sportgeschäft Isba in Le Sentier, und der Taxidienst ist organisiert.

Der Schein trügt. Oben dann, auf dem Col, wartet – wer würde das in dieser verlassenen Gegend anders erwarten – ein baufälliges Hotelgebäude. Der Schein trügt aber gewaltig. Was von aussen abgetakelt aussieht, ist innen topmodern eingerichtet mit einer heimeligen Gaststube und Gästezimmern, die keine Vergleiche zu scheuen brauchen. Ideal also, die Erkundung dieses fast zwanzig Kilometer langen Massivs mit einer Übernachtung beim Geranten-Ehepaar Bachmann zu beginnen.

Gut erkennt man auf dem Marsch über die Jurahöhen unter dem Schnee die Konturen des Wanderweges. Sie dienen als Leitplanken, um nicht plötzlich in die Weiten der leicht kupierten Landschaft abzudriften. Das ist nämlich schneller passiert, als man denkt, sodass bei hoher Schneelage ein GPS unbedingt in den Rucksack gehört. Hierhin verlieren sich nämlich keine Skispuren, denen man folgen könnte. Zu weitläufig ist das Gelände, und das ewige Auf und Ab ist gar nicht nach dem Geschmack der Skitouristen.

Das braucht es für eine Schneeschuhtour
Mit Schneeschuhen unterwegs zu sein, ist eine herrliche Art, im Winter zu wandern. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass das Stapfen durch tiefen Schnee auch mit Schneeschuhen eine anstrengende Angelegenheit ist. Deshalb kommt es auf die richtige Ausrüstung an.
Die Schneeschuhe: Je tiefer der Schnee und je schwerer der Mensch, desto breiter muss der Schneeschuh sein. Es gibt Allroundermodelle und solche, die genau auf das Gewicht (inkl. Gepäck!) des Besitzers oder der Besitzerin abgestimmt sind. Fürs flache und leicht hügelige Gelände genügen einfache Schuhe aus einem glatten, runden Aluminiumrahmen. Im anspruchsvollen und alpinen Gelände müssen es Schneeschuhe mit Harschkrallen, Zacken und einer Steighilfe sein.
Der passende Schuh: Für die Tour trägt man am besten einen warmen und wasserdichten Wanderschuh mit guter Profilsohle. Das hilft, wenn felsige oder apere Stellen ohne Schneeschuhe überwunden werden müssen. Leichte Gamaschen verhindern zudem das Eindringen von Schnee oder Spritzwasser.
Die Wanderstöcke: Zum Schneeschuhlaufen gehören leichte, aber stabile Teleskopwanderstöcke. Die meisten Stockhersteller bieten auswechselbare Teller in Sommer- und Wintergrösse an.
Die Kleidung: Bequem muss sie sein und zweckmässig. Am besten trägt man wasserabstossende Winterwanderkleidung in Schichten, sodass man sich unterwegs den Temperaturen oder dem Wetter anpassen kann. Mütze und Handschuhe gehören dazu, genauso wie eine Sonnenoder Skibrille und Sonnencreme. Wichtig ist auch ein Rucksack mit Befestigungsmöglichkeiten für die Schneeschuhe, denn unterwegs wird man sie immer wieder mal tragen müssen.
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Schneeschuh-Romantik. Umso interessanter ist der Mont Tendre dafür für Schneeschuhläufer, die hier alles finden, was das Herz höher schlagen lässt: weisse Weite à discrétion, Kuppen und Senken, von Zeit zu Zeit ein lang gezogener Stall mit grosser Dachfläche, um möglichst viel Regenwasser ableiten zu können. Und dann eben die charmante Cabane du Cunay.

Wer unter der Woche hinkommt, findet das kleine Chalet unbewartet. Einfache Hocker in der Stube, arrangiert um drei massive Holztische, ein Cheminée und unter dem Dach ein Massenlager, in dem man sich im mitgebrachten Schlafsack sofort wohlfühlt. Wenn aber der Mond scheint, wird man sich von ihm aus der Hütte locken lassen, die Schneeschuhe festzurren und losstapfen, hinauf zum Mont Tendre, dem sanften Berg. Dort oben wird man einsam den Jura überblicken, den Schattenwurf des fahlen Mondlichtes beobachten und in romantische Träumereien entschweben.

«Das grosse Schneeschuh Tourenbuch der Schweiz» aus dem AT-Verlag ist als Leserangebot zu einem Vorzugspreis erhältlich.

In drei Varianten auf den Mont Tendre
Tour 1
• Charakter
Märchenwanderung inmitten des Juras.
• Schwierigkeit
WT 2
• Höhendifferenz
450 m Auf- und Abstieg
• Distanz
13 km
• Wanderzeit
4 Stunden
Tour 2
• Charakter
Eher lange Tour durch variantenreiche Juralandschaften.
• Schwierigkeit
WT 2
• Höhendifferenz
650 m Auf- und Abstieg
• Distanz
17 km
• Wanderzeit
6 Stunden
Tour 3
• Charakter
Ultimative Überschreitung für Spitzenschneeschuhläuferinnen und -läufer. Übernachtung in der Cabane du Cunay empfohlen.
• Schwierigkeit
WT 3
• Höhendifferenz
750 m Auf- und 1150 m Abstieg
• Distanz
17 km
• Wanderzeit
5–6 Stunden

Foto: istockphoto.com, at-verlag.ch, at-verlag.ch/David Coulin

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