Pilzfreie Zone

Sabine Hurni | Ausgabe 05 - 2010

Viele Frauen kennen die unangenehmen Symptome eines Scheidenpilzes – und sie wissen, dass es häufig viel Geduld braucht, um ihn zu bekämpfen. Heilpflanzen wie die Eiche sind dabei sehr hilfreich.

In einer Scheide mit gesunder Flora herrscht auch ohne sexuelle Erregung immer ein leicht feuchtes Klima. Die Schleimhaut ist überzogen von einem Vaginalsekret. Während des Eisprungs ist es transparent und dünnflüssig, das erleichtert den Spermien den Aufstieg zur Gebärmutter. Vor der Menstruation ist das Scheidensekret hingegen weisslich und enthält mehr weisse Blutkörperchen, sie schützen die Gebärmutter vor Infektionen. Die Scheide ist ständig von Bakterien und Pilzen besiedelt. Sie bilden die Scheidenflora. Wie bei allen Körperöffnungen dringen Bakterien und Pilze aber unweigerlich auch von aussen in die Scheide ein. Im feuchtwarmen Umfeld können sie sich bestens entwickeln. Damit die Scheidenflora aber im Gleichgewicht bleibt, ist in der Scheidenschleimhaut eine grosse Anzahl von Milchsäurebakterien (Lactobazillen) angesiedelt. Sie produzieren aus Stoffen im Vaginalsekret Milchsäure und Wasserstoffperoxid. Dadurch wird das feuchte Klima in der Scheide sauer (pH 4 bis 4.6). In diesem sauren Milieu können sich die eingedrungenen Bakterien und Pilze nicht vermehren.

Dank diesem natürlichen Scheidenmilieu bleibt die Scheide gesund. Doch übermässige Intimhygiene mit Vaginalduschen und Intimsprays stören dieses Gleichgewicht. Ebenso die Einnahme von Antibiotika, Hormonpräparaten wie der Pille und hormonelle Schwankungen in der Schwangerschaft oder während der Wechseljahre. Auch Schwermetallbelastungen, eine Immunschwäche oder Fehlernährung können mit wiederkehrenden Scheidenpilzerkrankungen in Zusammenhang stehen.

«Gute» und «böse» Bakterien

Die häufigste Ursache sind aber die Antibiotika. Sie zerstören nämlich auch die Milchsäurebakterien, die normalerweise in der Scheide vorkommen. Fehlen diese «guten» Bakterien, können sich die eingedrungenen «bösen» uneingeschränkt vermehren. Das merkt die betroffene Frau schnell. Der Ausfluss nimmt zu, er ist eher grünlich und riecht fischig. Dazu kommen Juckreiz und Brennen. Das ist oft so unangenehm, dass selbst Geschlechtsverkehr nicht mehr Spass macht.

Die häufigsten Erreger sind Candida albicans und Gardnerella. Candida verursacht einen weisslichen Ausfluss mit Juckreiz, Gardnerella eher gelblichen Ausfluss mit unangenehmem Geruch. Die Erreger können durch Geschlechtsverkehr, aber auch durch das Baden in chlorhaltigem Hallenbadwasser in die Scheide eindringen und sich auf einer nicht ausbalancierten Scheidenschleimhaut ungehindert vermehren.

Eichenrinde als Therapie

Um ein gesundes Gleichgewicht in der Schleimhaut der Scheide wiederherzustellen, gibt es verschiedene Wege. Das können Intimduschen mit aufgeschwemmten Milchsäurebakterien, Spülungen mit Meersalzlösungen oder mit milchsäurehaltigen Gärgetränken wie Brottrunk oder Sauerkrautsaft sein.

Eichenrindenspülung – so einfach gehts!
Für die Zubereitung einer Eichenrindenspülung werden 20 Gramm Eichenrinde in 1 Liter Wasser gekocht. Man setzt die Rinde und das Wasser kalt an und kocht das Ganze auf und lässt es 15 bis 20 Minuten kochen. Während einer Woche sollte die Scheide morgens und abends mit dieser Lösung gespült werden. Dazu verwendet man am besten kleine, blasebalgähnliche Spritzen aus dem Fachgeschäft. Für die Zubereitung eines Teilbades, zum Beispiel ein Sitzbad bei Hämorrhoiden, nimmt man 5 Gramm auf 1 Liter Wasser und badet 15 Minuten darin.

Aus der Pflanzenwelt kann die Eichenrinde (Quercus robur) eingesetzt werden. Die Rinde junger Zweige enthält reichlich Gerbstoffe. Vor allem Tannine und Proanthocyanidine. Der Gehalt ist abhängig vom Alter der Zweige und vom Erntezeitpunkt. Gerbstoffhaltige Heilpflanzen werden vor allem als sogenanntes Adstringens eingesetzt. Sie sorgen dafür, dass sich die Hautzellen zusammenziehen und die Haut leicht angegerbt wird. Bäder und Waschungen mit gerbstoffhaltigen Heilpflanzen können deshalb entzündliche Haut- und Schleimhauterkrankungen ausgleichen. Das gilt sowohl bei leichten Entzündungen im Mund- und Rachenraum wie auch im Genital- und Analbereich.

Foto: fotolia.com

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