Öko-Chic
Wer die Umwelt in Sachen Mode wirklich schonen will, soll sich weniger Kleider kaufen, weiss Öko-Lisa und denkt über textillose Alternativen nach.

Die modische Frage dieses Sommers kann nicht lauten, ob mir Pudelweiss steht. Und schon gar nicht, auf welcher Höhe meiner glatt rasierten Waden der Rocksaum zu enden hat. Denn nicht das Was zählt, sondern das Woraus in Zeiten, wo für ein konventionelles Baumwoll-T-Shirt im Durchschnitt 4000 Liter Wasser verbraucht werden und bis zu 7 Kilogramm Kohlendioxid anfallen, in einer knallig-bunten Textilwelt, die nicht nur Kinderarbeit und Billigstlöhne zulässt, sondern für ein cooles «stone washed» auch den Erstickungstod junger türkischer Sandstrahler in Kauf nimmt, die in illegalen Kellerverliesen für internationale Handelsketten fabrikneue Jeans ausbleichen.
Zwar ist in der Modebranche «öko» – neben den unsäglichen Lochmustern und den noch unsäglicheren Leggins – momentan in wie noch nie. Doch gekauft wird nach wie vor, was am besten gefällt. «Mode, wie auch immer produziert, ist nun mal Konsum. Und Konsum belastet die Umwelt», sagt Ingrid Johnson, Professorin am renommierten New Yorker Fashion Institute of Technology. Fakt ist: Rund 18 Kilogramm Kleidung verbrauchen wir pro Kopf und Jahr. Professorin Johnsons ultimativer Ökotipp : «Wer wirklich umweltfreundlich sein will, der kauft sich schlicht weniger zum Anziehen.» Oder lässt sich das bisschen Stoff, das es im Sommer bei Temperaturen über der 25-Grad- Marke braucht, als illusorisches Kunstwerk direkt auf den Körper aufpinseln.
Der hauteigene Dress in Form eines Body-Paints hat zusätzlich den unerhörten Vorteil, dass er sich gegenüber Grillwürsten, Pommes-Chips und Rahmglacebechern völlig neutral verhält: Er sitzt stets perfekt, ganz ohne zu ziehen und zu zwicken. Nur in den Regen darf man damit nicht kommen. Dieser Umstand ist insofern problematisch, als dass der Hundertjährige Kalender für Juni bis September 2010 von unbeständigem Wetter ausgeht. Für die prophezeiten, zum Teil heftigen Gewitter müsste es dann doch eher etwas Permanentes sein, Typ Tattoo – und damit ebenfalls völlig im Trend.
«Küss mich noch mal»
Passé das Bild des harten Bikers, seit so elfenartige, blond gelockte Geschöpfe wie TV-Moderatorin Michelle Hunziker, Ex-Miss-Schweiz Christa Rigozzi und Schlager-Sängerin Marianne Cathomen (Hey Baby, küss mich noch mal) ihre scharfgestochenen Tätowierungen öffentlich zur Schau stellen. Die eine trägt einen Dornenkranz um den rechten Oberarm, die andere ein Krönchen mit Jahrzahl im Nacken und die Dritte diverse Schmetterlinge – angeblich bis tief den Rücken hinab.
Eine nicht näher definierte Amerikanerin liess sich sogar die Pfoten-Abdrücke ihrer Pudelhündin auf die Brüste tätowieren, «um etwas zu besitzen, was sonst niemand hat». Das hätte sie – ganz ohne Schmerzen und höchst umweltfreundlich – auch gekriegt, wenn sie aus den ausgekämmten Haaren ihres wuscheligen Vierbeiners Wolle gesponnen und diese zu nachhaltigen Pulswärmern verarbeitet hätte. Doch ist zu vermuten, dass die Dame a) nicht stricken kann und ihr b) Pudelweiss sowieso nicht in ihr Solarium gebräuntes Gesicht steht.
Die Autorin
Die Journalistin und Moderatorin Nicole Amrein hat mehrere satirische Frauenromane und Romanserien verfasst, darunter einige Bestseller. Jeden Monat gewährt uns die Bernerin mit spitzer Feder einen unterhaltsamen und intimen Blick ins Tagebuch von Öko-Lisa. Mehr unter www.nicoleamrein.ch
Illustration: Manuela Lanfranconi, Foto: NeoGaboX / flickr / cc
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