Nicolas im Glück
Als Vierjähriger hat sich Nicolas Senn in das Hackbrett verliebt. Heute ist er der neue Star der Volksmusikszene und spielt für einen guten Zweck auch mal auf dem Kilimanjaro.
Für Nicolas Senn ist es ein Privileg und eine schöne Arbeit, auf eine Bühne zu treten und Hackbrett spielen zu dürfen. Nervös sei er höchstens, wenn er wisse, dass er ein bestimmtes Stück nicht oft genug geübt habe. Aber das komme kaum vor, erklärt er. «Ich war schon sehr früh vom Hackbrett begeistert», erzählt Senn mit strahlenden Augen. Mit vier Jahren besuchte er ein Konzert der berühmten Alderbuebe aus Urnäsch. Seither ist er fasziniert vom Hackbrett.
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Sein erster Hackbrettlehrer war Willy Bänziger aus Romanshorn. Nur für Nicolas Senn brachte sich Bänziger im Selbststudium das Hackbrettspiel bei und war fortan Senns Lehrer. Eine zum Geburtstag geschenkte Stunde beim international bekannten Hackbrett-Spieler Roman Brülisauer aus Teufen, führte dazu, dass das vielversprechende Talent einige Jahre bei Brülisauer Unterricht bekam. «Von ihm konnte ich enorm viel profitieren. Er unterrichtete ohne Noten, nur mit Gehör und Auge.» Der dritte Lehrer war Töbi Tobler, der wohl vielseitigste Hackbrettler der Schweiz. Bei ihm lernte Senn auch theoretische Hintergründe kennen und spielte sowohl nach Noten, nach Gehör als auch improvisiert.
«Sobald ich Hackbrettklänge höre, vergesse ich die Welt um mich», beschreibt er die Faszination des Instrumentes. «Das war bei mir ja anscheinend bereits mit vier schon so.» Das Hackbrett hätte ihn von Anfang an begeistert, sowohl optisch als auch akustisch. «Ich begann mein Spiel auf einem Occasionsinstrument aus dem Jahr 1982. Noch heute gebe ich meine Konzerte mit diesem Hackbrett», erzählt Nicolas Senn. Ein neues Hackbrett kostet rund 4500 Franken und hält fast ein Leben lang.
Mit zwölf trat Nicolas Senn erstmals in der DRS-Radiosendung «So tönts live» auf. Kurz danach, 2002, hatte er ein Soloauftritt im Schweizer Fernsehen. Es folgten gemeinsame Konzerte mit Francine Jordi und dem Rapper Bligg.
Inzwischen ist Senn Profimusiker und finanziert damit sein Studium der Betriebswirtschaft an der Universität St. Gallen. Ein BWL-Studium sei vielseitig und bringe auch im Alltag Nutzen, findet er.
Wohin ihn das Leben noch führt, vermag Senn momentan nicht zu sagen. Immer nur auf Bühnen zu stehen, sei ihm vielleicht zu wenig herausfordernd. Und wirklich viel Geld würden nur die Grossen verdienen. «Das Hackbrett steht bei mir an erster Stelle, wenn es dann noch anderen Menschen gefällt, umso besser. Dass ich so erfolgreich werde, habe ich nie erwartet», sagt Senn, ein Lächeln huscht über sein Gesicht.
Das Hackbrett
Ein Appenzeller Hackbrett besteht aus 125 Kupfersaiten. Auf einem trapezförmigen Boden mit Stemmleisten ist ein Rahmen mit Stöcken und Zargen geschraubt, darüber eine Decke mit Schalllöchern angebracht. Saiten werden durch einen Zwischensteg geteilt, sodass pro Saite zwei verschiedene Töne möglich sind. Gespielt respektive geschlagen wird das Instrument mit sogenannten Ruten. Besonderheiten beim Hackbrettspiel sind die unregelmässige Tonanordnung sowie die Spieltechnik. Es ist wichtig, dass man die Ruten locker hält und sich nicht verkrampft. Das Hackbrett wird mehr und mehr auch als Schlager-Instrument entdeckt.
Konzert auf dem Kilimanjaro
Nicolas Senn macht nicht nur mit seiner Musik, sondern auch durch sein soziales Engagement auf sich aufmerksam. Im Jahr 2008 bestieg er mit einem Team von 27 Personen den 5895 Meter hohen Kilimanjaro in Tansania, den höchsten Berg Afrikas. Dort gab er mit einem 40 mal 30 Zentimeter kleinen Spezial-Hackbrett ein Mini-Konzert. Die Kilimanjaro-Expedition war sein vierter Aufenthalt in Afrika zugunsten des «Rhein-Valley-Hospital» in Nakuru in Kenia. Sein Engagement begann nicht etwa aus PR-Gründen, sondern mit
einem Geburtstagsständchen, das er der Spitalleiterin Ruth Schäfer in Kenia spielte. Betroffen über die misslichen Zustände in Nakuru entschloss er sich, in der Schweiz auf das Spital-Projekt aufmerksam zu machen. «Das Konzert auf dem Gipfel des Kilimanjaro war ein unbestrittener Höhepunkt meiner bisherigen musikalischen Tätigkeit», meint er rückblickend.
Mit nur 21 Jahren hat Nicolas Senn schon viel erreicht: Auszeichnungen, zahllose Auftritte, Popularität und Medienpräsenz, zwei eigene CDs, Gastmusiker auf über zehn CD-Produktionen und finanzielle Unabhängigkeit. «Ich hatte bis jetzt tatsächlich viel Glück und hoffe, dass ich weiterhin noch viele solche Momente geniessen darf und zusammen mit meinem Umfeld gesund bleibe.» Ab Februar begleitet Nicolas Senn Rapper Bligg auf seiner «Bart aber herzlich»-Tour.
Fotos: Eastdesign.ch / zvg
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