Mit Wärme gegen Krebs

Karl Kobelt | Ausgabe 6 - 2009

Hitze zerstört Tumorzellen. Die Hyperthermie macht sich diese Wirkung zu Nutze. Sie verstärkt die Wirkung von Chemo- und Strahlentherapie, und wird bei der Krebsbehandlung als sanfte Zusatzmethode immer wichtiger

Eine fast unübersehbar lange Reihe von Therapieformen und Verfahren kommen heute in der Tumortherapie zur Anwendung.

Sieben Säulen der Tumortherapie

Wie sind all diese Möglichkeiten zur Krebsbehandlung einzuordnen und zu beurteilen? «Krebs kann viele Ursachen haben. Bei einem solch multifaktoriellen Geschehen sollte die Behandlung entsprechend vielseitig sein», sagt Helmut Knorr. «Zudem sollten die Behandlungen individuell auf jeden Patienten abgestimmt werden», ergänzt Volkmar Wirth. Die beiden Onkologen sind als Oberärzte an der  Aeskulap-Klinik in Brunnen tätig.

Ihnen zufolge basiert eine solch ganzheitliche Medizin in der Krebstherapie neben den konventionellen Methoden auf sieben Säulen. Die siebte ist die lokale Tumorbehandlung, die neben den konventionellen Verfahren die Hyperthermie beinhaltet. Was ist Hyperthermie genau und wie funktioniert sie? Es ist bekannt, dass Krebszellen hitzeempfindlicher sind als gesunde Zellen. Werden sie auf 41 bis 43 Grad Celsius erwärmt, sterben bereits viele von ihnen ab. Die Wärmeanwendung erzeugt folgende Wirkungen:
• Lebenswichtige Stoffwechselfunktionen der Tumorzellen bis hin zur Zellteilung werden gestört
• Direkte thermische Schädigung der Tumorzellen
• Veränderung an den Zellmembranen der Tumorzellen; es entstehen sogenannte • Hitzeschockproteine, die das Immunsystem aktivieren.
• Die Krebszellen werden empfindlicher für zytotoxische Effekte, die Resistenz der Krebszellen gegen gewisse Chemotherapeutika kann ausgelöscht werden.
• «Magnetische» Wirkung: simultan verabreichte Chemotherapeutika werden während der Hyperthermie zum Tumor¬gewebe hingelenkt.

Anwendung der Hyperthermie
Die lokoregionale Hypertermie wird vor allem bei lokal begrenzten oberflächlichen und tieferliegenden Tumoren und bei Metastasen angewendet, wie zum Beispiel bei
• Brustkrebs und -metastasen
• Krebs der Gebärmutter oder des Eierstocks
• Lungen- und Leberkrebs bzw. Lebermetastasen
• Bauchspeicheldrüsenkrebs
• Magen-, Darm- und Blasenkrebs
• Bauchfellkrebs (Peritonealcarcinose)
• Hals-Nasen-Ohren-Tumoren
• Hirntumoren (Glioblastom, Astrozytom) l und Hirnmetastasen
• Lymphknoten-Metastasen und örtlich l begrenzten Lymphomen
Nicht angewendet werden kann die Hyperthermie bei knochenmarktransplantierten Patienten sowie bei Menschen mit elektronischen Herzschrittmachern oder Implantaten.

Wenig Nebenwirkungen

Aufgrund eines selektiven Effekts der Hyperthermie ist dieses schonende Verfahren kaum von Nebenwirkungen begleitet. Helmut Knorr und Volkmar Wirth haben in Deutschland und in Österreich in jahrelanger ärztlicher Praxis- und Klinikerfahrung ein beträchtliches Wissen in der Anwendung der lokoregionalen Tiefenhyperthermie gesammelt. «Sie ist eine gut untersuchte und vielversprechende Methode», so die beiden Oberärzte. Dennoch sei die Hyperthermie keine Wunderwaffe, sondern einfach ein wichtiger und vielversprechender Mosaikstein in der gesamten Krebsbehandlung.

Kompetenzzentrum für Ganzheitsmedizin
Die Aeskulap-Klinik wurde 1990 als erstes Zentrum für ärztliche Ganzheitsmedizin der Schweiz in Brunnen gegründet. Heute sind 25 schul- und komplementärmedizinisch ausgebildete Fachärztinnen und Fachärzte an der Aeskulap-Klinik tätig. Sie behandeln über 3000 Patienten jährlich ambulant und stationär in den Kompetenzzentren Krebs, Schmerztherapie, Chronische Erkrankungen, Psychosomatische Leiden und Zahnmedizin

Foto: © fotolia.com

Tags (Stichworte): AeskulapHyperhermieKrebsZellen

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