Magischer Bodensee
Die Bodenseeregion ist für idyllische See- und Flussfahrten und die herrlichen Landschaften bekannt. Für unsere Vorfahren hatte die Region grosse spirituelle Bedeutung, wie viele im Wasser gefundene Opfergaben aus der Stein- und Bronzezeit vermuten lassen.
Sagenhafte Schätze im Rhein und im Bodensee zu finden, davon träumen die Menschen seit Jahrhunderten. Berichtete doch der Sänger des Nibelungenliedes von einem unermesslich grossen Schatz im Rhein, den Siegfried im Kampf gegen den Drachen gewann. Die Sagen von Schätzen in Flüssen haben einen wahren Kern. Vor Jahrtausenden übergaben die Menschen dem Wasser kostbare Weihegaben, wenn ihnen ein Opfer geboten schien. Sicher erzählte man einander von einem solch denkwürdigen Ereignis noch lange, und so blieb die Erinnerung an diese im Wasser versenkten Kostbarkeiten eben in Sagen lebendig.
Waffen für die Götter
Solch edle Weihegaben überbrachten die Menschen wahrscheinlich auch dem Rhein. Von der Burg Rheineck aus können wir den Verlauf des Alten Rheins verfolgen. Dort, wo er unseren Blicken entschwindet, kam im 19. Jahrhundert beim Bau der Rheinbrücke in Au der Rohling einer rund 7000 Jahre alten Steinaxt aus der Jungsteinzeit zum Vorschein. Ebendort fand man auch ein mittelbronzezeitliches Schwert, geschmiedet rund 1500 Jahre vor Christi Geburt. Im Rheinbett bei St. Margrethen entdeckte man wiederum eine Steinaxt. Und ganz in der Nähe fand man im Rüttelsieb eines Kiesbrechers einen Bronzedolch. Gemeinsam ist diesen Waffen, den Rohling ausgenommen, dass sie mit grossem Aufwand hergestellt wurden.
Schwer vorstellbar ist dabei, dass jemand mit einer so wertvollen Waffe fahrlässig neben oder auf dem Wasser hantierte und sie dabei verlor. Möglich ist es aber sehr wohl, deshalb werden Waffenfunde in Gewässern von Archäologen unterschiedlich interpretiert. Verloren oder geopfert? Regula Steinhauser, Archäologin in St. Gallen, ist der Ansicht, dass Einzelfunde in Gewässern verschiedene Deutungen offen lassen. Beim Schwert vermutet sie, dass diese Waffe mit Absicht dem Wasser übergeben, das heisst geopfert, worden sein könnte. Betrachtet man die Stellen, an denen das Schwert und andere metallene Gegenstände üblicherweise niedergelegt wurden, dann sind dies immer markante Punkte in der Landschaft: Wir finden sie an Quellen und dort, wo Bäche oder Flüsse in einen See münden, so wie der Alte Rhein in den Bodensee.
Auf Spurensuche
Wer von Goldschätzen im Rhein träumt, dem mögen alte Waffen im Fluss nicht besonders wertvoll erscheinen. Für diejenigen aber, die damals Schwerter oder Dolche dem Wasser übergaben, waren diese Dinge das Wertvollste, was sie besassen. Wenn man die vielen Bronzebeile, Schwerter und Dolche betrachtet, die in der Bronzezeit und nachfolgend in der Eisenzeit allein in Schweizer Quellen, Flüsse und Seen gelangten und bis heute daraus geborgen wurden, dann ist davon auszugehen, dass Waffenopfer in Gewässern ein wichtiger Bestandteil des Kultes der damals lebenden Menschen waren. Opfer bringen wir heute Göttern der Flüsse und Seen keine mehr dar. Doch auf den Spuren unserer Vorfahren zu wandeln heisst, unsere eigene Geschichte zu entdecken. Rund um den Bodensee gibt es viele Möglichkeiten dazu.
Das Buch «Magischer Bodensee» ist als Leserangebot zu einem Vorzugspreis erhältlich.
Schätze im Alten Rhein
• Anreise
Mit der Bahn nach Rorschach Stadt, Bahnhof; weiter mit dem Bus 247 (Richtung Rheineck) bis zur Haltestelle Staad, Nagelstein. Von Nagelstein geht es zu Fuss bis nach Rheineck. Dort besteigt man das Schiff bis Staad, Hafenmole. Das Schiff fährt nur von Mai bis Mitte September. Unbedingt vorher den Fahrplan konsultieren (www.schifffahrtrorschach.ch) und den Beginn der Wanderung darauf abstimmen, wie viel Zeit man für die Wanderung von Nagelstein nach Rheineck einberechnen will (die reine Laufzeit beträgt 1½ Stunden) und wie lange der Aufenthalt in Staad (Besichtigung Schloss Wartegg) dauern soll. Endziel der Wanderung ist Rorschach.
• Rückreise
Gleich neben dem Hafen in Rorschach liegt die Bahnstation Hafen. Der Weg zur Station Rorschach Stadt ist markiert.
• Route
1. Etappe: Staad, Haltestelle Nagelstein (475 m ü. M.) – Steiniger Tisch (525 m ü. M.) – Thal (409 m ü. M.) – Rheineck (400 m ü. M.).
2. Etappe: Rheineck, Schiffslände – Altenrhein – Staad (Schiffsfahrt)
3. Etappe: Staad Hafenmole – Schloss Wartegg – Staad Hafenmole
4. Etappe: Staad Hafenmole – Rorschach Hafen (Schiffsfahrt)
• Wanderzeit 1. Etappe bis Staad – Rheineck: 1½ Stunden
2. Etappe Rheineck – Staad: 55 Minuten (Schiffsfahrt)
3. Etappe Staad – Schloss Wartegg – Staad: 30 Minuten
4. Etappe Staad – Rorschach: 15 Minuten (Schiffsfahrt)
• Restaurants
Steiniger Tisch, Felsenstrasse 4, Staad, Tel. 071 888 12 05, www.steinigertisch.ch; Schloss Wartegg, Von Blarer Weg, Rorschacherberg, Tel. 071 858 62 62, www.wartegg.ch
• Allgemeine Informationen
www.rorschach.ch, Rorschach Tourismus Tel. 071 841 70 34
• Karten 1: 50 000 Weinfelden – Bodensee 5021,
1:50 000 St. Gallen – Appenzell 5014
Foto: Schweiz. Bodensee Schifffahrt, at-verlag.ch, zvg
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