«Männer und Frauen haben nicht aufgehört, einander zu mögen.»

Markus Kellenberger | Ausgabe 08 - 2010

Die Gleichberechtigung ist eine Erfolgsgeschichte. Davon ist Ivo Knill, Chefredaktor der «Männerzeitung», überzeugt. Aber: Für die Männer gibt es noch viel zu tun.

Wenn aus Fussgängerstreifen geschlechtsneutrale Zebrasteifen werden, fragen sich viele Frauen und Männer: Haben Gleichstellungsbüros keine wichtigeren Aufgaben?
Ivo Knill: Natürlich, sie arbeiten auch daran. Im Umfeld der Sex- und Porno-Industrie gibt es noch immer viele Missbräuche, und manches, was legal ist, ist eigentlich ein Skandal: Legale Prostitution von 16-jährigen Mädchen in der Schweiz zum Beispiel. Zum Glück ist ein Gesetz unterwegs, das hier Abhilfe schaffen soll.

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 «Wann ist Mann ein Mann?»: Stimmt die traditionelle Rolle der Männer immer noch mit dem überein, was die die heutige Gesellschaft vom Mann als Partner und Vater erwartet?

Männer sind Täter, Frauen sind Opfer – ist das nicht eine banale Vereinfachung des Geschlechteralltags?
Immer mehr Männer fragen sich, ob es nicht auch ihrerseits Bedarf an Gleichstellung gibt. Scheidungen sind heute eine Normalität geworden, aber die Art und Weise, wie mit Vätern umgegangen wird, hält damit nicht Schritt. Die Lebenserwartung von normal ausgebildeten Männern ist neun Jahre tiefer als die von gut ausgebildeten Frauen – die Folge von männlichen Lebensläufen, die von der Arbeit bestimmt sind. In den Schulen bleiben die Knaben sitzen, die Universitäten werden weiblich, nur die Gefängnisse bleiben männlich. Wann endlich passiert in diesen Bereichen etwas, fragen sich viele Männer.

Aber aus Männern nun auch noch Opfer zu machen, kann ja wohl nicht die Lösung sein.
Natürlich nicht. Das Aufrechnen von Diskriminierungen und Benachteiligungen ist ein häufiges Muster von Diskussionen über gleiche Rechte. Aber solches Tun ist heillos. Es lässt uns vergessen, dass Gleichberechtigung in der Schweiz eine Erfolgsgeschichte ist. Noch 1986 galt ein Eherecht, das die Frau dazu verpflichtete, den Haushalt zu führen. Dem Mann war die Rolle als Haupt der ehelichen Gemeinschaft zugeschrieben. Das ist vorbei. Frauen treten heute gleich an Rechten an die Seite ihrer Männer, bereit für Beziehungen auf Augenhöhe. Denn auch das sollte man im Lärm der Geschlechterschlachten nicht vergessen: Männer und Frauen haben nicht aufgehört, einander zu mögen. Sie haben nicht aufgehört, sich danach zu sehnen, in den Arm genommen, geliebt, gewollt und begehrt zu sein.

Wenn das stimmt, was Sie sagen, dann ist ja alles in Ordnung, und es braucht keine Gleichstellungsbüros mehr.
Der Weg zu einer männerfreundlicheren Schweiz führt nicht über die Abschaffung von Gleichstellungsbüros. Er beginnt bei uns Männern. Ich habe eine Bitte an Sie als Mann und alle Männer, die dieses Interview lesen: Begegnen Sie dem nächsten Mann, den Sie sehen, freundlich. Wenn Sie einen Sohn, einen Angestellten, einen Mitarbeiter haben: Loben Sie ihn bei der nächsten Gelegenheit – und Sie werden merken, dass die Welt schöner und männerfreundlicher geworden ist.
Und falls Sie noch weiter gehen möchten: Es gibt Organisationen wie zum Beispiel männer.ch, ein Dachverband für Männeranliegen, der besonnen für die Anliegen der Männer eintritt, zum Beispiel einen Elternurlaub für Väter. Stumme Wut ist zwecklos – doch Solidarität unter Männern ist hilfreich.

Sprachrohr für Männer
Die «Männerzeitung» berichtet aus männlicher Sicht vier Mal im Jahr über Liebe, Arbeit, Familie, Sex und Gesundheit. Sie durchleuchtet den Mythos Männlichkeit. In der aktuellen Ausgabe befasst sie sich mit Pornografie im Internet Mehr Infos und Abo (nicht nur für Männer) unter www.maennerzeitung.ch

Foto: morbuto / flickr / cc

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