Kühne Ideen für den Garten

Remo Vetter | Ausgabe_5_2018

Der Garten, und ist er noch so klein, ist ein Raum zur Selbstverwirklichung, findet Remo Vetter. Denn im Garten lassen sich kühne Ideen säen und pflanzen.

@ istockphoto.com

Während aus mehr oder weniger talentierten Malern selten ein Monet oder Bonnard wird, graben, säen und pflanzen sich Hobbygärtner im Laufe der Jahre oft in die Liga der Gartenkünstler. Möglich ist dies auch weil ein Garten nicht besonders nachtragend ist. Er verzeiht Erziehungs- und Behandlungsfehler. Manchmal blüht er dadurch sogar auf. Drum nur Mut: ran an den Garten! 

Die Königsdisziplin ist der Obst- und Gemüsegarten; auf jeden Fall versorgt er uns mit frischem Obst und Gemüse, Beeren und Kräutern – und die sind reich an Mineralstoffen, Vitaminen und Enzymen. Deshalb wollen Gärtner gerne möglichst viel davon ernten. Doch zu viel des Guten wächst dem Gärtner schnell einmal über den Kopf. Wie viel Nutzgarten ist also sinnvoll?

Zu viel des guten

Für die Selbstversorgung einer vierköpfigen Familie benötigt man rund 300 Quadratmeter Gartenfläche bei platzeffizienten Hügelbeeten genügen 200. Auf einem sonnig gelegenen Boden ist ein Anbau bis auf eine Höhe von etwa 1300 Metern über dem Meeresspiegel möglich, vereinzelt sogar darüber hinaus. Wir haben vor Jahren in einer unwirschen, dem Wetter und Wind ausgesetzten Lage im Engadin auf 1800 Metern  einen Gemüsegarten unterhalten, indem wir ein für die Pflanzen gutes Mikroklima aufgebaut  haben. Wir haben wir Hecken Schutz- und Windbrecher angelegt und den Boden um die Pflanzen mit Schieferplatten ausgelegt, welche die Tageswärme gespeichert und abends an die Pflanzen abgeben haben. 

Jetzt im Mai, nachdem er sich auch bei uns oben erwärmt hat, lockern wir den Boden mit dem Kräuel (Vierzahn) oberflächlich durch. Wir wenden den Boden nicht, denn wir wollen die Bodenfeuchtigkeit erhalten und die natürlichen Schichtungen nicht durcheinanderbringen. Kompost arbeiten wir nur oberflächlich ein.

Ein Lob dem Regenwurm...

Einer der wichtigsten Arbeiter im Boden ist der Regenwurm. Er kann über zehn Zentimeter lang werden und lebt vor allem in der obersten Bodenschicht, kann sich aber auch bis zu einem Meter tief eingraben. Pro Jahr frisst er etwa das 250-fache seines Körpergewichts. Bei der Nahrungsaufnahme zieht er Pflanzenreste in den Boden und verwandelt diese zu fruchtbarer Erde: Wurmkot hat bis zu 5 Mal mehr Stickstoff, 7 Mal mehr Phosphor, 11 Mal mehr Kalium, 2 Mal mehr Kalzium und 6 Mal mehr Magnesium als der normale Gartenboden. Durch die Röhren, die der Regenwurm im Erdreich hinterlässt, verbessert sich zudem die Wasser- und Luftzirkulation. Überschüssiges Wasser kann rasch versickern; Pflanzenwurzeln können die Gänge durchwachsen und dabei die pflanzenverfügbaren Nährstoffe leicht aufnehmen. Je mehr Regenwürmer ein Boden aufweist, desto höher ist die Bodenqualität. 

…und dem Mulch

Das Mulchen ist fester und unverzichtbarer Bestandteil des Biogärtnerns. Es unterstützt Garten und Gärtner in vielerlei Hinsicht. So schützt eine Mulchschicht die Bodenoberfläche vor Regen, Sonne, Schnee, Frost und Erosion; der Boden trocknet im Sommer weniger schnell aus, es muss weniger gewässert werden, was zum einen Arbeit spart und zum anderen auch ein wichtiger ökologischer Aspekt ist. Zudem wird die Unkrautbildung vermindert, denn ohne Licht und Luft gedeihen nicht einmal unliebsame Unkräuter. Vor dem Mulchen sollte der Boden gelockert und gejätet werden. Als Mulchmaterial eignen sich angetrockneter Rasenschnitt, geschnittenes Stroh, Gründüngungspflanzen, Laub und Holzhäcksel oder -schnitzel (bei säureliebenden Pflanzen wie zum Beispiel Heidelbeeren). Die Mulchschicht sollte nicht dicker als ein bis zwei Zentimeter sein, da sonst der Boden nicht mehr atmen kann und es zu Fäulnisbildung kommt. Ein Nachteil des Mulchens besteht darin, dass Schnecken gerne ihre Eier unter der Mulchschicht ablegen. Hier helfen nur die ständige Kontrolle und das behutsame Wenden der Mulchschicht, sodass die Eigelege nach oben gelangen und austrocknen. 

Jetzt direkt aussäen

Anstatt Setzlinge vorzuziehen, können wir jetzt im Mai verschiedene Gemüse direkt ins Freiland aussäen, etwa Spinat, Kresse, Schwarzwurzeln, Karotten oder Schnittsalate. Bei der direkten Aussaat säen wir meist in Reihen, denn so sind die späteren Pflegemassnahmen wie Lockern, Jäten und Vereinzeln leichter auszuführen. Eine gleichmässige und nicht zu dichte Aussaat ist dabei wichtig. Das Volumen feiner Samen kann durch Beimischen von Sand vergrössert werden – damit erreichen wir eine gleichmässige Saatdichte. Aufgelaufene, erstarkte Pflanzen werden möglichst frühzeitig ausgedünnt. Das Frühbeet und die Vliesabdeckung beschleunigen vor allem im Frühjahr das Auflaufen der Saaten. Folgendes gilt es beim Säen zu beachten:
• Nie in nasse, schmierige Böden säen
• Bei trockenem Wetter die Saatrillen vor der Saat angiessen
• Nicht zu dicht säen
• Die Saattiefe entspricht normalerweise der 2- bis 4-fachen Samendicke
• Die Saat dünn mit Erde bedecken
• Kleine Mengen säen, alle zwei bis vier Wochen nachsäen
• Aussaaten bis zur Keimung feucht halten

Gartenarbeiten im Mai
Nutzgarten

•  Vorgezogene Kräuter wie Estragon, Majoran und Basilikum können  nach den Eisheiligen in den Garten oder auf den Balkon umgesetzt werden. Viele Kräuter lassen sich ab Mai direkt ins Freiland aussäen. Dazu gehören: Basilikum, Majoran, Kerbel, Dill, Bohnenkraut, Kresse, Wermut, Kapuzinerkresse, Koriander, Maggikraut, Beifuss. Je nach Bedarf säen wir einjährige Kräuter alle drei bis vier Wochen nach, damit wir die ganze Saison hindurch frische Pflanzen haben. 
•  Vorgezogene Gemüsepflanzen wie Auberginen, Tomaten, Paprika, Knollensellerie oder Kohl nach den Eisheiligen in das Freiland umsetzen.
•  Die meisten Aussaaten können nach den Eisheiligen direkt im Freiland vorgenommen werden. Dazu gehören: Salate, Brokkoli, Gurken, Karotten, Radieschen, Rettich, Randen, Zucchini, Blumen- und Rosenkohl, Stangen- und Buschbohnen, Fenchel sowie Schnittsellerie. Auberginen erst ab Ende Mai im Freiland aussäen. 
•  Besonders zur Aussaat- und Anwuchszeit brauchen Pflanzen regelmässig Wasser.
•  Um den Verrottungsprozess zu unterstützen, bietet sich ein Umsetzen des Kompostes jetzt an.
•  Mischkulturen verhindern Schädlingsbefall und Pilzerkrankungen. Zu Tomaten, Gurken und Zucchini passen Sommerblumen wie Tagetes, Ringelblumen und Kapuzinerkresse. Karotten zwischen Lauch oder Zwiebeln setzen, Kohl mit Sellerie und Lauch pflanzen.
•  Wenn der Boden sich erwärmt hat, keimt auch das Unkraut. Problematische Arten wie Ackerwinde und Quecke müssen unbedingt ausgegraben werden. Auf gar keinen Fall mit der Bodenhacke oder dem Kultivator bearbeiten, das vermehrt die Wurzelunkräuter und lässt sie zur Plage werden.
Ziergarten
•  Der Mai ist ein idealer Monat, um Containerpflanzen wie Rhododendron auszupflanzen.
•  Ab Mitte Mai Kübelpflanzen und Geranien auf Balkon und Terrasse stellen.
•  Hecken verschönern jeden Garten. Jedoch entfalten sie ihre Formschönheit erst nach dem Schnitt. Wir schneiden Sträucher wie Forsythie, Hibiskus, Goldregen und Flieder und teilen diese bei Bedarf. Um den jungen Trieben Platz zu machen, müssen  die alten Zweige direkt am Ansatz der Pflanze entfernt werden.
•  Für einen begrünten Balkon und als Sichtschutz können Kletterer wie Geissblatt oder Glyzinien gepflanzt werden. Sie schiessen schnell in die Höhe und tragen bald wunderschöne Blütenstände. Glyzinien brauchen  eine starke Rankhilfe, da sie schnell an Gewicht zulegen und zum Teil armdicke Stämme bilden.

Die ideale Beetgrösse

Unsere Gartenbeete haben meist eine Breite von 120 Zentimetern. Das ermöglicht es uns, bequem von beiden Seiten bis in die Mitte zu säen, pflanzen und ernten, ohne auf das Beet zu treten und damit den Boden unnötig zu verdichten. Die Länge richtet sich nach den Gegebenheiten wie Gartengrösse; in unserem Fall sind die Beete 10 bis 15 Meter lang. Wahrscheinlich müssen die meisten Gärtner mit kürzeren Beeten vorliebnehmen. Die Zwischenwege sollten nicht zu schmal sein, damit man mit einer Schubkarre bequem durchgehen kann. Unsere Wege haben eine Breite von 50 bis 60 Zentimetern.
Wir haben es uns angewöhnt, gleich alles Material in der Schubkarre mitzunehmen, um das Beet zu bestellen. In der Regel brauchen wir dazu Saatgut, Pflanzen, Kräuel (Vierzahn), Rechen, Schaufel, Messlatte, Giesskanne, Gartenschnur, Etiketten, Bleistift, Dünger, Setzholz und Handspaten. 

Remo Vetter
gestaltete im Auftrag bekannter Firmen Gärten in der Schweiz, in England  und Irland und ist seit 2018 freischaffend als Gartengestalter, Referent und Buchautor unterwegs. Naturzusammenhänge, Nachhaltigkeit, Entschleunigung und Sinnfindung sind die zentralen Themen seiner zahlreichen Publikationen, Vorträge, Radio- und Fernsehauftritte  im In- und Ausland.


Fotos: istockfoto.com 

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