Kork am Werk

Heinz Knieriemen | Ausgabe 9 - 2008

Dank seiner hervorragenden Eigenschaften findet Kork nicht nur als Weinzapfen, sondern auch als Baustoff Verwendung. Sogar die amerikanische Raumfahrt verlässt sich auf den nachwachsenden und ökologisch wertvollen Rohstoff.

Ob als Weinkorken, ökologischer Dämmstoff, Bodenbelag oder Zusatz zu Lehmbaustoffen – Kork ist ein nachwachsendes und ökologisch wertvolles Naturmaterial mit überzeugenden Qualitäten. Der Rohstoff stammt von der Korkeiche (Quercus suber), die in vielen mediterranen Ländern Europas sowie in Nordafrika wächst und in ihren Stammlanden seit Urzeiten Landschaftsbild wie Menschen prägt. Die Korkeiche dient als Schattenspender und Wasserspeicher, ihre Krone bildet einen guten Nistplatz für Vögel und die Früchte, die Eicheln, sind Nahrungsquelle vieler Tiere. Die Bäume sind auch Grundlage für Arbeit und Verdienst vieler Menschen. Wirtschaftliche Bedeutung kommt dem Naturprodukt heute vor allem in Nordportugal, Spanien, auf Korsika und im Bereich des Atlasgebirges in Nordafrika zu.

Was ist Kork?
Bei Bäumen sorgt das sogenannte Kambium, ein spezielles Wachstumsgewebe, das den äusseren Bereich eines Baumstamms konzentrisch umschliesst, für die kontinuierliche Zunahme des Stammdurchmessers. Der Zuwachs lässt sich bei Bäumen in unseren Breitengraden bekanntlich an den Jahrringen feststellen. Das Gewebe, das innerhalb des Kambiums gebildet wird, bezeichnet man als Holz; jenes ausserhalb des Kambiums heisst Bast. In der Bastschicht kann es zur Ausbildung eines zusätzlichen Kambiums, des Korkkambiums, kommen. Dieses Gewebe produziert den Kork, der sich jedoch nur bei der Korkeiche derart mächtig entwickelt. Dies wird als Anpassung an Waldbrände angesehen und macht den Baum feuerfest. Um den Wasser- und Gasaustausch zu gewährleisten, ist das Korkgewebe mit feinen Poren durchsetzt, die man etwa bei einem Weinzapfen schön sehen kann. Die mit einer reich verzweigten Krone und ledrigen Blättern ausgestattete Korkeiche erzeugt in ihren ersten 15 bis 20 Lebensjahren einen brüchigen, wenig elastischen Kork, der technisch kaum brauchbar ist. Er wird vorsichtig abgehoben, ohne dass die darunterliegende junge Schicht verletzt wird. Diese bringt dann ein neues Korkkambium hervor, das in etwa 10 Jahren neue 5 bis 8 Zentimeter dicke Korkschichten bildet. Erst diese haben die richtige Dicke und Beschaffenheit, um daraus beispielsweise Flaschenzapfen herzustellen. Der Kork kann nun alle 10 bis 12 Jahre bis zu einem Alter der Bäume von 150 Jahren regelmässig abgeschält werden, was jeweils die Bildung einer neuen Schicht auslöst. Kork wurde erstmals im 2. Jahrhundert nach Christus in der damaligen römischen Provinz Hispania geschnitten und verarbeitet.
Andres Jordi

Kork – ein ökonomischer Faktor

 

 

Die Korkindustrie produziert ungefähr 350000 Tonnen Kork pro Jahr und erwirtschaftet damit umgerechnet rund 3,4 Milliarden Schweizerfranken. Portugal, mit mehr als 50 Prozent der Gesamtproduktion weltweit der grösste Hersteller von Kork, exportiert diesen in über 100 Länder. In der Korkindustrie Portugals sind 25000 Personen beschäftigt. Die Pflege und Kultur von Korkeichen ist zudem ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung der typischen Bewaldung mediterraner Landschaften.

Werden die Korkeichenwälder nicht mehr bewirtschaftet, folgt stattdessen meist der ökologisch fragwürdige Anbau schnell wachsender Eukalyptusbäume für die industrielle Zelluloseproduktion, was zu Erosion und Verödung ganzer Landstriche und einem Verlust von Arbeitsplätzen führt. Statt einer nachhaltigen Korknutzung beginnt ein Raubbau an der Natur.

 

Unschlagbare Eigenschaften

Kork wird im Hochsommer geerntet, weil sich dann die Rinde besonders gut vom Baum ablösen lässt. Die Rinde der Korkeiche wächst alle 9 bis 12 Jahre wieder nach. Es vergehen allerdings etwa 30 Jahre, bis erstmals Hand an den Stamm gelegt werden kann. Die Korkschicht ist dann etwa 3 bis 4 Zentimeter dick. Das Schälen der Eichen ist bis heute Handarbeit. Nach der Ernte wird der Kork gewässert, gelagert, zu den Verarbeitungsbetrieben transportiert und in grossen Bündeln gekocht. Dabei dehnt er sich aus, erhält Zähigkeit und Elastizität und es werden unerwünschte Mikroorganismen abgetötet.

Kork verfügt über hervorragende Materialeigenschaften: Er ist zäh-elastisch, belastbar, formbeständig, wasserabweisend, säure- und weitgehend pilz- und insektenresistent, atmungsaktiv, geruchsfrei, hautfreundlich, bietet gute Qualitäten als Isolation und ist schwer brennbar. Genau diese Eigenschaften sind es, die Kork als Material so einmalig machen – sei es als Verschluss für die Weinflasche oder als ökologischen Baustoff. Die allseits positive Ökobilanz von Kork wird lediglich durch die möglicherweise langen Transportwege belastet.

In der Schweiz und in Deutschland wurden in standardisierten Versuchen die Brandeigenschaften von Kork und Styropor verglichen. Auf Gips aufgebrachte Kork- und Styroporplatten wurden dabei einer Temperatur von 1200 Grad Celsius ausgesetzt. Der Kunststoff brannte nach 11 Minuten; erst 3 Minuten später schlugen die Flammen aus den Korkplatten, die jedoch sofort nach Abschalten des Brenners wieder erloschen. Vor allem gingen von dem natürlichen Material keinerlei giftige Dämpfe aus. Auch die Raumfahrtindustrie hat diese Vorzüge des Korks längst entdeckt: Der amerikanische Space Shuttle trägt unter seinem Metallmantel einen Hitzeschutz aus Kork!

Für Fussboden und Fussbett

Als Endprodukt machen Flaschenkorken immer noch mehr als zwei Drittel des Korkumsatzes aus; allein Deutschland importiert jährlich über 1,2 Milliarden Zapfen. Allerdings fallen inzwischen mehr als 75 Prozent als sogenannter Sekundärkork an. Der Kork wird dabei zu Granulat vermahlen und zu Platten verklebt, die zu einer grossen Palette von Produkten weiterverarbeitet werden. Dieser Presskork findet unter anderem in der Bauindustrie als Dämmmaterial, Fussbodenbelag oder Tapeten, für Wärmeisolation oder  Vibrationsschutz Verwendung. Auch für Fussbette von Gesundheitsschuhen kommt Kork zum Einsatz. Abfälle und Korkmehl dienen zudem der Linoleumproduktion. Aufgrund seiner geringen Dichte wird Kork auch für Schwimmwesten und Rettungsringe verwendet.

Beim Kauf von Bodenplatten gilt es darauf zu achten, dass Kork keine gesundheitsschädigenden Zusätze wie Lösemittel enthält und nicht mit PVC oder anderen Kunststoffen versiegelt ist, die ein Recycling verunmöglichen. Korkplatten für Fussböden sollten mit Grundierölen und Hartwachsen behandelt werden.

Übrigens hat auch die Zellforschung durch den Korken wesentliche Impulse erhalten. Im 17. Jahrhundert bezeichnete der Engländer Robert Hooke die mikroskopisch sichtbaren Hohlräume eines dünnen Flaschenkorkenschnitts erstmals als Zellen. (Das Wort stammt vom lateinischen «cella» für Kämmerchen, von dem sich auch unser Wort Keller ableitet.)

Korkenrecycling

In der Schweiz fallen jährlich mehr als 150 Millionen Flaschenkorken an – viel zu schade, diese einfach achtlos wegzuwerfen. Seit 15 Jahren betreibt das durch Restaurantmanager, Sommeliers und den Förderverein Evergreens-Sozialwerk Zürich ins Leben gerufene Schweizerische Korken-Recycling deshalb hierzulande ein flächendeckendes Korksammelstellennetz. Zu diesem gehören neben Hotels, Restaurants und Weinhandlungen auch Detailhandelsgeschäfte, Umweltläden oder sogar Gemeindeverwaltungen.

In der Sammelzentrale in Zürich werden die eingegangenen Korken von Fremdstoffen befreit und feinsortiert. Abnehmer der aufbereiteten Zapfen ist eine Korkmühle im Glarnerland, die diese zu Presskork verarbeitet. Alle kantonalen Sammelstellen finden Sie im Internet:  www.korken.ch.

Kork ist eine natürliche Ressource, die auch heutzutage unsere Wertschätzung und Sorgfalt verdient. Vielleicht kann das Recycling von Kork neben der Schonung dieses Rohstoffs aus der Natur auch den neu aufkommenden Aluverschlüssen entgegenwirken und die Jahrtausende Jahre alte Weinkultur mit den traditionsreichen Korken sichern helfen.

Bilder: fotalia.de

Tags (Stichworte): ÖkologieKorkKorkeicheNachhaltigkeitNaturbaustoffeWein

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