Korallenriffe in Gefahr

Andres Jordi | Ausgabe 2 - 2008

Der steigende CO2-Ausstoss verändert nicht nur das Weltklima, sondern wirkt sich auch negativ auf die Korallenriffe aus.

Das Jahr 2008 wurde von der International Coral Reef Initiative zum Jahr des Korallenriffs erkoren. Damit will die Organisation, die sich der Erhaltung und dem Schutz der Korallenriffe verschrieben hat, auf die Bedrohung dieser auf Umweltveränderungen sensibel reagierenden, artenreichen Lebensräume aufmerksam machen. Eine bedeutende Gefahr für die Riffe geht einer kürzlich publizierten Studie zufolge vom hauptsächlich anthropogen verursachten steigenden Ausstoss von Kohlendioxid (CO2) und der damit verbundenen Temperaturerhöhung aus.

Ove Hoegh-Guldberg von der University of Queensland in Australien und seine Kollegen haben die möglichen Auswirkungen eines sich verändernden Klimas auf die Korallenriffe untersucht. Die Forscher kamen zum Schluss, dass wenn die CO2- Emissionen im gleichen Masse ansteigen wie heute, in 50 Jahren 98 Prozent der Korallenriffe verschwunden sein werden.

Rund 25 Prozent der globalen CO2- Emissionen werden in den Ozeanen gespeichert und dort in Kohlensäure umgewandelt. Ein steignder CO2-Ausstoss führt dementsprechend zu höheren Kohlensäurekonzentrationen in den Weltmeeren _ mit der Folge, dass das Meerwasser zunehmend saurer wird. Diese Versauerung macht den Korallenriffen zu schaffen. Einerseits sind die im Wasser vorkommenden Karbonat-Ionen, welche die Korallen für den Aufbau ihres Kalkskeletts benötigen, unter saureren Bedingungen weniger verfügbar. Dies verlangsamt das Wachstum der Korallen und kann die Skelettbildung im Extremfall sogar ganz verhindern. Andererseits führen hohe Kohlensäurekonzentrationen dazu, dass das in den Skeletten gebundene Karbonat herausgelöst und die Korallen zerstört werden.

Die Wissenschaftler legen mit Hilfe von Modellrechnungen drei mögliche Zukunftsvisionen vor. Das erste Szenario geht von einer Stabilisierung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre bei 380 ppm (parts per million) und einer Temperaturzunahme von einem Grad aus. Dies entspricht den heute herrschenden Verhältnissen. Laut den Forschern führen diese Bedingungen zu keiner grundlegenden Zerstörung der Riffe, beeinflussen aber deren Artenzusammensetzung.

Im zweiten Szenario gehen die Wissenschaftler davon aus, dass der CO2-Gehalt mittelfristig auf 450 bis 500 ppm und die Temperatur zwei Grad steigt. Diese Werte liegen im unteren Bereich der von der Internationalen Klimaagentur (IPCC) als wahrscheinlich prognostizierten CO2-Zunahme. In diesem Fall rechnen die Forscher damit, dass es in den Korallenriffen zu grossen Verschiebungen in der Artenzusammensetzung kommen würde: Temperaturtolerante und schnellwachsende Korallen breiten sich auf Kosten weniger konkurrenzfähiger Arten stark aus. Dies würde laut Forschern zu einer Abnahme der Vielgestaltigkeit der Riffe führen. Damit verlören viele der rifftypischen Fischarten und Weichtiere ihren Lebensraum, so die Experten, und die Biodiversität der Korallenriffe würde erheblich sinken.

Beim dritten Szenario steigt die CO2-Konzentration auf über 500 ppm und die Temperatur um mehr als 3 Grad. Unter solchen Bedingungen würden sich die im zweiten Szenario vorausgesagten Effekte nochmals erheblich verstärken. Die Wissenschaftler schätzen, dass in diesem Fall rund die Hälfte der Arten verschwinden und die Riffe , von vereinzelten Restbeständen abgesehen, praktisch vollständig zersetzt würden.

Tags (Stichworte): CO2-EmissionenKlimawandelKorallen

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