Interview
Palmöl von der Drogenmafia

Martin Arnold | Ausgabe 06 - 2010

Laut Energieexperte und Swissaid-Präsident Rudolf Rechsteiner mischt die Drogenmafia in Kolumbien beim Geschäft mit Palmöl kräftig mit.

Herr Rechsteiner, ist Kolumbien nicht nur ein Kokainland, sondern inzwischen auch ein Palmölland?
Das hängt zum Teil zusammen. Die Drogenmafia investiert viel Geld in Ölpalmen-Plantagen. Nach dem Willen der Regierung soll die Anbaufläche bis 2020 auf zwei Millionen Hektar verachtfacht werden. Diese Fläche ist halb so gross wie die Schweiz. Für manche Drogenbarone sind diese Plantagen Kapitalanlage und Geldwäsche. Weil Importe von Agrotreibstoffen in Europa und den USA subventioniert werden, hat sich ein riesiger Markt aufgetan.

Sie konnten sich kürzlich in Sur de Bolivar selber ein Bild von der Situation machen.
Die Kleinbauern dort bezahlen meist einen hohen Preis. Sie werden – oft mit Gewalt –, vom Boden vertrieben, den sie seit Jahrzehnten bewirtschaften. Betroffene erzählten uns, wie das vor sich geht. Sie werden über Monate von Paramilitärs verbal bedroht. Dann verschwinden Menschen aus dem Dorf. Ihre Leichen liegen dann ermordet am Fluss. Manchen Familien bleiben nur 24 Stunden Zeit, um ihren Hof zu verlassen. In Kolumbien gibt es inzwischen 3,5 Millionen intern Vertriebene – die höchste Zahl weltweit hinter Afghanistan.

Weiterführender Artikel
 «Die Ölkrise»: Wie der Anbau von Ölpalmenplantagen für die die Abholzung der Regenwaldes in Asien und Südamerika verantwortlich ist.

In welchem Zusammenhang steht die Ausdehnung des Palmölanbaus mit der Zerstörung der Regenwälder?
Neue Palmölplantagen werden in Kolumbien meist nicht direkt im Urwald angelegt. Aber sie verdrängen Rinderfarmen und Kleinbauern, die dann ihrerseits in unberührte Gebiete vorstossen. Dann werden Wälder für den Fleischexport und zur Landgewinnung abgebrannt.

Der Bedarf an Palmöl steigt weltweit stark an. Da erscheint eine Lösung schwierig.
Sorge bereiten vor allem die neuen Monokulturen und die ungebremste Expansion von Agro-Diesel. Elektroautos mit sauberem Strom aus Wind und Sonne wären die bessere Lösung. In diese Richtung muss die Politik auch in der Schweiz zielen. Palmöl von mittelgrossen Bauernbetrieben für Lebensmittel und Kosmetika in gemischten Kulturen produziert wäre für sich kein grosses Problem und könnte den Kolumbianern ein Einkommen und Wohlstand bringen.

Was muss geschehen?
Es dürfen keine für den Nahrungsmittelanbau benötigten Landwirtschaftsflächen mehr für Ölpalmen geopfert werden. Die Landvertreibungen müssten gestoppt und eine nachhaltige Landwirtschaft in den Herkunftsgebieten gefördert werden.

Zur Peson
Der Basler Rudolf Rechsteiner ist Präsident der Entwicklungsorganisation Swissaid. Er ist Nationalrat und Mitglied der Sozialdemokratischen Partei. Der Energieexperte ist Mitglied der Kommission für Raumplanung und Energie (Urek).


Foto: joxin / flickr / cc, zvg

Tags (Stichworte): DrogenDrogenmafiaKolumbienMafiaPalmoel

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