In der warmen Stube

Remo Vetter | Ausgabe 12 - 2009

Ruht die Erde im Winter, ist die Zeit gekommen, das vergangene Gartenjahr Revue passieren zu lassen und das kommende zu planen.

Viele Hobbygärtner fürchten sich vor dem Frost, der bei uns meist jetzt im Dezember, Januar und Februar auftritt. Für mich ist er eher Helfer als Feind. Natürlich muss ich aufpassen, dass ich die nicht winterharten Pflanzen schütze und sie im ungeheizten Glashaus oder in der Orangerie unterbringe, bevor Väterchen Frost zuschlägt.

Grundsätzlich unterdrückt der Frost Krankheiten und hilft mir bei der natürlichen Bekämpfung von Schädlingen wie Raupen, Schnecken, Mäusen oder Zecken. Gleichzeitig macht er den Boden hart, sodass ich mich in dieser Zeit um gestalterische Arbeiten kümmern kann. Ich lege neue Gartenbeete an, verlege Steinplattenwege oder setze Trockensteinmauern auf. Da ich die meisten Pflanzen, vor allem die samentragenden, im Winter als Futter für die Vögel stehen lasse, bietet sich an einem frostigen Morgen ein oft reizvoller und manchmal auch bizarrer Anblick. Die über zwei Meter hohen Fenchel- und Baldrianpflanzen können schon einmal wie kosmische Antennen aussehen.

Die Natur kennt keinen Abfall. Wer durch den Wald geht, kann beobachten, wie die vielen im Frühjahr hervorgebrachten und im Herbst abgeworfenen Blätter über den Winter fast ganz verschwinden und sich in Humus verwandeln. Die Natur betreibt seit Jahrtausenden Recycling in wunderbarer Perfektion. Aus abgestorbenen Blättern und Pflanzen wachsen neue Pflanzen. So sind auch unsere Küchen- und Gartenabfälle keine Abfälle, sondern wertvolle Rohstoffe für neuen Humus. Sie zu verbrennen, ist Verschwendung.

Der Begriff Kompostieren kommt vom lateinischen «componere», auf Deutsch: zusammensetzen. So ergeben Küchenabfälle allein noch keinen Kompost. Erst durch die richtige Vermischung der Küchen- und Gartenabfälle mit erdigem Material entstehen Humusstoffe und Bodenkrümel. Beim Kompostieren schaffen wir günstige Bedingungen für unzählige Kleinlebewesen. Der Umwandlungsprozess läuft dann von selbst ab.

Die Nährstoffe, die in den abgestorbenen Pflanzenteilen eingelagert sind, werden durch die Tätigkeit der Bodenlebewesen herausgelöst und im Humus gespeichert. Sie stehen so den Pflanzen neu zur Verfügung, und der Stoffkreislauf wird geschlossen. Die Bodenlebewesen erhalten die Bodenfruchtbarkeit. Feuchtigkeit und Luft sind für sie lebensnotwendig. Der Ab- und Aufbauprozess ergibt sich aus dem komplexen Zusammenhang der Lebensabläufe. Je sorgfältiger wir arbeiten und je schadstofffreier das Mischgut ist, umso besser wird die Qualität der Komposterde. Sie trägt zu einem gesunden Boden bei, der alle Nahrung für Mensch und Tier hervorbringt.

Richtig kompostieren
Das gehört in den Kompost
• Rüstabfälle von Gemüse und Obst
• Eierschalen (zerdrückt)
• Tee- und Kaffeesatz
• Schnittblumen
• Balkon- und Topfpflanzen mit Erdballen
• Kleintiermist
• Federn und Haare
• Holzasche
• Laub
• Gras- und Rasenschnitt
• Schilf
• Gartenabraum
• Hecken- und Baumschnitt
• Halb verrotteter Kompost oder Erde als Rottebeschleuniger

Düngen erübrigt sich

Je kleiner die Rohstoffe, umso grösser ist die Angriffsfläche für die Bodenlebewesen und umso schneller geht die Verrottung vor sich. Daher sollte alles Material zerkleinert in den Kompost gelangen. Den Baum-, Strauch- und Heckenschnitt häckseln wir mit einer Häckselmaschine oder zerkleinern ihn mit einem Gertel (Hippe), einer Garten- oder Baumschere in handlange Stücke.

Pflanzenrückstände, frischer Rasenschnitt oder verwelkte Schnittblumen dürfen nicht lange liegen bleiben. Wir vermischen sie möglichst rasch mit trockenem, dürrem oder hartem Material, mit grobem Häcksel, Laub oder Stroh und ausserdem mit Frischkompost oder Erde. Ist die Kompostmischung nicht so feucht wie ein ausgedrückter, nasser Schwamm, geben wir mit einer Giesskanne etwas Wasser zu.

Das bewährte Rezept für guten Kompost
Ein Teil Pflanzenrückstände aus Küche und Garten und ein Teil Holziges, Verdorrtes, Frischkompost, Erde zerkleinern wir gut auf Handgrösse, streuen ein wenig Steinmehl darüber und fügen bei trockenem Material etwas Wasser zu. Das gründlich vermischte Kompostgut geben wir locker in ein Gitter mit luftdurchlässiger Unterlage oder schichten es zu einem Walm auf.
Reifetest: Wir nehmen ein grosses Glas mit Deckel, füllen es zur Hälfte mit fein gesiebter, feuchter Komposterde. Dann streuen wir Kressesamen, die wir zwei Millimeter hoch mit Kompost bedecken. Wir befeuchten die Oberfläche, ohne die Komposterde einzunässen, schliessen das Glas und stellen es an einen hellen Ort. Wenn innerhalb von zwei bis drei Wochen gleichmässig kräftige, grüne Pflänzchen wachsen, haben wir eine gute, reife Komposterde. Werden die Pflänzchen aber gelblich oder verfaulen sie gar, ist der Kompost noch nicht reif. Die ideale Dosierung von Reifekompost liegt bei 1,5 bis 3 Liter pro Quadratmeter und Jahr.

Nach drei bis vier Monaten, wenn der Kompost auf unter 30 Grad abgekühlt ist, kontrollieren wir den Verrottungsstand. Vererdet der Kompost und ist er genügend feucht, können wir ihn weitere fünf bis sechs Monate liegen lassen. Ist er aber zu trocken oder zu nass, entfernen wir das Vlies und schaufeln den Kompost um. Das fördert die Rotte.

Vor dem Ausbringen sieben wir den Kompost. Das Aussieben der unverrotteten Holzteile ist wichtig, da sie den Pflanzen den Stickstoff entziehen. Das ausgesiebte Material kompostieren wir erneut. Da es bereits vorkompostiert wurde, dient es uns als Impfmaterial und beschleunigt den Abbauprozess.

Der richtig zusammengesetzte, ausgereifte Kompost ist nicht nur ein Bodenverbesserer, sondern auch ein Düngemittel. Dadurch können wir auf den Zukauf von Blumenerde, Dünger und Torf verzichten. Es ist unser Ziel, möglichst wenig zuzukaufen. In einem gut funktionierenden Garten sollten eigentlich keine Kosten für Erde und Düngung anfallen.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.


Fotos: Dave Brüllmann, fotolia.com

Tags (Stichworte): Kompost

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