Immer der Geschichte nach

Sabine Bolliger | Ausgabe 11 - 2009

Das Mittelland ist ein Wanderland. Gewiss, es fehlen ihm die Höhen, die Alpen bleiben stets auf Distanz, dafür entschädigen historische Höhepunkte – zum Beispiel auf dem Weg von Thun ins Gürbetal.

Wanderungen im Mittelland sind Genusstouren. Durch die geringen Höhenunterschiede entfallen anstrengende Auf-und Abstiege, die abwechslungsreiche Landschaft steht im Vordergrund.

In ihrem Charakter unterschiedliche Regionen sorgen für eine grosse Vielfalt an Natur und Kultur. Im Norden reichen die Regionen Solothurn und Oberaargau von der ersten Jurakette bis zum Napfbergland. Da stehen Burgen und Schlösser auf engem Raum beieinander, beeindrucken historische Gebäude und alte Kulturlandschaften. Bäche und Flüsse, allen voran die Aare, fliessen dem Rhein entgegen. Auf lauschigen Uferwegen kontrastieren nicht selten Natur und Technik, spazieren Wanderer durch sensible Naturschutz- und Auengebiete, aber auch durch urbane Siedlungen. An den Flussufern finden sich erfrischende Bade- und viele Spielmöglichkeiten, gleichzeitig zeugen Industriebauten von der Bedeutung des Wassers. Den perfekten Überblick auf das «Wasserschloss der Schweiz», den Zusammenfluss von Aare, Limmat und Reuss, geniesst man vom Gebenstorfer Horn bei Brugg.

Eintauchen in die Geschichte

Im Süden, gegen die Alpen zu, steht die Gantrischkette, haben sich im Schwarzenburgerland die wildromantischen Schluchten der Sense und des Schwarzwassers ihre Ursprünglichkeit bewahrt. Sanfte Hügel senken sich von diesen voralpinen Landstrichen in die Ebenen des Laupenamtes und Seelandes. Wandern heisst hier auch eintauchen in die Geschichte: In Murten spaziert man über eine begehbare Ringmauer, und im Amphitheater von Avenches kämpften einst römische Gladiatoren. Typische Landschaftselemente des Dreiseenlandes sind Gemüsefelder, Rebhänge und natürlich Bieler-, Murten- und Neuenburgersee. Wandern und Schifffahren sind hier eine gelungene Kombination, französische Lebensart geniesst man in den Strassencafés der zweisprachigen Uhrenmetropole Biel. Zur Zeit der Traubenernte finden am Bielersee Winzerfeste statt, und auf der St. Petersinsel erlebte schon vor über 200 Jahren Jean-Jacques Rousseau glückliche Wochen.

Essen wie Einstein

Überhaupt wird kulinarisch einiges geboten im Mittelland. In der Schaukäserei Affoltern erfährt man, wie die Löcher in den berühmten Emmentaler Käse kommen, und im Gürbetal, dem Chabisland der Schweiz stellen Besucher beim «Suurchabis-Imachtag» ihr eigenes Sauerkraut her. Wanderungen im dicht besiedelten Mitteland lassen sich auch mit interessanten Stadtbesichtigungen verbinden. In der Barockstadt Solothurn steht die mächtige St.-Ursen-Kathedrale. Lebendige Kleinstädte wie Baden oder der Eisenbahnknotenpunkt Olten laden ein zu vielfältigen Entdeckungen. Und in der Hauptstadt Bern staunt man im Einsteinmuseum über Raum und Zeit. Die Berner Altstadt steht auf der Liste des Unesco-Weltkulturerbes, und schon Albert Einstein, fürwahr ein kluger Kopf, fand sie „reizend, altertümlich und urgemütlich.“

Das Buch zur Wanderung: «Wanderland Schweiz – Via Jacobi» ist als Leserangebot zumVorzugspreis erhältlich.

Vom Thunersee ins Gürbetal
Charakter: Leicht – aber mit etwas mehr als fünf Stunden auch lang. Keine nennenswerten Höhenunterschiede. Verschiedene Abkürzungsmöglichkeiten.
Anreise: Nach Thun mit Bahn, Schiff, Bus oder Auto.
Abreise ab Wattenwil: Regelmässige Busverbindungen zu verschiedenen Bahnhöfen.
Verpflegung: Unterwegs verschiedene Verpflegungs-, Einkaufs- und auch Übernachtungsmöglichkeiten.
Route und Sehenswürdigkeiten
Von Thun nach Wattenwil führt die Wanderung in beschaulicher Landschaft, mit der Stockhornkette im Hintergrund, an mehreren Seen vorbei. Neben dem Schloss Thun lohnt sich besonders der Besuch der Kirche Amsoldingen mit ihrer eindrücklichen Krypta. Scherzligen war Mutterkirche jener von Strättligen, Schoren, Allmendingen, Buchholz und eines Teils der Stadt Thun. Die Wallfahrt hierher war beträchtlich. Die Entwicklung Amsoldingens war im Mittelalter ganz vom Chorherrenstift bestimmt. Ein erster Vorgängerbau der Stiftskirche ist bereits um 700 errichtet worden. Die aus dem 10. Jahrhundert stammende Propsteikirche St. Mauritius ist die grösste ottonische Basilika der Gegend und eines der ältesten Bauwerke des Kantons Bern. Es handelt sich um eine typische Pfeilerbasilika mit drei Apsiden und einer Hallenkrypta. Die nördliche Wandstütze war ursprünglich ein Meilenstein, der 7 Leugen (etwa 16 km) entfernt von Aventicum an einer Römerstrasse stand, und die beiden westlichen freistehenden Stützen bestehen je  aus einem ganzen und einem halben römischen Grabaltar mit Inschrift.

Die Krypta wurde 1978 bis 1980 restauriert. Sie entspricht dem Zustand um 1210 nach der Erneuerung der Gewölbe mit römischen Spolien als Stützen. Der gut erhaltene Hauptbau der Kirche ist in eine eindrückliche Baugruppe mit Schloss, Ökonomiebauten, Mühle, Pfarrhaus, Stöckli und Waschhaus integriert. Der historische Verkehrsweg führt unter der Holzpasserelle zwischen Pfarrhaus und Stöckli durch.

In Wattenwil sind Kirche und Pfarrhaus sehenswert. Der barocke Taufstein stammt wahrscheinlich aus einem Vorgängerbau der Kirche von 1683, ebenso wie zwei Glocken, die in den Jahren 1404 und 1509 gegossen wurden. Eine aussergewöhnliche Geschichte hat der Kirchturm: Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts stand er  in Seelhofen bei Kehrsatz.

Sehenswert: Schweizerisches Gastronomie-Museum, Schloss Schadau Thun, Schadaustrasse 45, 3605 Thun, Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 14 bis 17 Uhr oder auf Voranmeldung, Telefon 033 223 14 32, gastronomiemuseumno spam please@no spam pleasebluewin.ch

Tags (Stichworte): GürbetalMittellandThunWandern

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