Im Gleichgewicht
Wie man seinen Garten bestellt ist eine Lebenshaltung. Arbeitet man mit der Natur, arbeitet diese auch für einen.
Ich halte mich nicht gerne an Vorgaben und Saatkalender, sondern arbeite seit Jahren nach dem Lustprinzip. Wenn ich zu etwas Lust habe, geht alles viel schneller von der Hand. Ich bin dann im Fluss, die Energie fliesst. Wir haben alle 24 Stunden Zeit. Die Frage ist nur, wie wir unsere Zeit nutzen. Wir haben heute so viele Hilfsmittel in Haushalt und Büro wie noch nie. Eigentlich alles Hilfen, um Zeit zu gewinnen. Könnte es also sein, dass meine Lebensqualität zunimmt, wenn ich mit meiner Zeit und Energie behutsam umgehe?
Beim Gärtnern geht es nicht in erster Linie darum, das Richtige zu tun. Für uns ist Gärtnern Freude am Lebendigen. Die Natur und das Wachstum zu fördern und sich am Gedeihen der Pflanzen zu freuen, ist nicht nur ein schönes Gefühl, dahinter steckt auch Eigennutz. Wir bieten unseren Kindern eine gute Umgebung und geben ihnen Naturverbundenheit und eine gesunde Ernährung als Start ins Leben mit.
Wir beobachten, dass Gärtner immer wieder den Fehler machen, Pflanzen zu schnell austreiben zu lassen, zu stark zu düngen oder zu dicht zu säen. Pflanzen die zu wenig Raum zum Wachsen haben, entwickeln nicht genügend Abwehrkräfte. Monokulturen sind viel anfälliger als Mischkulturen. Wir kombinieren auf unseren Gartenbeeten meist sechs bis neun verschiedene Gemüse, Kräuter und Blumen. Es hat sich gezeigt, dass wir durch solche Mischkulturen viel gesündere Pflanzen haben.
Ideen wachsen lassen
Die Wahl der Arbeitsweise ist in jedem Fall eine Entscheidung für oder gegen die Natur. Den Gemüsegarten biologisch zu bewirtschaften und gleichzeitig den Rasen und die Blumenbeete mit Herbiziden, Fungiziden und Kunstdünger zu behandeln, ist absurd. Früher oder später führt das zu einem inneren Konflikt, zu einer nicht vertretbaren Haltung dem Leben und dem Boden gegenüber. Für uns geht es auch nicht, dass wir zugekaufte, gespritzte Pflanzen wie Melonen, Orangen, Bananen, Rosen oder Tulpen auf den Kompost bringen, denn damit belasten wir die Erde und wichtige Kleinlebewesen.
Wer ernten will, muss säen: Wichtige Arbeiten im Juli
• Nach der Ernte Erdbeerableger auslichten, Stöcke säubern und Kompost zugeben.
• Abgeerntete Himbeerenruten entfernen, auf acht bis zehn Ruten pro Laufmeter auslichten, junge Ruten aufbinden, Kompostgabe.
• Gründüngungen und Untersaaten vor den Ferien schneiden und als Mulch verwenden.
• Direktsaaten fortlaufend ausdünnen. Ein- bis zweimal pro Woche kontrollieren.
• Tomaten ausbrechen, aufbinden, mulchen.
Der biologische Garten ist ein einheitliches Gefüge. Alles ist miteinander verbunden. Es ist eine Vernetzung und Symbiose zwischen Nutzpflanzen, unterstützenden Gründüngungen, Zwischensaaten, Tieren, Nützlingen, Schädlingen und dem Gärtner. Alle sind Teil des Naturkreislaufs. Jeder hat seine Aufgabe, sogar die Schädlinge, denn sie zeigen an, wo es etwas zu tun gibt, wo der Garten nicht im Gleichgewicht ist. Darum ist biologisch Gärtnern nicht einfach nichts tun oder arbeiten ohne Einsatz von Chemie. Biologisch Gärtnern ist eine Lebenshaltung und heisst, nicht gegen, sondern mit der Natur zu arbeiten und sich mit deren Gesetzmässigkeiten auseinanderzusetzen. Dies braucht Zeit: zum Beobachten, zur Reflexion, Zeit, um die Pflanzen und Ideen im Garten wachsen zu lassen.
Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen AR tätig, wo er mit Hilfe seiner Familie den Schau-Kräutergarten von A. Vogel hegt. Vetter ist Autor des Buches «The Lazy Gardener – Wie man sein Glück im Garten findet».
Foto: © Dave Bühlmann / fotolia.com
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