I am flying
Elektrovelos sind zurzeit der Renner. Die anspruchsvolle Schweizer-Kundschaft greift dabei tief ins Portmonnaie und kauft im Fachgeschäft. Billigware hat es schwer.
Im Jahr 2008 wurden in der Schweiz 11631 Elektrovelos verkauft. Dies sind doppelt so viele als im Jahr zuvor, wie die Schweizerische Fachstelle für Zweiradfragen bekannt gab. Die Velobranche erwartet für die nächsten drei bis vier Jahre traumhafte Zuwachsraten von 50 bis 100 Prozent. Kein Wunder, dass auch Anbieter ausserhalb der arrivierten Velobranche ein Auge auf diesen boomenden Markt werfen.
Röstigraben
Brusts Unternehmen prüft Velos und Komponenten nach anspruchsvollen Testmethoden und ist berechtigt das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit zu vergeben. «Vormontiert und ohne Service kostet ein Elektrovelo nur beim Kauf weniger. Während der kurzen Nutzung wird es dafür umso teurer», gibt er zu bedenken. Auch Bernhard Schneider, der das Förderprogramm New Ride vertritt, konnte beobachten, dass bei der hiesigen Kundschaft Qualität gefragt ist: «Billiganbieter haben bisher keine starke Marktposition erobert.»
Am häufigsten verkauft werden Elektrovelos für deren Betrieb eine Velovignette genügt. Käufer geben dafür durchschnittlich 3500 bis 4000 Franken für ein Pedelec (Pedal Electric Cycle) aus. Gefahren werden sie von Velofahrern jeglichen Alters. Schneider: «Sportlichere Fahrer ziehen zwar in der Freizeit das Mountainbike oder das Rennvelo vor, doch auf dem Arbeitsweg wählen sie oft das Elektrovelo, um schnell und ohne zu schwitzen im Büro anzukommen.»
Bei einem Pedelec steuert der Motor seine Leistung lediglich zur Tretkraft des Fahrers bei und das auch nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde. Der Motor schaltet sich je nach Modell entweder über einen Kraftsensor oder aufgrund der gemessenen Trittfrequenz ein. Die Fahrt auf einem Modell mit Druck- oder Kraftsensoren ähnelt jener auf einem normalen Velo. Man gibt Druck auf die Pedalen und schon schaltet sich der Motor zu. Bikes mit Trittfrequenz-Sensoren erlauben eine feiner regulierte elektrische Unterstützung. Welche Technik einem eher liegt, lässt sich nur mit einer Probefahrt erkunden.
Der richtige Kauf
• Probefahrten mit diversen Modellen sind unbedingt zu empfehlen. Achten Sie auf die richtige Grösse des Bikes und machen Sie sich mit der Steuerung vertraut. Welches System einem besser behagt – Trittfrequenz- oder Kraftsensor, Front- oder Heckantrieb – lässt sich nur bei einer Probefahrt erkunden.
• Kaufen Sie ein Elektrovelo dort, wo Sie auch einen guten Service erwarten können. Im Allgemeinen werden Elektrovelos mehr benutzt als man ursprünglich dachte. Damit stellt sich ein gewisser Servicebedarf ein.
• Komponenten - wer sein E-Bike regelmässig benutzt, sollte auf gute Velokomponenten achten.
• Der Elektromotor muss sich ruckfrei ein- und ausschalten lassen.
• Der Akku muss auf das Fahrrad abgestimmt sein, mindestens eine Kapazität von 8 Ampèrestunden (AH) sowie eine Leistung von 250 Watt aufweisen und sich einfach entfernen lassen.
• Schnelle E-Bikes -fitte Personen, die in der Ebene mit Geschwindigkeiten über 20 Kilometer pro Stunde unterwegs sind, sollten «schnelle» E-Bikes testen.
Qualität lohnt sich
Qualitativ gute Pedelecs verfügen laut Schneider über einen auf das Fahrrad abgestimmten, leichten Akku (meist Lithium-Ionen oder Nickel-Metallhydrid) mit einer Kapazität von mindestens 8 Ampèrestunden (AH), der sich zum Aufladen oder Austauschen einfach entfernen lässt. Marius Graber, technischer Redaktor der Fahrradzeitschrift «velojournal» kennt die Unterschiede zwischen den Billigvelos und den anspruchsvolleren Modellen. Billige Fahrräder verfügten meist über einen Frontmotor, was zu einem etwas unnatürlichen Fahrgefühl führe, sagt der Velospezialist. Sie würden zudem häufig mit einem Bewegungssensor und nicht mit einem Kraftsensor ausgerüstet. Für gelegentliche Sonntagsausfahrten mag die günstige Qualität noch gehen. «Wer regelmässig damit unterwegs ist, dem empfehle ich das Sparschweinchen zu schlachten, damit ein vernünftiges Modell drin liegt», so Graber.
New Ride
New Ride ist ein Programm von Energie Schweiz, dem verschiedene Gemeinden, Hersteller und Importeure sowie Elektrozweirad-Fachhändler angehören. Ziel von New Ride ist die Reduktion von CO2- und anderen Verkehrsemissionen. Gleichzeitig will die Organisation mit alltagstauglichen Zweirädern Gesundheit und Mobilität der E-Bike-Fahrer fördern und einen Beitrag zur Reduktion der Stau- und Parkplatzkosten leisten. www.newride.ch
Foto: © New Ride
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