Hoch lebe das Gartenbeet!
In einem Hochbeet wachsen die Pflanzen in besonders günstigem Klima und strotzen vor Kraft. Hochbeete tun aber auch bei der Gartenarbeit gut: Sie schonen den Rücken.

Wie wohlig warme Betten reihen sich im Heilkräutergarten des Naturheilmittelherstellers A.Vogel GmbH in Teufen AR Hochbeete nebeneinander. Die darin gepflanzten Tomaten, Zucchini und Gurken strotzen vor Kraft. Kein Wunder, haben sie doch den Vorteil, rundum mit Wärme versorgt zu werden. Denn die Wärme trifft bei einem Hochbeet nicht nur von oben durch die Sonne auf die Pflanzen, sondern durch die spezielle Schichtung verschiedener Materialien und die Verrottung entsteht sie auch von unten. «Durch die Kultur im Hochbeet gewinnt man eine zusätzliche Saison», erklärt Remo Vetter, Geschäftsführer der A.Vogel GmbH und Gärtner im Heilkräutergarten. Wird das Gemüse im Treibhaus gezogen und später in den Garten gepflanzt, dauert es rund zehn Wochen von der Aussaat bis zur Ernte. «Im Hochbeet kann ich direkt einsäen und bereits nach drei Wochen ernten», so Vetter. Und das Gemüse schmecke wunderbar. Er habe kürzlich faustgrosse Radieschen und melonengrosse Kohlrabi geerntet. «Sie waren butterzart», schwärmt er.
Mit natürlicher Bodenheizung
Im naturnahen Gartenbau ist das Hochbeet weit verbreitet. Gerade in höher gelegenen Gärten, in denen die Vegetationszeit durch späte Sommer und frühe Winter kurz ausfällt, bietet sich das Gärtnern mit einem Hochbeet an. Da das Hochbeet aus verschiedenen Schichten verrottbaren Materials aufgebaut ist, erwärmt der schnell einsetzende Verrottungsprozess die oberste Erdschicht vier bis acht Grad Celsius über die Umgebungstemperatur hinaus und wirkt wie eine Bodenheizung für die jungen Gemüsepflänzchen. Dadurch ist das Hochbeet Kompostmiete und Kultivierungsfläche in einem und die anfallenden Gartenabfälle können optimal verwertet werden.
Der Verrottungsprozess gibt jedoch nicht nur Wärme ab, sondern auch Nährstoffe. «Dadurch ist eine zusätzliche Düngung nicht notwendig», erklärt Vetter. Um zu gewährleisten, dass die Schichtung des Erdreichs und die gebildete Fauna nicht durcheinander gebracht werden, wird ein Hochbeet nicht umgegraben. Dadurch fällt anstrengender Arbeitsaufwand weg.
Ein weiterer wichtiger Vorteil des Hochbeets ist die praktische Höhe; es lässt sich aufgrund der hohen Bauform sehr gut bewirtschaften, da das Bücken weitgehend entfällt. So sind Hochbeete auch sehr gut für ältere Menschen, Menschen mit Rückenproblemen oder Rollstuhlfahrer geeignet.
Die Anlage eines Hochbeets ist auch dann sinnvoll, wenn die Humusschicht im Garten sehr dünn ist und darunter kiesiger oder gar felsiger Untergrund vorliegt. «Ist wenig Platz im Garten, kann ein Hochbeet auch auf einem Plattenboden oder Teerplatz angelegt werden», sagt Vetter. So könne zusätzliche Kultivierungsfläche gewonnen werden.
Hochbeete richtig gebaut
Ein Hochbeet besteht aus einem stabilen Rahmen, der dem Beet über viele Jahre Bestand gibt. Entsprechend sorgfältig muss es gebaut und befüllt werden:
• Suchen Sie sich für Ihr Hochbeet einen sonnigen, ebenen Standort aus. Zur optimalen Ausnutzung des Sonnenlichts sollte das Hochbeet in Nord-Süd-Ausrichtung angelegt werden.
• Stecken Sie die gewünschte Grösse mit Maurerschnur ab und entfernen Sie in diesem Bereich die Grasnarben. Legen Sie die ausgestochenen Grassoden auf einen Haufen zusammen, da sie später noch benötigt werden.
• Heben Sie eine 20 bis 30 Zentimeter tiefe Grube aus.
• Beachten Sie bei der Planung des Hochbeets, dass dessen Breite nicht mehr als 1 bis 1,2 Meter beträgt, da sonst die Pflege schwierig wird. Für die Bewirtschaftung des Beets muss man bequem mit einer Armlänge bis über die Mitte kommen. Die Höhe des Beets richtet sich nach der eigenen Grösse, sollte aber 70 Zentimeter nicht überschreiten.
• Die Länge des Hochbeets richtet sich nach dem vorhandenen Platz. Eine Mindestlänge von 2 bis 2,5 Metern ist zu empfehlen, damit Sie zum Erdaustausch hineinsteigen und die Komposterde bequem von innen herausschaufeln können. Beachten Sie aber, dass längere Seitenwände sich leichter durchbiegen und eventuell mit Pfählen verstärkt werden müssen, die quer übers Beet mit einem Draht zusammengespannt werden.
• Legen Sie auf dem Boden des Hochbeets ein engmaschiges Drahtgitter aus, so dass sich keine Wühlmäuse und andere Nager einnisten können.
• Um eine bessere Haltbarkeit des Holzrahmens zu erlangen, ist es ratsam, die Innenwände mit einer Plastikfolie auszukleiden. Dies vermindert ausserdem die Austrocknung des Erdreichs. Zur Isolierung können Sie zwischen dem Holzrahmen und der Plastikfolie zusätzlich eine Noppenfolie oder Styroporplatten anbringen.
• Legen Sie den unteren Teil des Hochbeets mit einer Mischung aus grob gehäckseltem Holz und ganzen Ästen aus. Diese sorgen für eine gute Durchlüftung und gewährleisten die Verrottung des aufgeschichteten Materials.
• Legen Sie die Grassoden, die Sie beim Aushub entfernt haben, mit den Wurzeln nach oben auf die Äste. Es eignen sich stattdessen auch grobe Gartenabfälle.
• Schichten Sie auf die Grassoden eine zirka 30 Zentimeter dicke Schicht Laub. Darauf kommt eine 15 Zentimeter dicke Schicht Grobkompost. Den Abschluss bildet eine 25 Zentimeter dicke Schicht Feinkompost oder Gartenerde.
Die Füllung bringt's
Die beste Zeit, um ein Hochbeet anzulegen, ist der Herbst oder das zeitige Frühjahr. Während dieser Jahreszeiten besteht die Möglichkeit, Baumschnitt, Altholz, Herbstlaub, Häckselgut und Grasschnitt aus dem eignen Garten zu verwerten.
Für die Einfassung des Hochbeets eignet sich Holz in Form von Rund- oder Kanthölzern oder Holzbohlen. Alternativ ist auch Beton einsetzbar, zum Beispiel L-förmige Betonsteine, was die Lebensdauer des Beets deutlich erhöht. Aber auch geschichtete Ziegel, Natursteine, Palisadengitter oder Flechtwerkwände eignen sich als Umrahmung. Wer sich für Holz als Material entscheidet, sollte möglichst witterungsbeständige Holzarten wählen, um die Lebensdauer zu erhöhen. «Für meine Hochbeete verwende ich Lärchenholz. Es enthält viel Harz und ist deshalb auch ohne Imprägniermittel sehr widerstandsfähig und langlebig», erklärt Vetter. Nicht zu empfehlen seien alte Eisenbahnschwellen, da sie sehr viele Giftstoffe enthielten.
Neben Lärche, die im Fachhandel sehr teuer ist, eignet sich auch unbehandelte Douglasie. «Wichtig ist, dass man für die Seitenwände sogenanntes Riftholz verwendet, das sich nicht verzieht», rät Urs Streuli, Gartenberater und Gärtner am Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain in Sissach BL. Die Eckpfosten sollten zudem am besten aus Robinie (Falsche Akazie) bestehen. «Dieses Holz ist sehr hart und fault nur langsam», so Streuli.
Der Aufbau eines Hochbeets ist sehr aufwändig. Deswegen rät Streuli auch zum Hügelbeet: die Wärme des Verrottungsprozesses kann bei dieser günstigeren Variante dennoch genutzt werden. Es wird ebenfalls schichtweise aufgebaut, das Erstellen eines Rahmens fällt jedoch weg. Durch die wallartige Form ist die Anbaufläche zudem um rund einen Drittel grösser und der günstige Lichteinfall erlaubt es, die Gemüsereihen etwas dichter als gewöhnlich zu pflanzen.
Gefüllt werden Hoch- und Hügelbeete schichtweise mit Grünschnittresten, Laub, Ästen, Grobkompost und Gartenerde. Streuli empfiehlt statt einem Kern aus Ästen und Zweigen eine Schicht aus Wandkies. «Mit Holz habe ich schlechte Erfahrungen gemacht, da sich Pilze bilden. Statt einer Gemüsekultur hat man dann eine Pilzzucht im Hochbeet.»
Fruchtfolge wichtig
Der Zersetzungsprozess im frisch befüllten Hoch- und Hügelbeet erzeugt neben der Wärme auch einen hohen Nährstoffgehalt. Einen zusätzlichen Schub bringt das bei der Verrottung freigesetzte Kohlendioxidgas, das langsam durch das lockere Erdreich aufsteigt und genau wie die anderen Nährstoffe für das Pflanzenwachstum wichtig ist. Streuli: «Daher ist es bei der Nutzung von Hoch- und Hügelbeeten besonders wichtig, auf die Fruchtfolge zu achten.» Im ersten Jahr ist die Nährstoffversorgung der Pflanzen so gut, dass beispielsweise nur stark zehrende Gemüsesorten angebaut werden sollten, die kein Nitrat im Erntegut anreichern. Besonders geeignet sind Lauch, Auberginen, Tomaten, Gurken oder Zucchini. Ab dem zweiten Jahr können Salat und Spinat, ab dem dritten Jahr Hülsenfrüchte und schwach zehrende Kräuter angepflanzt werden.
Nach sechs Jahren erneuern
Zudem muss auch der Fruchtwechsel eingehalten werden: Was verwandt ist, sollte erst nach einer zweijährigen Pause wieder im selben Beet kultiviert werden. Eine Mischkultur erschwert die Planung zwar zusätzlich, da neben der Fruchtfolge und dem Fruchtwechsel auch auf eine gute Nachbarschaft unter den Gemüsesorten geachtet werden muss, ist aber empfehlenswert.
Neben der arbeitsaufwändigen Erstellung eines Hochbeets erweist sich auch das schnelle Austrocknen der Erde als nachteilig. Weil durch den lockeren Aufbau und das Fehlen von wasserspeichernden Bodenpartikeln die Gefahr des Austrocknens erhöht ist, müssen die Pflanzen regelmässig gegossen werden.
Eine Mulchschicht ist dringend erforderlich.
Wenn das Füllmaterial im Hochbeet langsam verrottet, sackt das Erdreich ab. Nach vier bis sechs Jahren muss die Beetfüllung komplett ausgetauscht werden. Das vorhandene organische Material hat sich bis dahin vollständig zersetzt und fast alle Nährstoffe an die Pflanzen abgegeben. Die alte Erde ergibt einen guten Humus und kann zur Bodenverbesserung im Gemüsegarten oder Staudenbeet verwendet werden. Und wer das Hochbeet nicht neu ansetzen möchte, kann es mit eher nährstoffarmem Kompost auffüllen und als «normales» Beet auf angenehmer Höhe weiter bewirtschaften.
Hochbeet richtig bepflanzt (PDF)
Literatur
• Remo Vetter: «The Lazy Gardener – Wie man sein Glück im Garten findet», Appenzeller Volksfreund 2008, Fr. 59.–
• Heinz Erven «Meine Hochbeete – Optimale Erträge auf kleinstem Gartenraum», Emu-Verlags GmbH 2006, Fr.13.50
Kommentare