Heinz Knieriemen über das Geschäft mit der Pille

Heinz Knieriemen | Ausgabe 08 - 2010

Antibabypillen bergen gesundheitliche Risiken. Trotzdem wursteln die Gesundheitsbehörden weiter und fordern neue Studien.

Die Sendung «10 vor 10» des Schweizer Fernsehens hat Einblick in die interne Datenbank der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA erhalten und mit den ausgesendeten Fakten einen eigentlichen Schock ausgelöst. Thema waren die Antibabypillen und deren gesundheitliche Folgen. Im Detail ging es um die Produkte Yasmin und Yaz von Bayer, das Verhütungspflaster Evra von Janssen Cilag und den Nuvaring von Essex Chemie. Die präsentierten Fakten sind ernüchternd und bedrängend. Und noch bedenklicher ist, dass viele Verantwortungsträger im Gesundheitswesen wie vom Blitz aus heiterem Himmel getroffen worden sind.

Es sind gerade die umsatzstärksten Produkte im Bereich der Empfängnisverhütung, die laut «10 vor 10» auch mit den häufigsten Gesundheitsschäden und Todesfällen einhergehen. So sind für Yasmin 140 Todesfälle dokumentiert, für Yaz 50, für Nuvaring 40 und für das Verhütungspflaster Evra 130.

Abgewimmelt und angezweifelt

Empörung, Verunsicherung und Hilflosigkeit sind gross. Nicht nur deshalb, weil die tragischen Vorfälle in der Regel Mädchen und junge Frauen betreffen, sondern vor allem wegen des im Allgemeinen recht lockeren und verharmlosenden Umgangs mit hormonellen Verhütungsmitteln. So stellt die Leiterin der Marktüberwachung beim Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic, Karoline Mathys, lapidar fest: «Wenn man die internationalen Sicherheitsdaten anschaut, dann sind Fälle in dieser Grössenordnung zu erwarten.» Und dennoch ist der Chefarzt und Präsident der Swissmedic-Begleitkommission für die Zulassung der Medikamente, Stephan Krähenbühl, von der hohen Anzahl der Todesfälle überrascht und findet sie emotional ergreifend und sehr tragisch.

Doch wie wird mit den tragischen Ereignissen umgegangen? Vor einiger Zeit wurde in der Schweiz der Tod eines jungen Mädchens nach der Einnahme der Verhütungspille Yasmin diskutiert. Und wie das üblicherweise so geht: Es wird abgewimmelt, angezweifelt, die Pharmaindustrie weist auf eigene Studien hin und die Angelegenheit wird unter den Tisch gekehrt. Ein Vorgehen, das vom Verhalten von Karoline Mathys nur bestätigt wird. Sie äusserte gegenüber «10 vor 10», dass die Zahlen nicht verlässlich seien und es weitere Studien brauche, um die Häufigkeit eines Risikos sicher bewerten zu können. Also weiterwursteln wie bisher. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Die Pille ist «the biggest moneymaker of pharmazeutics», das meistverkaufte Medikament in den Industrienationen. Und das ist allemal ein wichtigstes Argument.

Wenn man die öffentlichen Verlautbarungen und Erklärungen hört, könnte der Eindruck entstehen, dass die Gefahren, Neben- und Wechselwirkungen bei der Einnahme der Pille wenig bekannt sind. Das ist nicht der Fall. Die Risiken sind gut geklärt. Sie ergeben sich vor allem daraus, dass die Sexualhormone der Pille – Östrogen und Gestagen – nicht nur auf die Fortpflanzungsorgane wirken, sondern in viele Organ- und Stoffwechselfunktionen eingreifen. Das erklärt auch die Vielzahl der Nebenwirkungen.

Da sind zunächst einmal die Beinvenen- Thrombosen, in deren Folge es zu Lungenembolien kommen kann, aber auch zur Bildung und Verschleppung von Blutgerinnseln in Kranzgefässen mit der Gefahr von Herzinfarkt und Gehirnschlag. Das Risiko wird noch erhöht bei Raucherinnen, Frauen mit Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck und Krampfadern. Die Pille wird zudem für Migräneanfälle, Akne, Haar- und Hautveränderungen sowie die Ausbreitung von Candida-Hefepilzen mitverantwortlich gemacht.

All diese Faktoren sollten sorgfältig abgeklärt und berücksichtigt werden, bevor die Pille zur Schwangerschaftsverhütung infrage kommt. Ob das wirklich geschieht, muss zumindest bezweifelt werden.

Gebärmutterhalskrebs

Die Risiken und Gefahren sind jedoch noch wesentlich umfangreicher. Die von der FDA geführte Liste der Todesfälle durch Einnahme der Pille umfasst nämlich auch Krebserkrankungen, vor allem Gebärmutterhalskrebs. Für diese Krebsart ist das Papillomavirus, das mit der grossen Gruppe der Herpesviren verwandt ist, verantwortlich. Obwohl beim Gebärmutterhalskrebs die Erkrankungsgefahren gut dokumentiert sind, wird kaum einmal vor möglichen Folgen bei der Einnahme der Pille gewarnt.

Propagiert wird dagegen die Gebärmutterhalskrebs-Impfung. Und wie immer bei Impfstrategien schlägt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) euphorische Töne an, wonach in der Schweiz 50 Todesfälle und mehr als 2000 chirurgische Eingriffe wegen Krebsvorstufen durch die Impfung verhindert würden.

Die Realität sieht jedoch anders aus. Es gibt keine Langzeiterfahrung mit der Impfung, die Virus-Identifikation birgt viele Unsicherheiten und schliesslich werden der Impfung bereits mehrere Todesfälle und neurologische Schäden angelastet. Die Wirkung der Impfung werde von vielen Medizinern massiv überschätzt und könnte zu fatalen Fehleinschätzungen führen, sagt auch das Frauen-Gesundheitszentrum Berlin. Wieder einmal werde mit einem gering erprobten Medikament ein lukratives Geschäft gemacht – mit dem Risiko der Gesundheitsgefährdung von Mädchen und Frauen.

Zur Person
Seit über 20 Jahren setzt sich Heinz Knieriemen für «natürlich leben» kritisch mit den Methoden und den Auswirkungen der Schulmedizin und der Laborwissenschaft auseinander. Im AT Verlag hat er mehrere Bücher herausgegeben, unter anderem über Vitamine, Mineralien und Spurenelemente oder Inhaltsstoffe in Lebensmitteln und Kosmetika.

Foto: fotolia.com, xJasonRogersx / flickr / cc


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