Heinz Knieriemen über
einen unheimlichen Krankmacher
Ein heimtückisches Bakterium kann unbemerkt den Darm infizieren und ernsthafte Erkrankungen auslösen. Mit Antibiotika lässt sich der Erreger bekämpfen.
Heliobacter pylori ist ein bewegliches, spiralförmiges Bakterium, das in der Magenschleimhaut über Jahrzehnte leben kann. Erst in den letzten Jahren wurde dessen Bedeutung genauer erforscht. Die Fakten lassen aufhorchen. Durch das Bakterium können chronische Magenschleimhaut-Entzündungen und ernsthafte Folgeerkrankungen wie Magen- und Zwölffingerdarm-Geschwüre ausgelöst oder die Entstehung von Magenkrebs begünstigt werden.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass weltweit jeder dritte Mensch von einer Infektion mit dem Heliobakterium betroffen ist. Wurde dieser Erreger bis etwa zum Jahr 2000 als relativ harmlos angesehen, so gilt er heute als Verursacher und Auslöser für 95 Prozent aller Geschwüre im Zwölffingerdarm, 75 Prozent aller Magengeschwüre, 90 Prozent aller Magen-Lymphdrüsenkrebse und 80 Prozent aller Fälle von Magenkrebs.
In den Magen jedes gesunden Menschen gelangen Bakterien, sowohl unschädliche als auch Krankheitserreger. Dass trotzdem keine akuten Erkrankungen entstehen, ist auf das unwirtliche Milieu im Magen zurückzuführen. Der Verdauungssaft enthält Salzsäure und Pepsin und tötet Bakterien sofort. Der pH-Wert im Mageninnern ist so niedrig, dass kein Erreger darin überleben kann. Auch der Heliobacter pylori ist grundsätzlich dagegen nicht gefeit. Was ihn aber so gefährlich und zu einer weltweiten Bedrohung macht, ist seine unglaubliche Anpassungs- und Wandlungsfähigkeit.
Austricksen des Immunsystems
Nicht jeder, der Heliobacter pylori im Magen hat, bekommt ein Magengeschwür oder auch nur Beschwerden. Nicht jede Infektion führt also zu einer ernsthaften Erkrankung und auch Schwere und Verlauf einer Magenschleimhaut-Entzündung können im Einzelfall sehr unterschiedlich sein. Zum einen ist die Tatsache von Bedeutung, dass es verschiedene Stämme von Heliobacter pylori gibt, die unterschiedliche Symptome auslösen. Darüber hinaus spielen auch die Begleitumstände eine Rolle, beispielsweise der allgemeine Gesundheitszustand des Infizierten. Die ernstzunehmenden Anfangssymptome der Gastritis sind Völlegefühl, Magenschmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit und Erbrechen. In schweren Fällen kann es auch zu Magenblutungen kommen. Bei Nichtbehandlung besteht die Gefahr eines chronischen Verlaufs.
Die schulmedizinische Grundtherapie besteht darin, einen Magensäurehemmer mit einer Antibiotika-Behandlung zu kombinieren. Der Säurehemmer soll das Enzym Urease inaktivieren und damit den Antibiotika eine bessere Angriffsfläche bieten. Die Behandlung gilt als wirksam, doch auch die Probleme solcher Therapien sind bekannt: zunehmende Antibiotikaresistenzen und Nebenwirkungen, die vor allem darin bestehen, dass im Magen-Darm-Bereich nicht nur der pathogene Heliobacter pylori eliminiert wird, sondern viele der nützlichen Bakterienarten, die unsere Lebensfunktionen steuern.
Zur Person
Seit über 20 Jahren setzt sich Heinz Knieriemen für «Natürlich leben» kritisch mit Methoden und Auswirkungen der Schulmedizin und der Laborwissenschaft auseinander. Im AT Verlag hat er mehrere Bücher herausgegeben, unter anderem über Vitamine, Mineralien und Spurenelemente oder Inhaltsstoffe in Lebensmitteln und Kosmetika.
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