Heinz Knieriemen über ...
das verschenkte Herz

Heinz Knieriemen | Ausgabe 6 - 2009

Sterben ist ein biologischer Prozess. Doch wann ein Mensch tot ist, wird von der Gesellschaft festgelegt. Das hat auch Auswirkungen auf das Spenden von Organen. Die Stiftung Swisstransplant sucht dringend neue Organspender.

Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte vor allem beim Ringen um die Transplantationsgesetze lehren uns, dass es keine Definition zu Leben und Tod gibt, die über die unterschiedlichen Kulturen hinweg allgemeingültig abgestützt ist. Für unsere Vorfahren war Tod gleichbedeutend mit Stillstand des Herzens.

Diagnose Hirntod

Als hirntot bezeichnet man Menschen, bei denen es aufgrund einer krankheits- oder unfallbedingten Schädigung zu einem vollständigen und endgültigen Ausfall der gesamten Hirntätigkeit gekommen ist und keine Indikationen vorliegen, die einen Hirntod nur vortäuschen. Festgestellt wird der Hirntod mittels einer Ausschlussdiagnostik: Es werden wichtige sinnliche Reize geprüft und Hirnströme gemessen. Wenn das irreversible Koma eingetreten ist, die Spontanatmung aufhört und auf bestimmte Schmerzreize keine Reaktion mehr erfolgt und dies über einen bestimmten Zeitraum nachgewiesen werden kann, wird davon ausgegangen, dass ein Patient hirntot ist.

Die Funktion des Hirnstamms, der die meisten unbewussten Reaktionen steuert, wird mit der Prüfung von verschiedenen Reflexen untersucht. Zu diesen Reflexprüfungen gehören Provokationen der Augenhornhaut mit einem Gegenstand, Stechen in die Nasen wand, Würgereflex durch Berühren des hinteren Rachenraumes usw. Diese Untersuchungen werden angewandt, um ganz sicherzugehen, dass keine Nervenverbindungen mehr funktionieren. Sie sind allgemein vorgeschrieben und Voraussetzung einer Entnahme von Organen für die Transplantation. Für die Organspende ist notwendig, den Körper des Hirntoten am Leben zu erhalten; er wird maschinell beatmet, um Kreislauf, den Rhythmus des Herzschlages und die Sauerstoffsättigung des Blutes aufrechtzuerhalten. Medizinisches Wissen und Können, das stetig Grenzen überschreitet, hat Sterbenskranken neue Lebenschancen eröffnet.

Ein Organ ist ein Geschenk

Die Tatsache aber, dass dieser wiederum eine dienende Rolle für das Leben erfüllt, indem er leidenden Menschen notwendige Ersatzorgane liefert, sollte sensibel machen für das uns bestimmende Bild vom Menschen und Zugang schaffen zu einer Werthaltung, die unserer Zeit gerecht wird. Ein tibetischer Mönch, der mit der Frage konfrontiert wurde, wie er persönlich zur Transplantationsmedizin stehe, gab folgende in ihrer Bescheidenheit, Demut und Schlichtheit bestechende Antwort: «Ein Organ ist das wertvollste Geschenk, das ich einem Menschen machen kann – wie sollte ich das verweigern?»

Der Autor
Seit über 20 Jahren setzt sich Heinz Knieriemen für «natürlich leben» kritisch mit den Methoden und den Auswirkungen der Schulmedizin und der Laborwissenschaft auseinander.
Im AT Verlag hat er mehrere Bücher herausgegeben, unter anderem über Vitamine, Mineralien und Spurenelemente oder Inhaltsstoffe in Lebensmitteln und Kosmetika.

Foto: © fotolia.com

Tags (Stichworte): HerzSpendenSwisstransplantTod

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