Grenzwertig
Kulturhistorisch Bedeutendes und landschaftliche Abwechslung bieten die ersten drei Etappen des Grenzpfades Napfbergland.
Der Grenzpfad Napfbergland ist ein Fernwanderweg entlang der Grenze zwischen den Kantonen Bern und Luzern, von der barocken Anlage des ehemaligen Klosters St. Urban über wildromantische Wege bis auf den Brünigpass. Wo noch vor 150 Jahren feindliche Scharmützel stattfanden, möchte der Grenzpfad heute Grenzen überwinden. Der Weg zieht sich durch die sanfte Hügellandschaft des Emmentals, durch das Biosphärenreservat Entlebuch und lässt auch aussichtsreiche Gipfel wie Napf, Wachthubel und Brienzer Rothorn nicht aus.
Unterwegs warten urtümliche Landschaften, historische und kulturelle Sehenswürdigkeiten, liefern Schautafeln Informationen zu Geschichte und Landschaft des Grenzgebiets. Der 1998 eröffnete Weg kann in Etappen von fünf bis sechs Tagen erwandert werden. Quereinstiege sind jederzeit möglich und viele weitere Aktivitäten erlauben es, den Aufenthalt auszudehnen. Da kann man am Napf Gold waschen, mit Lamas über die Hügel trekken oder in der Schaukäserei staunen, wie der berühmte Emmentaler Käse hergestellt wird.
Königsetappe ist die 9-Stunden-Tour von Marbach auf das Brienzer Rothorn, wahrhaftig ein starkes Stück! Die letzte Etappe, vom Brienzer Rothorn zum Brünigpass, ist dagegen nur ein Spaziergang.
Barocke Baukunst, alte Burgen
Unsere erste Teilroute führt uns von Langenthal über St. Urban nach Huttwil. Die Barockfassade des ehemaligen Zisterzienserklosters St. Urban ist auch für weniger fleissige Kirchgänger beeindruckend. Mächtig ragen die beiden Zwillingstürme in den Himmel, bilden einen fast schon erhabenen Anblick. Das Kloster wurde bereits im Jahr 1194 von Mönchen gegründet und war lange Jahre religiöses, geistiges und auch wirtschaftliches Zentrum im Grenzraum der Kantone Bern, Solothurn, Aargau und Luzern. Als den Ordensleuten trotz mehrerer Um und Anbauten der Platz zu knapp wurde, baute in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts der Vorarlberger Baumeister Franz Beer eine von Grund auf neue Klosteranlage, eines der eindrücklichsten Beispiele barocker Baukunst in der Schweiz. Auf einem geführten Rundgang bestaunt man Chorgestühl, Bibliothek und Festsaal; lohnend ist auch ein Spaziergang durch die Parkanlage mit eindrücklichen Skulpturen.
Ein Spaziergang ist auch die erste Etappe auf dem Grenzpfad Napfbergland, eine Einstiegswanderung durch das Tälchen der Rot, wo die reaktivierten Wässermatten plätschern. Die Wässersysteme gehen zurück auf die Zeit der Mönche von St. Urban und sind ein kulturhistorisches Denkmal, aufgenommen ins «Inventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung».
Oberhalb Melchnau taucht man ein in den Wald, wo zwischen uralten Bäumen die noch älteren Mauern der Burgruinen von Grünenberg und Langenstein stehen. Die Burgherren gehörten einst zu den bedeutendsten der Region und ihre Burgen, einst der Brennpunkt des mittelalterlichen Adels im Oberaargau, sind Stein gewordene Geschichte. Während die Mauern von Langenstein ziemlich zerfallen sind, wurden die Gebäudereste von Grünenberg saniert und konserviert. Über dem Boden der einstigen Kapelle errichtete man einen Schutzbau, Informationstafeln klären über die Geschichte auf.
Das Kontrastprogramm zum dunklen Wald liefert das Hochplateau von Gondiswil, über das man aussichtsreich ins herausgeputzte Blumenstädtchen Huttwil hineinwandert. Huttwil bietet verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten vom Hotel bis zum Schlafen im Stroh an.
Höhepunkt Napf
Eine Panoramawanderung vom Feinsten ist die zweite Etappe des Grenzpfads Napfbergland. Kunststück – auf der Route liegen mit dem Ahorn und dem Napf auch zwei aussichtsreiche Logenplätze. In Huttwil lohnt ein Bummel durch die Strassen und Gassen. «Städtliführungen» geben einen Einblick in die Geschichte des fein herausgeputzten Städtchens, klären auf über den Schweizerischen Bauernkrieg von 1653, den Städtlibrand vom Juni 1834 und über die Entstehung des heutigen Ortskerns rund um den Brunnenplatz.
Gleich hinter Huttwil geht es sanft ansteigend über die Nyffenegg auf das Ahorn. Zustiege sind auch möglich von Ufhusen, dem wildromantischen Cholerenbach entlang, oder von Sumiswald. Die Schaukäserei im nahen Affoltern ist übrigens nicht nur ein Ausflugstipp für schlechtes Wetter. An 365 Tagen im Jahr kann man dort den Käsern über die Schulter schauen und kommt endlich hinter das Geheimnis, warum der Emmentaler Käse Löcher hat.
Wenig einsam ist es an Schönwettertagen auf dem Ahorn. Das liegt wohl mit daran, dass der beliebte Aussichtspunkt auf der Kantonsgrenze zwischen Bern und Luzern nicht nur durch gepflegte Wanderwege, sondern auch mit einer Fahrstrasse erschlossen ist und ein Restaurant zur Einkehr verführt. Weiter geht es dann aber nur zu Fuss.
Der Grenzpfad macht seinem Namen alle Ehre und folgt als aussichtsreiche Höhenwanderung der Kantonsgrenze bis auf den Napf. Herrliche Aussichten bieten sich da: über die Landschaft der Täler, Hügel und Eggen und hinab ins Tal zur Gemeinde Luthern. Die Pfarrkirche mit den umliegenden Häusern geht auf die Bautätigkeit des Klosters St. Urban zurück, der historische Dorfkern gilt gar als einer der schönsten in der Umgebung. Luthern bietet jedoch nicht nur ein schönes Ortsbild, sondern auch einen Quereinstieg zum Grenzpfad, und vom Marienwallfahrtsort Luthern Bad besteht die Möglichkeit eines direkten Aufstiegs auf den Gipfel des Napf. Dort bietet das Berghotel Napf Kost und Logis.
Goldgrube
Der Napf leiht dem Grenzpfad nicht nur seinen Namen, auf ihm treffen tatsächlich die Grenzen der Kantone Bern und Luzern aufeinander. Weder Strassen noch Seilbahnen führen hinauf, die Aussicht muss man sich zuerst verdienen, sei es bei einem Aufstieg zu Fuss oder bei einem Ritt auf dem Bike. Vor allem wenn das Mittelland von einer dichten Nebeldecke überzogen ist, kommt der Napf ganz gross raus. Trotz seiner bescheidenen Höhe von 1408 Metern liegt der Gipfel meist über der Nebel grenze. Wenn dann der Wetterbericht «unten grau, oben blau» verspricht, pilgern Sonnenhungrige auf den beliebten Aussichtsberg. Bei guter Sicht sind zahllose Alpengipfel zu erkennen. Dominierend sind natürlich die Berner Alpen mit dem Oberländer Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau, als Zugabe gibt es Blüemlisalp, Wildstrubel oder Wildhorn, um nur einige zu nennen.
Über zwei Dutzend Wanderrouten führen auf den Rigi des Emmentals. Wer nicht auf dem Grenzpfad unterwegs ist, hat die Qual der Wahl. Wie wäre es mit dem Ausgangspunkt Willisau, natürlich nicht ohne zuvor noch die leckeren Willisauer Ringli frisch ab Ofen zu naschen? Oder auf dem Köhlerpfad von Romoos nach Bramboden über aussichtsreiche Kreten und durch wildromantische Schluchten?
Für Familien ist das Napfbergland ein fantastisches Naherholungsgebiet mit vielen Möglichkeiten: Wandern, Maultierreiten, Lama-Trekking oder gar Goldwaschen. Jawohl, der Napf hat nicht nur schöne Aussichten zu bieten, sondern birgt auch in seinem Innern Schätze. Vermutlich schon die Helvetier suchten nach Napfgold und auch die Römer sollen am Napf Gold gewaschen haben. Ein Goldrausch wie am Klondyke River in Kanada kam allerdings nicht auf; heute suchen nur noch Hobbyschürfer nach Nuggets, leuchten Kinderaugen, wenn die Napfbäche tatsächlich kleine Goldflitter preisgeben. Auch der Grenzpfad macht weiter hin Freude und zieht über den Aussichtspunkt Turner hinab nach Trubschachen. Dort bestaunt man schöne Holzbrücken, und im Fabrikladen einer bekannten Schweizer Gebäckfirma gibt es Feines für den Gaumen.
Foto: © Swiss Image / Christof Sonderegger
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