Globetrotter

Vera Sohmer | Ausgabe_10/17

Neuseeland war früher. Heute wachsen die meisten Kiwis vor allem in Italien. Aber auch hierzulande gedeihen sie in immer mehr Gärten. Bald ist wieder Erntezeit.

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Rebberge und Weintrauben – das verbindet man mit der Gegend rund um den Genfersee. Dass hier, unter freiem Himmel, seit mehr als zwanzig Jahren grüne Bio-Kiwis gedeihen, ist wenig bekannt und mag erstaunen. Aber wenn nicht hier, wo dann in der Schweiz? «Das milde Mikroklima und der sandige Boden sind ideal», sagt Dominique Streit. Die von ihm verwaltete, 14 Hektaren grosse Plantage in Allaman (VD) blieb dieses Frühjahr sogar vom Kälteeinbruch verschont. Andernorts hatte dieser grossen Schaden im Obstbau angerichtet.

Rund 350 Tonnen Kiwis pflücken Streit und seine Erntehelfer jedes Jahr im Herbst – etwa vier Millionen Stück. Von Hand. Die Früchte kommen dann mehrere Wochen lang zum Nachreifen in den Kühlraum, bei null Grad Celsius wandelt sich die Stärke in Zucker um, was wichtig ist für das Aroma. In der Waadt werden fast 80 Prozent der Schweizer Kiwis produziert; die decken allerdings nur fünf Prozent des Inland-Konsums. Die Schweizer Früchte sind in der Regel von Oktober bis März verfügbar. Das Gros der hierzulande angebotenen Kiwis kommt aus Italien, dem mit fast 390 000 Tonnen inzwischen weltweit grössten Kiwi-Produzenten, noch vor Neuseeland und Chile.

Der Kiwi
Eine Schönheit ist er nicht, der Kiwi. Sein schwanzloser Körper ist eigentümlich oval, das zottelige Gefieder erinnert eher an ein Fell als an Federn, mit den darunterliegenden verkümmerten Flügeln ist es ihm unmöglich, sich in die Lüfte zu schwingen. Und der Ruf des Vogels? Klingt wie das Grunzen eines Schweins. Die Neuseeländer sind trotzdem stolz auf ihren Sonderling – so stolz, dass sie sich selbst nach ihm benennen und ihn zum Nationaltier erkoren haben.

«Chinesische Stachelbeere». Kiwis und Neuseeland – das war lange Zeit untrennbar miteinander verbunden – obschon das Lianengewächs ursprünglich aus China stammt und dort bereits vor tausend Jahren kultiviert wurde. Vor mehr als hundert Jahren bauten experimentierfreudige Gärtner zum ersten Mal Kiwis in Neuseeland an. Damit legten sie den Grundstock für neue Kultursorten und Plantagen im grossen Stil. In der Anfangsphase war noch von der «Chinesischen Stachelbeere» die Rede.

Findige Marketingleute gaben der Frucht dann in den 1950er-Jahren den Namen Kiwi. Sie sollte damit international besser vermarktet werden. Die Rechnung ging auf. Und die Verknüpfung zum Herkunftsland lag nahe. Kiwi heisst schliesslich auch jener kleine Laufvogel, der als Nationalsymbol Neuseelands gilt. Seine Körperform und sein braunes Federkleid sind der Kiwi-Frucht verblüffend ähnlich. Zurück zur Frucht. Pelzige, dunkle Schale, leuchtend grünes, mit schwarzen Kernchen gespicktes Innenleben: Als die Kiwi hierzulande in den 1980er-Jahren in Mode kam, mutete sie exotisch an. Die Art, sie zu essen – halbieren und auslöffeln – war ebenfalls ungewöhnlich. Und ihr Geschmack schwer einzuordnen, aber gerade deshalb interessant: herbsäuerlich, gleichzeitig süss und dabei erfrischend – das weckte Appetit auf mehr.

Winterharte Sorten. Inzwischen ist die Exotin zur Standardfrucht geworden und fehlt in kaum einer Fruchtschale. Auch Ernährungsberater haben sie auf dem Plan. Empfohlen wird vor allem im Winter der tägliche Verzehr. Mit zwei Früchten pro Tag, heisst es, hat ein Erwachsener seinen Vitamin-C-Bedarf schon fast gedeckt. Wem die grüne Kiwi zu herb ist, kann es mit der goldfarbenen Variante versuchen. Sie enthält weniger Fruchtsäure und eignet sich auch für empfindlichere Mägen.

Ebenfalls etwas milder und süsser ist die grüne «Sommer-Kiwi», die Dominique Streit am Genfersee seit 2004 anbaut. Goldene Kiwis hingegen gedeihen in der Schweiz nicht. Sie sind sehr kälteempfindlich und anfälliger für eine Bakterienkrankheit, die ähnlich verläuft wie der Feuerbrand bei Kernobst.

Auf der Suche nach einer für Balkon oder Garten? Dann kommen Mini-Kiwis infrage. Sie sind winterhart und wachsen unter anderem in der Ostschweiz, aber auch im Mittelland. Sie sind ein guter Snack für zwischendurch und unterwegs, denn die mirabellengrossen Früchte lassen sich gleich mit Schale verzehren. Und wer sich beim Biss ins weiche, aromatische Fruchtfleisch an Stachelbeeren erinnert fühlt, liegt gar nicht so falsch. 

Rund um Kiwis
Kiwis im Garten: Kiwipflanzen sind zweihäusig, das heisst, aus den Blüten der weiblichen Pflanze entwickeln sich nur dann Früchte, wenn ein Bestäuber in der Nähe ist. Eine männliche Pflanze reicht in der Regel aus, um mehrere weibliche zu bestäuben. Ähnlich wie Reben zählt die Kiwipflanze zu den Schlinggewächsen. Ihre Früchte gedeihen an bis zu zwei Meter langen, einjährigen Trieben. Am besten wählt man einen warmen, windgeschützten Ort mit geringer Spätfrostgefahr. Geeignet sind Spaliere an Hauswänden oder Pergolen. Bei Lagen über 500 Meter sollten die Pflanzen mit Folien vor Frost geschützt werden. (Gut zu wissen: Kiwi-Pflanzen riechen stark. Das kann auf der Terrasse oder beim Sitzplatz im Garten störend sein.) Mehr Infos: www.pflanzanleitung.ch
Kiwis im Winter: Vital-Kicks in der kalten und dunklen Jahreszeit gefällig? Ganz einfach: regelmässig eine Kiwi auslöffeln. Sie enthält weit mehr Vitamin C als jede Zitrusfrucht, darüber hinaus Kalium, Magnesium, Phosphor und Eisen. Der Verzehr soll die Abwehrkräfte stärken sowie Erschöpfungs- und Schwächezuständen vorbeugen. Kiwis wirken zudem harntreibend und blutreinigend. Und sie sind, mit anderen Früchten, Gemüse und Kräutern kombiniert, eine optimale Dreingabe für Smoothies.
Kiwis im Quark: Ist durchaus schmackhaft, aber nur frisch zubereitet. Liegen die Fruchtstücke zu lange in Milchprodukten, entwickelt sich ein bitterer Geschmack. Verantwortlich dafür ist das vor allem in den grünen Kiwis enthaltene Enzym Actinidin. Es wird wirkungslos, wenn man die Stückchen kurz blanchiert. Goldene Kiwis enthalten nur wenig Actinidin und können problemlos mit Joghurt, Quark oder Rahm vermischt werden.
Kiwis als Verdauungshilfe: Actinidin spaltet Eiweiss und macht so proteinreiche Mahlzeiten besser verdaulich. Kiwis gelten zudem als Zartmacher für Fleisch. Dazu das Fleisch vor dem Braten mit der Schnittfläche einer Kiwihälfte bestreichen. Die Früchte aber nicht für warme Gerichte verwenden, denn auch durch längeres Erhitzen werden sie bitter.
Reifetest: In der Nähe von Äpfeln oder Bananen werden harte Kiwis innerhalb weniger Tage genussreif. Bei Zimmertemperatur halten reife Früchte etwa fünf Tage, im Gemüsefach des Kühlschranks bis zu zwei Wochen. Reif sind Kiwis dann, wenn das Fruchtfleisch auf Druck leicht nachgibt. Die Schale sollte aber glatt und nicht schrumpelig sein.

Foto: istockphoto.com

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