(G)artenvielfalt

Remo Vetter | Ausgabe 04 - 2010

Die Artenvielfalt lässt sich auch im Kleinen fördern – im eigenen Garten. Darum rüstet Remo Vetter jetzt seinen Kräutergarten auf.

Es ist das Jahr der Biodiversität, undso habe ich mir zum Ziel gesetzt, in diesem Jahr noch mehr zu tun für die Arten- und Pflanzenvielfalt in unserem Garten: Ich will Dutzende von neuen Kräuterarten anpflanzen und den Nützlingen optimale Bedingungen anbieten. Dabei haben es mir vor allem die Kräuter für die Küche angetan.

Was wären Tomaten und Mozzarella ohne Basilikum, eine Omelette ohne Schnittlauch oder Petersilie, eine Lammkeule mit Kartoffeln ohne Rosmarin? In unserem Garten gedeihen mittlerweile gegen 100 verschiedene Küchenkräuter, sodass wir fast jeden Tag ein neues Rezept ausprobieren können. Das Sammeln der aromatischen Pflanzen vor dem Kochen ist für uns Lebensqualität pur.

Selbstbewusster Borretsch

Basilikum ist eines unserer Lieblingskräuter. Neben dem grossblättrigen Basilikum, der sich für Pesto am besten eignet, ziehen wir Thaibasilikum, Zimtbasilikum, Zitronenbasilikum und griechischen Basilikum. Basilikum und Tomaten haben fast die gleichen Ansprüche. Beide haben gerne nasse Füsse, aber nasses Laub mögen sie nicht. Sie brauchen einen guten Boden, viel Wasser und Wärme. Das hat uns dazu bewogen, Basilikum zwischen die Tomatenpflanzen zu setzen. So ernten wir beides mit einem Handgriff. Da Basilikum sehr frostempfindlich ist, dürfen wir ihn nicht vor Mitte bis Ende Mai auspflanzen. Borretsch oder Gurkenkraut ist so pflegeleicht, dass wir ihn schon beinahe als Unkraut ansehen. Sobald man Borretsch im Garten hat, samt er aus und siedelt sich an allen Ecken und Enden an. Uns gefällt diese selbstbewusste Art und wir fragen uns manchmal, ob wir das Recht haben, die Pflanzen einfach wegzuhacken, wenn sie sich an einem Ort wohl fühlen, wo wir sie nicht gepflanzt haben. In der Küche geben wir die behaarten Blätter und blauen Blüten Salaten, Gurken und Quarkspeisen bei.

Dill sollte in keinem Küchengarten fehlen. Zu Fisch und Lamm ist Dill ein Muss. Wir haben beobachtet, dass sich die Schmetterlingsraupen des Admirals und Pfauenauges mit Vorliebe auf dem graziös gefiederten Kraut und den feinen Dolden der Dill- und Fenchelpflanzen aufhalten. Dill zieht auch Schwebefliegen an, die sich über die ungeliebten Blattläuse hermachen.

Baden im Lavendel

Wenn ich an Lavendel denke, kommt mir immer meine Grossmutter in den Sinn. Sie legte getrocknete Lavendelblüten in die Kleiderschränke, um Motten fernzuhalten und damit die Wäsche gut duftete. Wenn wir als Kinder zu kribbelig waren, gab sie uns ein paar Tropfen Lavendelessenz ins abendliche Badewasser, was uns beruhigen sollte. Im Garten schätzen wir den Lavendel als hübsche dekorative Pflanze. Da der Duft Läuse fernhält, haben wir sämtliche Rosenbeete mit Lavendel eingefasst. Lavendel ist ein überaus robustes und pflegeleichtes Gewächs. Wir lassen ihn fünf bis zehn Jahre am gleichen Ort stehen und schneiden im Herbst die Blütenstände zurück. Sonst verlangt er keine weitere Beachtung.

Koriander ähnelt der Petersilie, hat aber einen ganz anderen Geschmack. Ich säe ihn direkt auf das vorbereitete Beet. Die zuerst rundlichen Blätter wachsen sehr schnell und nehmen bald ihre typisch gefiederte Form an. Junge Korianderblätter verwenden wir hauptsächlich zu indischen Speisen. Die Samen, die im Herbst ausreifen, kann man mahlen und den Gerichten beimischen.

Süssen mit Stevia

Stevia oder Zuckerkraut ist eine Pflanze, die mich total fasziniert. Sie ist bis zu 300-mal süsser als Zucker, erinnert mich vom Geschmack her an Lakritze und hat keine Kalorien. Deshalb ist sie vor allem im asiatischen und südamerikanischen Raum als Süssmittel populär. Stevia wäre für Diabetiker geeignet und als Alternative zum Zucker bestimmt eine grosse Hilfe im Kampf gegen das Übergewicht. Vielleicht wird sie im europäischen Raum deshalb so bekämpft. Seit ich Stevia kenne, süsse ich alles damit, seien es Getränke, Kuchen oder Desserts. Ein bis zwei Blätter genügen. Das Faszinierende ist, dass die Pflanze problemlos in unserem Garten wächst. Ich kaue fast bei jedem Gartenrundgang ein Steviablatt und stille damit meine Lust auf Süsses. Stevia ist nicht winterhart, wir säen das Kraut jedes Frühjahr neu aus, pflanzen die Setzlinge wie das Basilikum Ende Mai ins Freie und ernten die Blätter bis zum ersten Frost.

Ysop ist ein Strauch mit violettblauen Blüten, den unsere Gäste häufig mit Lavendel verwechseln. Wir pflanzen viel davon an, weil die Sträucher Bienen, Hummeln und Schmetterlinge anziehen, pflegen sie ähnlich wie Lavendel und schneiden im Herbst die verblühten Triebe zurück. Ysop soll den Blutdruck regulieren und wird in der Küche in Fleisch- und Wildgerichten verwendet oder in den Salat gegeben.

Zitronenmelisse wächst in unserem Garten wie Unkraut und macht sogar der Pfefferminze Konkurrenz. Die hellgrünen Blätter geben wir roh in Salate und Suppen. Als Tee geniessen wir die Zitronenmelisse aufgrund ihrer schlaffördernden Wirkung abends vor dem Zubettgehen. Wir teilen die Wurzeln im Herbst oder im zeitigen Frühjahr und ziehen so neue Pflanzen heran.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.

Foto: fotolia.com, Susannka / flickr / cc, Akajos / flickr / cc


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