Garten der Lust

Marion Kaden | Ausgabe 7 - 2009

Für lustvollen Sex und eine zuverlässige Verhütung eignen sich verschiedene natürliche Methoden und Mittel (Teil 1).

Klaus Heer, Paartherapeut aus Bern, beobachtet, dass sich trotz der sexuellen Revolution der 1970er-Jahre kaum eine fortschrittliche und vor allem partnerschaftliche Kommunikation über Sex entwickelt hat. Noch immer sind es die Frauen, welche durch die meist freiwillige Einnahme der Pille für angstfreien, folgenlosen Sex sorgen.

Fernsehen abschaffen

Heer schlägt im Namen der Liebe vor, den Fernseher abzuschaffen. «Eine Liebesbeziehung ist wie ein Garten: Genauso wie Pflanzen braucht sie Pflege, Zuwendung, lustvolle gemeinsame Arbeit, damit sie gedeihen kann und somit auch ein beiderseitig erfüllter Sex.» Dass gegenwärtig Frauen immer noch die Hauptverantwortung für die Verhütung übernehmen, bestätigt auch Simone Meyer, naturheilkundliche Ärztin aus Winterthur. «Allerdings wollen viele keine synthetischen Hormone mehr nehmen und suchen nach Alternativen», sagt sie. Natürliche Verhütung beruht auf Selbstbeobachtung, indem Frauen die Veränderungen ihres Körpers während des Zyklus berücksichtigen. «Mit Hilfe der Basaltemperaturmethode kombiniert mit der Schleimstrukturbeobachtung haben sie die Möglichkeit, ihren nächsten Eisprung zu ermitteln», sagt die Ärztin.

Mönchspfeffer oder Bier

Verhütende Kräuter wurden früher von Kräuterfrauen wahrscheinlich heimlich weitergegeben. Vieles vom reichen Erfahrungsschatz ging jedoch mit der Zeit verloren. Übrig blieben Halbwissen oder abergläubische Rituale, die im Volk weiterlebten. Wie zum Beispiel den Mönchspfeffer: Von der Heilpflanze war bekannt, dass ihre Wirkung den Männern das Zölibat erleichterte. Doch wird das alte Wissen heute nicht angewendet, da moderne Männer sich die damaligen Mönche kaum zum Vorbild nehmen und freiwillig sexhemmende Mittel einnehmen. Regelmässige Biertrinker arbeiten jedoch unwissentlich an ihrer Impotenz: Durch starken Bierkonums wachsen Bauch und Busen. Denn Bier enthält Hopfen, die Pflanze mit dem höchsten bekannten Gehalt an Phytoöstrogen. Wie die Östrogene bei Frauen haben die Phytoöstrogene beiMännern verweiblichende Wirkungen.

Der Lust auf die Sprünge helfen
• Rosmarinbad
Je 1 Handvoll frischen Rosmarin und Melisse, dazu 4 bis 6 Zimtstangen in zwei Liter Wasser 10 Minuten lang kochen. Den Sud durch ein Sieb geben und dem Badewasser hinzusetzen. Dieses Bad dient nicht der Körperreinigung – also Seife und Shampoo weglassen. Die Kräuter hinterlassen eine seidenweiche, angenehm prickelnde Haut.
• Alraunenwein
Eine Handvoll trockener, zerkleinerter Alraunenwurzel mit einem Liter Weisswein übergiessen. Mindestens 14 Tage fest verschlossen ziehen lassen (nicht länger als einen Monat). Die Wurzeln absieben und in eine abgedunkelte Flasche umgiessen. Ein kleines Gläschen täglich soll aphrodisierend wirken

Pflanzen der Liebe

Für Frauen, die schwanger werden wollen, hat die Naturheilkunde vieles zu bieten. Während in der herkömmlichen Sterilitätsmedizin vor allem die ungewollte Kinderlosigkeit angegangen wird, geht es bei der Naturheilkunde um den ganzen Menschen. So werden Problemlösungen sowohl für Körper, Seele und Geist gesucht. «Auf jeder Ebene kann für den Kinderwunsch etwas getan werden», sagt Simone Meyer. Schliesslich sei Kinderzeugen nicht nur ein rein körperlicher Akt. Dazu gehörten die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen oder Gewohnheiten des bisherigen Lebens aufzugeben. Frauen stehen verschiedene Pflanzen zur Verfügung, die oft auch günstig zu bekommen sind. Frauenmantel zum Beispiel wächst viele Monate des Jahres in vielen Gärten oder auf Wiesen. «Täglich eine Handvoll frisches Kraut mit heissem Wasser überbrühen, 10 Minuten ziehen lassen, absieben und trinken», so Meyer.

Weiterfürhende Artikel
«Das verkaufte Wunder» (Teil 2)
: «natürlich leben»-Redakteurin Marion Kaden schreibt über das Geldverdienen mit der Schwangerschaft und Geburt.
«Gebären - nichts ist natürlicher»: «natürlich leben»-Redakteur Markus Kellenberger schreibt über die Natürheilkunde und deren Wege, um Mutter und Kind bei Schwangerschaftsbeschwerden oder Geburt, optimal zu unterstützen.

Der deutsche Ethnobotaniker Christian Rätsch hat den pflanzlichen Liebesmitteln gleich ein ganzes Buch gewidmet: «Pflanzen der Liebe.» In ihm ist nachzulesen, welche Aphrodisiaka wann und mit welchem Ergebnis eingesetzt wurden.

Literatur
• Christian Rätsch: «Pflanzen der Liebe», Magic-Bookworld-Verlag 2008
Fr. 26.50
• Christian Rätsch, Claudia Müller-Ebeling: «Lexikon der Liebesmittel»
AT Verlag 2003, Fr. 64.– Nicht selber abtreiben

Nicht nur Verhütung, lustvoller Sex oder eine sichere Empfängnis wurden Jahrhunderte lang als heisse Themen gehandelt. Die ungewollte Schwangerschaft gehört ebenso dazu. Die verloren gegangene Jungfräulichkeit war für viele Frauen eine Katastrophe, eine Schwangerschaft erst recht. Entsprechend begehrt war das Wissen um eine erfolgreiche Abtreibung. «Wir kennen in der Schweiz etwa 1000 Pflanzen, die abtreibend wirken können», sagt Meyer. Während früher die Kräuterfrauen noch über tradierte Erfahrung verfügten und Pflanzen in der richtigen Dosierung verordneten, fehle heute dieses Wissen. «Die nötigen Rezepturen für eine sichere Abtreibung kennen wir nicht», betont sie.

Abtreibende Pflanzen wie Wermut, Eibe oder Weinraute seien extrem giftig und ihre Einnahme könne nicht absehbare, schwere Nebenwirkungen haben. Auch wenn die Verzweiflung noch so gross ist, sollte daher keine Frau versuchen, eine Abtreibung selbst durchzuführen.

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Bilder: fotolia.com / JK400D / flickr / cc / sinabeet / flickr / cc

Tags (Stichworte): AbtreibungBierLustMönchspfefferPflanzenSex

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