Ferienziel Balkonien

Remo Vetter | Ausgabe 6 - 2009

Ein Garten muss nicht das Privileg der Hausbesitzer sein. Auch auf dem Balkon lässt sich leicht Gemüse kultivieren.

Wo verbringen Sie dieses Jahr Ihre Ferien? Downtown in Zürich werden Balkone und Vorgärten gepflegt wie noch nie. Und so heisst die Destination für viele Zeitgenossen in diesem Jahr «Balkonien» und «Gardenien».

Gärtnern auf dem Balkon

Es ist erstaunlich, was selbst auf einem kleinen Balkon mit wenig Aufwand an Gemüse und Kräutern produziert werden kann. Der Vorteil des Balkongartens ist, dass wir praktisch keine Schneckenprobleme haben. Am meisten faszinieren mich Tomaten. Die Tomaten sind hier vor Regen geschützt und bekommen genügend Wärme ab. Auch mit Kräutern lässt sich ganz viel machen. Deshalb sind für uns einige Geranienkistchen mit Rosmarin, Thymian, Basilikum, Majoran, Schnittlauch, Verveine oder Salbei bepflanzt ein Muss.

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«natürlich leben», Gartenberatung, Neumattstrasse 1, 5001 Aarau
oder remo.vetterno spam please@no spam pleasenatuerlich-leben.ch

Geheimtipp Walderdbeeren

Ich finde, bei keiner anderen Frucht liegen Genuss und Enttäuschung so nahe zusammen wie bei der Erdbeere. Der Geschmacksunterschied zwischen selbst angebauten, vollreifen Früchten und gekauften, wässrigen Import-Erdbeeren ist so gross, dass das Anlegen eines Erdbeerbeetes einfach ein Muss ist. Das Pflanzen geschieht auf gut vorbereitete, unkrautfreie Beete, die wir als Starthilfe mit einer guten Kompostgabe versehen. Sobald sie sich rot zu färben beginnen, unterlegen wir sie mit Stroh und schützen sie mit Netzen vor gefrässigen Amseln.
Was wir nicht sogleich essen, verarbeiten wir zu Konfitüre. Wir sammeln einige Handvoll, geben etwas Honig dazu und pürieren sie mit dem Handmixer. Diese unübertreffliche Konfitüre ist in wenigen Minuten zubereitet und meist noch schneller verzehrt.

Tipps für den erfolgreichen Gärtner (wichtige Arbeiten im Juni)
• Im Juni müssen wir der Bodenlockerung besondere Aufmerksamkeit schenken.
• Unkrautbekämpfung bzw. tägliches proaktives Kratzen mit der Pendelhacke.
• Küchenkräuter, bei denen die Blätter verwendet werden, laufend vor dem Blütenstadium ernten.
• Rhabarber nach der Ernte teilen, Kompostgabe und neue Wurzelstöcke erstarken lassen.
• Auslichten der Beerensträucher, Sommerschnitt. Die Beeren brauchen Licht, um ausreifen zu können. Den Boden mit Mulch bedeckt halten oder zur Gründüngung Bienenweide einsäen.
• Aufbinden der Himbeeren und Brombeeren.

Mit Vorteil robuste Sorten

In einem gesunden Garten machen Schädlinge kaum Probleme. Wählen Sie widerstandsfähige Sorten. Pflanzen Sie nicht zu eng und sorgen Sie für eine gute Durchlüftung des Bodens. Lassen Sie keine Pflanzenreste auf den Beeten herumliegen. Das zieht Schnecken an. Binden Sie Kletterpflanzen wie Gurken an, so können Schnecken viel weniger Schaden anrichten. Im Gegensatz zu den Schnecken ist der Regenwurm einer der wichtigsten Arbeiter und Helfer im Boden. Regenwürmer ziehen Pflanzenreste in den Boden und verwandeln diese bei der Nahrungsaufnahme mit den mineralischen Teilen zu fruchtbarer Erde. Ihr Kot enthält wichtige Nährstoffe in für die Pflanzen verfügbarer Form. Der Wurm verbessert die Wasser- und Luftzirkulation durch seine Gänge. Dadurch kann überschüssiges Wasser schneller versickern und die Pflanzenwurzeln können die Wurmgänge durchwachsen und die Nährstoffe aufnehmen. Je mehr Würmer wir im Boden auffinden, desto höher ist die Bodenqualität. 

Bienenweide

Zur Gründüngung verwenden wir hauptsächlich Bienenweide (Phacelia) und lassen kein Stück Boden unbepflanzt. So können sich keine Unkräuter ansiedeln. Das Säen und Schneiden der Bodendecker ist viel weniger aufwändig als das Unkrautjäten. Bienenweidesamen streuen wir nur oberflächlich auf die Erde. Wenn die Pflanze ihren Dienst als Bodenverbesserer und Nährstofflieferant geleistet hat, kippen sie um, werden von den Würmern in den Boden eingearbeitet und führen den Mikroorganismen reichlich organische Substanz zu.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen AR tätig, wo er mit Hilfe seiner Familie den Schau-Kräutergarten von A.Vogel hegt.
Vetter ist Autor des Buches «The Lazy Gardener – Wie man sein Glück im Garten findet».

Fotos: © Dave Brüllmann

Tags (Stichworte): BienenweideBodenpflegeRegenwurmWalderdbeeren

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