Endlich frei!

Karl Kobelt | Ausgabe 10 - 2009

Ganzheitsmediziner sehen die Wechseljahre als Übergang zu einer neu erlebbaren Weiblichkeit. Die Menopause eröffnet der Frau Unabhängigkeit und neue Perspektiven.

cDie Ganzheitsmedizin sieht die Wechseljahresbeschwerden als Begleiterscheinung eines natürlichen Entwicklungs-Prozesses des weiblichen Organismus», erklärt der Gynäkologe Florian Davidis, Oberarzt an der Aeskulap-Klinik in Brunnen. Dieser Prozess geht einher mit dem Verlust der stetigen Empfängnisbereitschaft, der Möglichkeit schwanger werden zu können, willentlich oder auch unwillentlich. Deutlich gesagt geht es um den Verlust der Fähigkeit, einen neuen Menschen in sich zu entwickeln und zu gebären.

Dieser Verlust wird Florian Davidis zufolge sehr unterschiedlich empfunden. Oft begleitet von vielfältigen Beschwerden, bezeichnet diese Zeit den Übertritt in eine neue Lebensphase. Es ist die Phase in der sich der weibliche Organismus vollständig von der Möglichkeit zur Austragung eines Kindes befreit.

«Die Menge an weiblichen Hormonen ist bei Frau und Mann zur Normalzeit, das heisst ausserhalb der Phase der Empfängnisbereitschaft der Frau, etwa gleich. Im Grunde gesehen unterscheiden sich Mann und Frau nur in zwei Prozent – der Mann hat zwei Prozent mehr männliche Hormone, Testosteron», sagt Davidis. Nur durch die Notwendigkeit des weiblichen Körpers empfängnisbereit zu sein, erhöht sich das Östrogen um ein Vielfaches. Er verdeutlicht: «Östrogen ist demnach ein Zeichen, um Empfängnisbereitschaft zu signalisieren – bildlich gesprochen eine Art Telefonstrom, welche die Organe nutzen, um sich untereinander zu verständigen. Östrogen ist also zunächst einmal reine Kommunikationsenergie.»

Ein Leben in drei Phasen

«Das Leben einer Frau lässt sich in drei Phasen unterteilen», sagt Florian Davidis, und erläutert dies an einem Zeitdiagramm. In den ersten 14 Lebensjahren ist diese Kommunikationsenergie normalniedrig. Die Organe, die erst in der reproduktiven Phase des Lebens ihre Aufgabe bekommen, sind noch nicht entwickelt. In den folgenden rund fünf mal sieben Jahren, also während etwa der Hälfte des Lebens, ist der weibliche Körper jederzeit bereit, einen Fötus zu einem Kind zu entwickeln und es zu gebären. Für diese Funktion muss stets ausreichend Kontroll-, Koordinations- oder Kommunikationsenergie zur Verfügung stehen – die «Batterien» müssen voll aufgeladen sein, ein erhöhter Grundtonus garantiert die «Wachsamkeit».

Die neue Freiheit leben

«Hört eine Frau auf, Frau zu sein, wenn sie nicht mehr gebären kann?» Davidis Frage ist rein rhetorisch, denn die Antwort ist einfach: «Nein. Der neue Lebensabschnit – nach den  Wechseljahren –, bedeutet eine Umstimmung, eine Umorientierung. Da eine Frau ab fünfzig nicht mehr schwanger werden können muss, eröffnet dies die Möglichkeit zu einem Prozess, der zu mehr Freiheit, Selbstbestimmung, Ungezwungenheit und zu einem neu erfahrbaren Menschsein führen kann.

Ein gewisser Rückgang der Leistungsfähigkeit durch das Eintreten der Menopause ist durchaus zu beobachten. Dafür erhöht sich die Erlebnisfähigkeit, etwa im bewussteren Wahrnehmen der Natur und der Mitmenschen – oder die Genussfähigkeit, etwa bei einem feinen Essen oder im Geniessen des Lebens schlechthin.

Beschwerden natürlich lindern

Der ganzheitlich orientierte Arzt möchte denn auch die Wechseljahre nicht verzögern oder unterdrücken, sondern er möchte durch sie hindurch geleiten – wo nötig, durch den Einsatz unterstützender Massnahmen. Florian Davidis erwähnt wichtige Verfahren und Behandlungen, die er dabei mit Erfolg anwendet:
• Regulativ wirkende Homöopathika und pflanzliche Medikamente
• Johanniskraut, insbesondere gegen Schlaflosigkeit, Depressionen und Verstimmungen
• Mikronährstoffe wie Vitamin B und C zur Vitalisierung
• Phytoöstrogene: SojaIsoflavone, Rhapontikrhabarber bei Östrogenmangelbeschwerden
• Yams (Lichtwurzel) für die Behandlung von Mangelerscheinungen des Gestagens

Die Ganzheitsmedizin erachtet die Wechseljahre als Übergang zu einer neuen Lebensphase der Frau. Sie versucht nicht, die Symptome der Wechseljahre zu unterdrücken, sondern diese lediglich durch regulative Verfahren zu lindern.

Kompetenzzentrum für Ganzheitsmedizin
Die Aeskulap-Klinik wurde 1990 als erstes Zentrum der Schweiz für Ärztliche Ganzheitsmedizin in Brunnen gegründet. Heute sind 25 schul- und komplementärmedizinisch ausgebildete Fachärztinnen und Fachärzte an der Aeskulap-Klinik tätig. Sie behandeln über 3000 Patienten jährlich ambulant und stationär in den Kompetenzzentren Krebs, Schmerztherapie, Chronische Erkrankungen, gynäkologische Leiden, Psychosomatik und Zahnmedizin. Die Klinik liegt in einem schönen Park inmitten der herrlichen Bergwelt der Zentralschweiz nahe des Ufers des Vierwaldstättersees.

Fotos: drusbi/flickr/cc, lepiaf.geo/flickr/cc

Tags (Stichworte): Aeskulap-KlinikFrauGanzheitsmedizinMenopauseWechseljahre

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