Dogmatisierter Irrweg
«Natürlich»-Autor Heinz Knieriemen über seine Erfahrungen mit masernkranken Kindern und einer aus seiner Sicht völlig verfehlten und sogar lebensbedrohlichen Impfstrategie.
Unsere fünf Kinder sind vor einigen Jahren an Masern erkrankt. Wir waren in dieser Zeit für sie da und haben sie gepflegt und begleitet. Die Masern stellten weder für die Kinder noch für uns eine gesundheitliche Bedrohung dar. Eine durchgemachte Kinderkrankheit macht um eine wichtige persönliche Erfahrung reicher und bringt Kinder einen Schritt weiter. Daran besteht für uns kein Zweifel. Was ich aus eigener Kraft, aus eigenem Antrieb überwinde, lässt mich reifen und macht mich selbstbewusster. Und dieses Urvertrauen haben unsere Kinder heute nötiger denn je.
Genau so wichtig ist jedoch ein weiterer Grund, der uns veranlasst hat, die Kinderimpfungen zu verweigern: Wir können und wollen nicht den Zeitpunkt fixieren, an dem sich der kindliche Organismus mit der Abwehr von Keimen auseinandersetzen muss (bei der MMR-Impfung gar mit Masern, Mumps und Röteln gleichzeitig).
Bei den Masern unserer Kinder war es für uns beeindruckend zu erleben, wie unterschiedlich sich die Symptome (Husten, Fieber, Ausschläge) ausprägten und wie unterschiedlich auch die Bereitschaft war, die Infektionen anzunehmen. Unsere Tochter Iona liess die Masern erst mit halbjähriger Verzögerung zu. Ihr Organismus selbst entschied darüber, wann der richtige Zeitpunkt für die Auseinandersetzung gekommen war. Heute wird die Fähigkeit, eine eigene Immunkompetenz zu entwickeln, in der kindlichen Entwicklung dauernd gestört.
Fehlender Nestschutz
Zur gesunden Entwicklung seines Organismus braucht der Mensch den Kontakt mit der Umwelt. Es gibt heute nicht mehr zu übersehende Hinweise darauf, dass durch die verfehlten Impfstrategien und immer mehr und frühere Impfungen – ein zweijähriges Kind muss nach Empfehlung der
Gesundheitsbehörden 27 Einzelimpfungen über sich ergehen lassen – den bedrängenden Krankheiten unserer Zeit Vorschub geleistet wird.
Die aktuellen Impfszenarien haben aber noch ein anderes Risiko erhöht: Die Ausrottungsstrategien vermindern die Chance für Frauen zusehends, durch natürliche Infektion an Masern zu erkranken. Dadurch können sie als Gebärende ihren Säuglingen keinen Nestschutz mehr mitgeben. Die Folge: Die ersten Impfungen erhalten Kleinkinder bereits nach zwei Monaten. Wir sind in unserer impfkritischen Haltung bei den Hausgeburten unserer fünf Kinder durch Hebammen und Gesundheitsschwestern vielfach bestärkt und bestätigt worden.
Eine völlig verfehlte Strategie
Im November 1987 sind in der Schweiz, in teilweiser Anlehnung an eine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation, die Massenimpfungen gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) initiiert worden. Das erklärte Ziel war die Ausrottung der Kinderkrankheiten bis zum Jahr 2000. Das Ziel wurde bei allen drei Krankheiten verfehlt. Es war von vornherein unrealistisch. Unbeirrt wird jedoch an den riskanten und volksgesundheitlich schädlichen Strategien zur Ausrottung der Kinderkrankheiten festgehalten.
Bei der MMR-Ausrottungskampagne handelt es sich nicht um einen Entscheid mit medizinischem Hintergrund. Die Kampagne wurde von der Schweizerischen Sanitätsdirektorenkonferenz – gegen die Stimme des einzigen beteiligten Arztes – und den Kantonsparlamenten, also zwei nicht medizinischen Gremien, gutgeheissen. Schulärzte, Kinderärzte, Ärzteorganisationen wurden für die Entscheidfindung nicht konsultiert, geschweige denn Vertreter der Elternschaft. Die Ausrottungsstrategien sind gescheitert. Nun geht es darum, die Schuldigen zu finden. Nirgends findet sich auch nur die Spur von Einsicht, dass die ganze Kampagne auf Sand gebaut ist, keine Probleme löst und nur neue Gefahren mit sich bringt.
Die «Arbeitsgruppe für differenzierte MMR-Impfungen», der 1994 über 200 Ärztinnen und Ärzte angehörten, übte von Beginn an scharfe Kritik an der offiziellen Impfstrategie und fordert, dass eine Denkpause einzuschalten sei zur Suche nach einer Impfpraxis, welche die längerfristigen immunologischen, epidemiologischen und ökologischen Auswirkungen hinreichend mitberücksichtige (siehe www.impfo.ch).
Masern richtig behandeln
Bis vor rund zwanzig Jahren gehörten die Masern zu den häufigen Kinderkrankheiten. Das Wissen um die Pflege der Kranken war entsprechend verbreitet. Heute sind Masern selten und Pflegende haben kaum mehr Erfahrung damit, sodass die mit den Masern verbundenen Hautausschläge und die starken Fieberschübe Eltern und auch Hausärzten schnell einmal Angst machen. Das führt zu übereilten Spitaleinweisungen, die dann in der Masernstatistik des Bundes als gefährliche Komplikationen interpretiert werden.
Das Krankheitsbild: Masern beginnen mit Husten, Schnupfen und Fieber.
Mit einem zweiten Fieberschub tritt der typische Masernausschlag am ganzen Körper auf. Ähnlich wie bei einer Grippe treten Gliederschmerzen auf und die Betroffenen fühlen sich richtig krank. Die Augen sind entzündet und lichtempfindlich.
Der Hautausschlag kann bis zu zwei Wochen sichtbar sein. Die Ansteckung mit dem Masernvirus (Morbillivirus) erfolgt über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch. Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit, die Inkubationszeit, beträgt rund zwei Wochen. Bis etwa vier Tage nach dem Beginn des Hautausschlages können die Betroffenen die Krankheit übertragen.
Die Behandlung: Bettruhe in einem abgedunkelten Zimmer ist nach Ausbruch der Krankheit unerlässlich. Warme Brustwickel und Dämpfe mehrmals täglich lindern Husten und Schnupfen, kalte Umschläge helfen gegen entzündete Augen. Kranke brauchen in den meisten Fällen rund eine Woche lang Bettruhe und Pflege. Eine ärztliche Intervention ist in der Regel nicht nötig, ausser bei Kindern unter zwei Monaten oder wenn eine Vorkrankheit oder Abwehrschwäche besteht, das Fieber über 41 Grad steigt, Krämpfe einsetzen, der Nacken steif wird und das Kinn nicht mehr auf die Brust gesenkt werden kann. Erfahrene Ärzte und Naturheilkundler raten von chemischen Fiebersenkern dringend ab, da sie bei Masernkranken schwere Komplikationen hervorrufen können. Hohes Fieber bis über 40 Grad ist bei Kindern nicht selten und in der Regel auch nicht gefährlich. Als fiebersenkende Massnahmen sollten Wadenwickel, kühle Umschläge und Essigsocken angewandt werden. Kinder sollten mindestens zwei Tage fieberfrei sein, bevor sie wieder ausser Haus gehen.
Mögliche Komplikationen: Wie Grippe können auch die Masern zu Folgeerkrankungen wie Kehlkopf-, Mittelohr- und Lungenentzündungen führen. Gemäss Angaben des Bundesamtes für Gesundheit treten nach Masern bei einem von tausend Kindern Gehirn- oder Hirnhautentzündungen auf, nach Angaben impfkritischer Ärzte allerdings nur bei einem von 15 000 Kindern.
Die Medizin der Angst überwinden
Es hat nie einen Grund für die unsäglichen Angstkampagnen gegeben, die auch von den Medien meist völlig unkritisch mitgetragen werden. Wir haben in der Schweiz seit mehr als zwölf Jahren keinen einzigen Todesfall aufgrund von Masern zu beklagen. Um das Angstpotenzial hochzuhalten, müssen die Gesundheitsbehörden daher geradezu akrobatische Hochseilakte vollbringen – irgendwann vor längerer Zeit hat es in Italien einmal einen Todesfall gegeben.
Masern werfen im Normalfall kein Kind aus der Bahn. Ärzte berichten immer wieder, dass schwere Krankheitsverläufe und Hospitalisierungen weniger mit dem Masernvirus, sondern mit mangelnden Abwehrkräften, krankheitsbedingter Vorschädigung oder mit falscher Behandlung zu tun haben.
Am eindrücklichsten zeigt ein Vergleich mit einer weltweit bedrängenden Krankheit, dass die aktuelle Impfszene viele Scheingefechte austrägt: Alle dreissig Sekunden stirbt ein Kind an Malaria. Die Forschung für Malariaimpfstoffe macht kaum Fortschritte, weil es in den ärmsten Ländern wie Zimbabwe, Bangladesh und Mali nichts zu verdienen gibt. Dafür feiern beim Debattieren über die Masern, die zumindest in Europa epidemiologisch nie eine Bedrohung darstellten, Pharmaindustrie, Ärzte, Behörden und Medien fröhliche Urständ.
Wir benötigen dringend eine neue Grundhaltung zu Gesundheit und Krankheit. Eine Medizin in dauernder Kampfbereitschaft, die immer neue Feindbilder und Antistrategien entwickelt, wird den heutigen Bedürfnissen in keiner Weise gerecht. Die Absicherungsmedizin der Angst, die heute von Geburt an und sogar schon pränatal präsent ist, muss überwunden werden.
Ein bezeichnendes Beispiel liefern die Kantone Genf und Basel. Ohne jede epidemiologische Notwendigkeit verweigern sie Schülerinnen und Schülern, die nicht gegen masern geimpft sind, den Zugang zum Unterricht. Da in der Schweiz Schulpflicht herrscht, bedeutet das faktisch die einführung des Impfzwangs. Eine stichhaltige Bergründung für das Ausufern des volksgesundheitlichen Ausnahmezustands gibt es nicht.
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Autor
Heinz Knieriemen ist Spezialist für Gesundheits- und Ernährungsthemen. Erschreibt seit über 20 Jahren für «Natürlich» und hat im AT Verlag mehrere Bücher herausgegeben.
Bilder: Bildagentur Waldhäusl, Okapia
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