Die Saison wird eingeläutet

Remo Vetter | Ausgabe_03/2017

Im Schaukräutergarten von Alfred Vogel finden im März Winterräumarbeiten und erste Vorbereitungen für den Frühling statt.

@ istockphoto.com

Auch wenn rundum vielerorts noch Schnee liegt, bereiten wir uns innerlich auf den bevorstehenden Frühling vor und packen die anfallenden Arbeiten mit viel Vorfreude an. Denn eines ist sicher: Der Frühling liegt in der Luft und die ersten Schlüsselblumen, Gänseblümchen und Löwenzahn lassen die Wiesen an den Sonnenhängen bereits erblühen.

Das Gärtnern wird immer populärer und immer mehr Stadtbewohner können sich glücklich schätzen, einen Schrebergarten zu bewirtschaften oder den eigenen Balkon oder die Terrasse zu bepflanzen. Ich plädiere dazu, möglichst viele einheimische Gehölze zu pflanzen. So finden Wildbienen, Vögel und Insekten ideale Lebensbedingungen vor. Indem wir zum Beispiel Vogelhäuschen, Insektenhotels und Steinhaufen aufstellen und anlegen, bieten wir vielen Nützlingen Unterschlupf im Gartenparadies.

Gärtnern in Töpfen. Oft dienen im Sommer die Terrasse und der Garten als erweitertes Wohnzimmer, denn dann spielt sich das Leben draussen ab. Blühende Sträucher, Schutz spendende Gehölze und Beeren locken Schmetterlinge, Insekten und Vögel in den Garten. Eine Wildgehölzhecke als Abgrenzung zum Nachbarn ist ideal für den Familiengarten. Mit Beerensträuchern wie Johannisbeeren, Himbeeren oder Erdbeeren locken wir Gross und Klein in den Garten, denn was gibt es Schöneres als direkt vom Busch zu naschen. Ich plädiere speziell für Kinder kleine Quadratgärten anzulegen (siehe 12/2016). Darin können sie auf kleinem Platz Kräuter, Gemüse und kleine Obstsorten hegen und pflegen.

Auf dem Balkon lassen sich Minigemüse, Tomaten, Salate, Erdbeeren und Kräuter bestens in Töpfen kultivieren. Wichtig dabei ist, dass die Töpfe im Sommer nicht austrocknen und im Winter nicht zerspringen, wenn sie direkt auf dem Boden stehen. Wir stellen die Töpfe deshalb im Winter immer auf eine Unterlage aus Styropor.

Frisch vom Acker. Wenn man das Glück hat, ein Stück Land zu bewirtschaften, bietet es sich an, einen Gemüsegarten mit einem Gewächshaus für Tomaten, Gurken und Melonen, eine Fläche für Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Johannisbeeren und natürlich eine Ecke für Küchenkräuter, Salate und Gemüse anzulegen. Bei etwas mehr Platz vielleicht auch einen Kartoffelacker und Kürbisse. Bei guter Planung und Pflege können wir uns so auf einigen wenigen Quadratmetern praktisch das ganze Jahr über mit Gemüse selbst versorgen.

Für einen dauerhaft guten Ertrag ist eine Fruchtfolge sehr wichtig: Wir pflanzen unser Gemüse immer im Wechsel auf unterschiedlichen Parzellen und Beeten an. Damit wird der Boden nicht einseitig beansprucht. Nach dem Abernten einer Kultur säen wir meist die Gründüngung Phacelia (Bienenweide), um die Bodenstruktur zu verbessern. Im Frühjahr und im Herbst versorgen wir die Beete mit einer guten Gabe Kompost und erhalten so immer gesunde Pflanzen und gute Ernteerträge.

Frische Küchenkräuter. In jedem Garten sollten Kräuter vorhanden sein. Wegen ihrer aromatischen Blätter und den duftenden Blüten, die viele Insekten anlocken. Und natürlich wegen ihrer Verwendung in der Küche. In einem kleinen Garten oder auf dem Balkon können Kräuter sehr gut in Kübeln, Töpfen oder Balkonkästen gepflanzt werden. So können auf der Terrasse ganze Kräutertopfgärten entstehen, die immer direkt und frisch in der Küche Verwendung finden. Einige Kräuter wie zum Beispiel das Basilikum brauchen einen geschützten Standort. Zu viel Regen und Wind bekommt ihm nicht gut. Daher ist ein Platz unter einem Dach oder auf einem geschützten Balkon für ihn meist besser als ein Freilandbeet. Das regelmässige Ernten der Kräuter ist sehr wichtig, denn das hält die Pflanzen kompakt und buschig und der Neuaustrieb wird gefördert.

Allgemeine Gartenarbeiten im März
• Planung der Gartensaison: Was soll neu gepflanzt, was verändert werden? Welche Obst, Früchte- und Gemüsesorten will ich ernten?
• Beete und Pflanzstellen im Ziergarten vorbereiten
• Ältere Blütenstauden durch Teilung verjüngen
• Junge Triebe vor Schneckenfrass schützen
• Kübelpflanzen umtopfen und düngen
• Rasen düngen und je nach Witterung eventuell erstmals mähen
• Frostschäden an Gehölzen entfernen
• Regentonnen aufstellen, Wasserhähne wieder aktivieren
• Hecken schneiden
• Blumenzwiebeln für Sommer- und Herbstblüher pflanzen
• Sommerblumen auf Fensterbank oder im Gewächshaus aussäen
• Obstbaumschnitt
• Gemüsebeete vorbereiten
• Aussaaten von Salaten, Gemüse und Kräutern im Gewächshaus oder auf der Fensterbank

Schnecken, Mäuse und Co. Lavendel, Thymian und Rosmarin schaffe nicht nur Wohlgerüche in Garten und Küche. Sie vermindern auch einen Schädlingsbefall der Nachbarspflanzen. Zur natürlichen Unterstützung in der Bekämpfung von Schädlingen setzen wir Nützlinge ein. Die bei uns am häufigsten auftretenden nicht erwünschten Tiere sind Schnecken, Mäuse und Läuse. Was machen wir mit ihnen?

Schnecken sind der Schrecken der Gärtner. Ob junges Gemüse, frische Triebspitzen oder ganze Blütenstauden: Für Schnecken ist so ein Nutzgarten ein wahres Paradies. Zur Bekämpfung stellt der Handel eine grosse Produktpalette zur Verfügung. Aber aufgepasst: Der Einsatz von Chemie ist selten sinnvoll. Chemisch vergiftete Schnecken stellen nämlich auch eine Gefahr für Igel und Singvögel dar. In Alfred Vogels Schaugarten bekämpfen wir Schnecken seit 35 Jahren biologisch.
Diese Möglichkeiten gibt es:
• Schnecken zerschneiden
• Schnecken einsammeln und in den nahen Wald tragen
• Holzasche um die Pflanzungen streuen. Leider wirkt das nur bis zum nächsten Regen
• Indische Laufenten haben in unserem Garten mit den Schnecken aufgeräumt. Doch der Fuchs hatte auch seine Freude an den Enten ... Wer sich Laufenten zutun will, muss sich Gedanken um die Haltung und Stellvertretung bei Abwesenheit machen
• Die Einfassung mit Schneckenzaun hat sich gut bewährt, ist bei grösseren Gärten aber teuer
• Mittlerweile pflanzen wir einfach genug von allem. So hat es sowohl für uns, wie auch für die Schnecken genug zu futtern
Auch Mäuse können im Garten grossen Schaden anrichten. Sie fressen nicht nur oberirdische Pflanzenteile, sondern knabbern oft auch an Wurzeln von Gemüse, Früchten und Obstbäumen. Bei Neupflanzungen von Büschen, Blumenzwiebeln, Rosen und Bäumen legen wir deshalb ein engmaschiges Drahtgeflecht um die Wurzelballen.

Tipps für Anfänger
• Direktsaat auf Wiesenumbruch
Zuerst muss der Gartenboden vorbereitet werden. Am besten wird das Beet bereits im Herbst abgesteckt und umgegraben, damit der Frost den Winter hindurch die Krümelstruktur verbessern kann. Man kann das Beet aber auch jetzt anlegen. Vor der Einsaat soll die Erde feinkrümelig sein und eben abgerecht werden. Der Gartenboden soll in diesem Stadium nicht mit Dünger behandelt werden, da die kleinen, zarten Keimsprossen des Samens bei einem zu hohen Nährstoffgehalt verbrennen würden. Also kurz vor der Aussaat keinen Kompost oder Mist einarbeiten! Das Saatgut wird in Rillen gestreut und leicht mit Aussaaterde abgedeckt und angegossen. Nach dem Auflaufen der Sämlinge muss meist ausgedünnt werden. Ein Trick besteht darin, bei feinem Saatgut etwas Sand unterzumischen, damit nicht zu dicht gesät wird. So erübrigt sich das Ausdünnen meist.
• Aussaat in Aussaatschalen
Eine Aussaat in Saatschalen kann schon zeitig im Frühjahr auf der Fensterbank erfolgen. Nach dem Keimen müssen die kleinen Pflänzchen vereinzelt und anschliessend in Töpfe umgepflanzt werden.
• Anzucht in Töpfen
Die Töpfe werden mit einer feinen, nicht gedüngten Anzuchterde gefüllt und die Samen einzeln in den Topf gesät. Wir verwenden hauptsächlich Töpfe mit ca. 8 Zentimeter Durchmesser. Tomaten, Gurken, Zucchini, Kürbisse säen wir in grössere Töpfe, damit kein Umtopfen nötig ist. Denn dieses kann zu Wachstumsschwankungen führen. Der Vorteil einer Topfanzucht besteht darin, dass früh gesät werden kann und sich die Pflanzen auf dem Fensterbrett, oder im Treibhaus schon gut entwickeln, womit sie später weniger anfällig auf Witterungseinflüsse und Schneckenfrass sind. Wir haben auch schon Salate in Blumentöpfe gesät und bis zur Ernte im Topf belassen. So ein Blumentopfsalat ist ein nettes Mitbringsel.

Des Gärtners treue Helfer. Der Regenwurm ist Bodenverbesserer und Fruchtbarkeitsgarant. Er ernährt sich hauptsächlich durch das Aufnehmen von Erde, aus der er verrottete Pflanzenteile entnimmt und verwertet. So produziert er Wurmkot, der die wertvollsten Humusanteile, die Ton-Humus-Komplexe, in angereicherter Form enthält. Regenwürmer können bis zu zwei Meter tief graben und acht Jahre alt werden. Sie sind sehr fleissig, lockern, lüften und vermischen das Erdreich, befördern organisches Material in die Unterschichten und sind massgeblich für die Qualität der Böden verantwortlich.

Der Marienkäfer ist ein Nützling ersten Ranges und steht ganz zuoberst auf der Skala der biologischen Pflanzenschutzmassnahmen. Auf seinem Speiseplan stehen vor allem Blattläuse, von denen er im Sommer täglich bis zu 50 Stück vertilgt. Das Bereitstellen eines Insektenhotels ist sehr hilfreich – nicht nur für den Marienkäfer. Aber darüber mehr in der nächsten Gartenkolumne.

Zur Person
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im A. Vogel Besucherzentrum in Teufen Appenzell Ausserrhoden tätig.


Foto: istockphoto.com

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