Die besten Erkältungstees

Andreas Krebs | Ausgabe_01-02/2017

Eine Erkältung dauert ohne Behandlung eine Woche, mit Behandlung sieben Tage, sagt der Volksmund. Mit Erkältungstees kann man die Beschwerden lindern.

@: Illustration: istockphoto.com

Mehrere Hundert Erkältungserreger sind bis heute bekannt, und die sind sehr unterschiedlich aufgebaut. Deshalb ist es auch so schwierig, wirksame Arzneien gegen grippale Infekte zu entwickeln. Ein Sonderfall ist die Influenza, die «echte» Grippe. Gegen diese Infektion gibt es Medikamente, sogenannte Neuraminidase-Hemmer. Sie wirken aber nur, wenn sie gleich zu Beginn der Erkrankung eingenommen werden. Und sie sollten höchstens Patienten verordnet werden, bei denen mit schweren Verläufen zu rechnen ist, zum Beispiel immunschwachen Menschen. Denn wie bei Antibiotika können auch bei diesen Arzneien Resistenzen entstehen; ausserdem haben sie zahlreiche, zum Teil schwere Nebenwirkungen. Bei anderen grippalen Infekten haben sie keine Wirkung. Es gibt aber zahlreiche natürliche Mittel, um die Symptome zu lindern, damit man nicht sieben Tage dahinsiechen muss.

Schwitzkur und viel Ruhe. Der Körper eines gesunden Menschen schafft es in der Regel selbst, die Erreger innerhalb einer Woche zu besiegen. Wir können ihn dabei unterstützen, indem wir ihm viel Ruhe gönnen – was heutzutage allerdings nur noch die wenigsten machen. Dabei wäre es das Beste, auch für die Arbeitskollegen und Mitpendler, gleich bei den ersten Symptomen – oft kündigt ein Schnupfen die Grippe an, dann folgen Kopf- und Gliederschmerzen – dem Körper Ruhe zu gönnen. Und zu schwitzen.

Schwitzkuren können eine drohende Erkältung oft bremsen; sie eignen sich jedoch nur bei guten Kreislaufverhältnissen. Und so gehts: warm eingepackt ins Bett liegen, vielleicht sogar mit einem zusätzlichen Schlafsack und Bettsocken; eine Tasse Schwitztee trinken, z.B. mit Mädesüss, Holunder und/oder Lindenblüten; schlafen oder zumindest ruhen. Das Abwehrsystem braucht seine Zeit, um eingreifen zu können. Und diese Zeit sollten wir unserem Körper auch gönnen.

Die Kunst des Fieberns. Fieber bis 40 Grad Celsius sollte in der Regel nicht unterdrückt werden, denn Fieber hindert die Erreger daran, sich zu vermehren. Fieber ist also keine Krankheit, sondern die Abwehrreaktion des Körpers auf die Krankheit, die ihn ergriffen hat. Es gibt zahlreiche Studien die zeigen, dass Fiebersenkung die Krankheitsdauer verlängert und oft auch zu schwereren Verläufen und zu vermehrter Ansteckung führt. Das Fieber darf und soll also sein, solange der Körper damit zu Recht kommt. Die Angst, dass bei sonst gesunden Menschen Fieber bis knapp über 41 °C schadet, ist unbegründet. Andererseits wird eine gefährliche Krankheit durch gesenktes Fieber nicht ungefährlicher. Nicht das Fieber, sondern die Krankheit muss also behandelt werden – und das Fieber
hilft dabei.

Hohes Fieber kann bei Bedarf, das heisst, wenn man zu sehr darunter leidet, mit einfachen Hausmitteln wie Wadenwickel oder Essigsocken gesenkt werden. Dabei ist wichtig, dass die Wassertemperatur nur wenige Grad unter der Fiebertemperatur liegt, also nicht in kaltem Wasser getränkte Tücher auflegen!

Neben ausreichender Ruhe ist es bei hohem Fieber wichtig, genügend zu trinken; das hilft dem Organismus, den Flüssigkeitsverlust durch das Schwitzen auszugleichen und Krankheitserreger schneller auszuscheiden. Ausserdem ver üssigt sich so festsitzender Schleim in den Bronchien und Nasennebenhöhlen. Womit wir endlich beim eigentlichen Thema sind, den Erkältungstees. Auf den nächsten Seiten stellen wir die besten Heilkräuter gegen Erkältungssymptome vor.

Erkältungstees
• Lindenblüten, Hagebutte, Thymian und Co. können Beschwerden wie Schnupfen, Hals- und Kopfschmerzen, Husten und Fieber auf sanfte Art und Weise lindern.
• Damit Kräutertees wirken, sollten sie mehrmals am Tag getrunken werden (3–5 Tassen), davon eine Tasse vor dem Schlafengehen. So wird gleichzeitig der Flüssigkeitsbedarf gedeckt, was bei grippalen Infekten besonders wichtig ist: Wer reichlich trinkt, hilft dem Körper, Krankheitserreger besser zu bekämpfen und auszuscheiden; ausserdem verflüssigt sich so festsitzender Schleim in den Bronchien und Nasennebenhöhlen.
• Rezept: Wenn nicht anders angegeben, nimmt man pro Tasse 1 EL getrocknetes Kraut, übergiesst es mit kochendem Wasser und lässt den Aufguss 5 bis 10 Minuten gedeckt ziehen; dann abseihen, allenfalls mit Honig süssen – er wirkt antibakteriell – und möglichst warm trinken.
• Die Kräuter sind in Gruppen aufgeteilt. Je nach Art der Beschwerden können Sie sich so einen individuellen Kräutertee in der Apotheke mischen lassen oder selbst zusammenstellen. Oft reicht indes eine einzige Zutat.
Immunschwäche
Mindestens eine schweisstreibende und resistenzsteigernde Heilpflanze gehört als Basis in jeden Erkältungstee. Holunderblüten: wirken schleimlösend, hustenreizlindernd und schweisstreibend.
• Lindenblüten: wirken schweisstreibend, krampflösend, entzündungshemmend und schmerzstillend.
• Hagebutte: stärkt dank dem hohen Vitamin-C-Gehalt das Immunsystem.
• Mädesüss: enthält Vorläufersubstanzen der Salicylsäure, sogenannte Salicylate. Diese wirken schmerzlindernd, fiebersenkend, entzündungshemmend und, äusserlich aufgetragen, hornhautauflösend. Salicylate sind bei Überempfindlichkeit und während der Schwangerschaft kontraindiziert.
• Spitzwegerich: Neben der hustenstillenden Wirkung werden dem frischen Spitzwegerich – man kann ihn ab April wieder sammeln – blutreinigende und immunstärkende Eigenschaften nachgesagt. Ausserdem enthält die weitverbreitete Heilpflanze kleine Mengen Antibiotika.
• Weitere Massnahmen zur Stärkung des Immunsystems:  Viel trinken; 1-mal täglich 10 Tropfen Propolistinktur; morgens den Saft einer Zitrone trinken (mit Wasser); daumengrosses Stück Ingwer kauen; frische Luft; Kochsalznasentropfen (circa 1%): 1/2 TL Steinsalz auf 1/2 l Wasser; Hühnersuppe.
Atemwegserkrankungen
Bei akuten Entzündungen der Atemwege werden vorwiegend Schleimdrogen verwendet, zum Beispiel Spitzwegerich, Eibisch
oder Malve, letztere als Kaltauszug: 1 EL mit 1/2 Liter kaltem Wasser ansetzen und mindestens 15 Minuten ziehen lassen. Vor dem Trinken leicht anwärmen.
• Auswurffördernde Hustenmittel (Expektorantien): Dazu zählen vor allem Saponin drogen. Sie verflüssigen dickflüssigen Schleim und erleichtern so das Abhusten, zum Beispiel Wohlriechendes Veilchen, Schlüsselblume, Seifenkraut, Lungenkraut, Süssholz, Anis, Fenchel, Pfefferminze.
• Krampflösende Hustenmittel: Bei krampfartigem Husten, besonders bei Keuchhusten aber auch Asthma hat sich Thymian als Mittel der Wahl bewährt. Er wirkt krampflösend in Lunge und Bronchien und hemmt das Bakterienwachstum. Thymiantee soll höchstens drei Wochen am Stück getrunken werden. Efeuextrakte wirken krampflösend, auswurffördernd und beruhigend und können so bei Keuchhusten helfen.
• Weitere Massnahmen: Regelmässige Seeluftkuren; Luftfeuchtigkeit in Räumen erhöhen; viel trinken; Bienenwachsauflagen (auf Brust).
• Heiserkeit: Bei Entzündungen in Mund und Rachen hat sich das Gurgeln und Mundspülen mit Tee von Gerbstoffpflanzen bewährt, zum Beispiel Salbei, Odermennig oder Thymian. Im akuten Fall beruhigen Schleimdrogen wie Malve (Kaltauszug). Mehrmals täglich anwenden.
• Weitere Massnahmen: Gurgeln mit Propolistinkturwasser; Stimmtherapie; Raumluftfeuchte erhöhen; genügend trinken.
Kopf- und Gliederschmerzen
Mädesüss oder Weide: letztere 20 Minuten ziehen lassen. Beide enthalten Salicylate und sollten bei bekannter Salicylatüberempfindlichkeit nicht angewandt werden. Kontraindikation bei Asthma bronchiale.
Nasennebenhöhlenentzündung
Aus einem festsitzenden Schnupfen kann eine Nasennebenhöhlenentzündung werden. Auch da gibt es natürliche Hilfen, zum Beispiel Tee von Myrte oder Gundermann.
• Meerrettichauflage: 1 EL frisch geraspelten Meerrettich auf ein Taschentuch geben, zusammenfalten und auf die Haut legen, und zwar oberhalb des tastbar hervorstehenden siebten Halswirbels. Die Haut fängt rasch an zu brennen. Nicht länger als 5 Minuten aufliegen lassen. Danach sollte die Nase fliessen und die Schmerzen nachlassen. Bei Bedarf wiederholen.
• Leinsamenkompresse: 11/2 EL geschrotete Leinsamen mit knapp 2 Tassen Wasser zum Kochen bringen und 5 –10 Minuten unter Rühren quellen lassen. 3 gehäufte TL des Breis in die Mitte eines Papiertaschentuches geben, etwas ausstreichen und die Ränder einschlagen. Päckchen platt drücken und auf die schmerzende Stelle auflegen, mit einem Schal warmhalten. So lange aufliegen lassen, wie es angenehm ist. Mindestens 1 Stunde im Warmen bleiben.
• Weitere Massnahmen
Viel trinken; kräftiges Ausstreichen der Stirn-/Kieferhöhlenpartie – das regt die Durchblutung und gleichzeitig das Fliessen der Nase an.
Bewährte Teemischungen
• Bei typischen Erkältungsbeschwerden: 30 g Holunderblüten, 20 g Mädesüss oder Lindenblüten, 20 g Hagebutte, 20 g Thymian
• Hustentee bei schmerzhaftem, trockenem Husten 20 g Malvenblüten, 8 g Thymiankraut, 8 g Melissenblätter, 8 g Spitzwegerich, 8 g Holunderblüten
• Hustentee, schleimlösend und reizlindernd: 20 g Thymian, 20 g Schlüsselblumenwurzel, 15 g Melissenblätter, 15 g Kamillenblüten.
Weitere Hausmittel
• Honig: Studien haben gezeigt, dass ein Löffel Honig am Abend Husten und Nachtschlaf günstig beeinflusst.
• Zink: Zink, z. B. als Tabletten, scheint Dauer und Schwere von Erkältungsepisoden zu vermindern.
• Propbiotika: Besonders Lactobazillen und Bifidobakterien können die Dauer von banalen Atemwegsinfektionen etwas verkürzen.
• Umckaloaba: Das Wurzelextrakt kann Erkältungssymptome, insbesondere Schnupfen, lindern.
• Meerwasserspülungen: Gemäss Studien zeigt sich eine Verminderung des Nasensekrets und Verbesserung der Atmung.
• Homöopathie: Gemäss Studien besserten sich die Symptome bei homöopathisch behandelten Patienten deutlich schneller als unter konventioneller Therapie. Die Patienten pflegten jedoch auch einen gesünderen Lebensstil.
• Inhalieren: Die Studienergebnisse sind widersprüchlich. Wem es gut tut, tut es gut ...
• Knoblauch und Ginseng können laut Metastudien möglicherweise Erkältungen vorbeugen, haben aber keinen Einfluss auf die Dauer der Beschwerden.
• Hygiene: Am wirksamsten zur Vorbeugung einer Erkältung ist eine sorgfältige, jedoch nicht übertriebene Hygiene (z.B. regelmässiges Händewaschen) und möglicherweise die Einnahme von Zinkpräparaten sowie genügend Flüssigkeitsaufnahme.

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