Der Jäger als Sammler

Remo Vetter | Ausgabe 9 - 2009

Im Garten von Remo Vetter ist die Gemüseernte derzeit voll im Gang. Dabei schwelgt der Gärtner in allerlei Erinnerungen aus der Kindheit.

Die Arbeit im Garten ist für uns zu dieser Jahreszeit besonders beglückend. Wir sind dankbar für die Energie und die Kraft der Erde, welche die Pflanzen so schön haben wachsen lassen.
Zum Beispiel die Artischocken: Deren Anbau lohnt sich allein schon wegen ihrer imposanten Blätter und der wunderbar blauen Blüten. Sie schätzen einen sonnigen Platz und gute Komposterde. Wir lassen sie zwei bis drei Jahre am selben Ort und frischen die Bestände jährlich auf.

Köstlich: roher Fenchel

Oder die Auberginen: Sie brauchen wie Tomaten und Basilikum eine gewisse Mindesttemperatur, damit sie gedeihen. Eigentlich wachsen sie nicht auf unserer Höhe, doch auf den Hügelbeeten mit dem Wärmespeicher gelingt es uns problemlos, sie zu ziehen. Wir säen sie in Töpfe und pflanzen die Setzlinge Ende Mai aus.
Auch der Brokkoli ist ein fester Bestandteil unserer Gemüseküche. Er ist sehr gesund und schmeckt erntefrisch fast so gut wie Spargel, Äpfel oder Karotten.
Frische, aus der Hülse gepflückte Erbsen faszinierten mich schon als Kind. Ich erinnere mich, wie wir die grünen Kügelchen fast wie Bonbons genossen. Erbsen ernten und ausmachen ist relativ zeitaufwändig, weshalb wir eher wenig davon anbauen und diese dafür umso mehr geniessen.
Rohen Fenchel verwenden wir im Sommer oft als Vorspeise. Meine Frau schneidet das Gemüse in Streifen und streut etwas Kräutersalz darüber. Wir ziehen den Fenchel in Töpfen vor und verpflanzen ihn ins Freiland, sobald er gut durchwurzelt ist.


27 Kürbissorten

Was wäre ein Sommer ohne Gurken? Gurken brauchen viel Wasser und eine gute Kompostgabe. Wenn man sie zu wenig giesst, werden sie bitter. Früher liessen wir die Gurken einfach auf dem Komposthaufen wachsen. In den letzten Jahren begannen wir, sie an Stäben aufzubinden.
Karotten zog ich als Kind in Grossvaters Garten am Kraut aus der Erde, um sie gleich zu essen. So mache ich es heute wieder. Karotten schätzen einen leichten, durchlässigen Boden. Wenn er zu schwer ist oder zu steinig, bilden sich manchmal ganz seltsame Wurzelformen. Deshalb arbeiten wir groben Sand ins Karottenbeet ein.
Kartoffeln sind basisch und ein wichtiger Bestandteil unseres Speiseplans. Aus unserer Sicht schmecken sie am besten, wenn man sie kurz vor der Mahlzeit aus der Erde holt. In unserer Höhenlage pflanzen wir vor allem Frühkartoffeln und mittelfrühe Sorten. Zu diesem Zweck spannen wir eine Schnur und ziehen mit der Hacke eine 20 Zentimeter tiefe Furche, in die wir im Abstand von 30 Zentimetern eine Saatkartoffel legen. Anschliessend decken wir die Furche mit der seitlich aufgehäuften Erde wieder zu. Wenn das Kraut 20 Zentimeter hoch steht, häufeln wir die Kartoffeln an.
Vor zehn Jahren hat es uns gepackt und wir säten 27 Kürbissorten. Wir wurden zu richtigen Kürbissexperten und bereiteten, schon fast zum Leid unserer Kinder, die Kürbisse in allen erdenklichen Variationen zu. Da die Jungpflanzen sehr kälteempfindlich sind, sollte man mit der Kürbis-Aussaat unbedingt bis Mitte Mai zuwarten. Die Pflanzen brauchen mindestens einen Quadratmeter Platz, gute Komposterde und viel Wasser. Das verdanken sie mit einem immensen Wachstum.
Radieschen und Rettiche sind anspruchslos und einfach anzubauen. Wir säen sie den ganzen Sommer hindurch, wenn irgendwo ein Stück Erde frei wird oder in Reihen mit langsam auflaufenden Saaten wie bei Karotten oder Pastinaken, um den Standort dieser Langsamkeimer zu markieren.

Remo Vetter weiss Rat

Bienenweide
Wie sieht Bienenweide aus und wo bekommt man deren Samen?
Ida Illi, per Mail

Bienenweide (Phacelia) ist eine hervorragende Gründüngungspflanze, die Nützlinge wie Bienen und Hummeln anzieht. Ich nutze Phacelia auf brachliegenden Flächen und als Untersaat unter Fruchtbäumen und Beerensträuchern. Die Frühlingsaussaat schneide ich im Sommer nach dem Blühen zurück, die Herbstsaat lasse ich stehen. Über den Winter wird das Pflanzenmaterial von den Würmern und Bodenlebewesen in wertvollen Humus umgesetzt. Phacelia gibt es im Gartencenter oder Samenfachgeschäft. Ich persönlich beziehe die Samen bei den biologischen Samengärtnerei Zollinger in Les Evouettes VS und Sativa in Münsingen BE.

Nüsslisalat im Schnee

Wir pflanzen sechs bis acht Salatsorten. Ruccola wächst bei uns von April bis Oktober. Damit wir immer wieder junge, zarte Blätter ernten können, säen wir während der Saison drei- bis viermal nach. Häufiges Ernten ist wichtig, damit er nicht zu sehr ins Kraut schiesst und verholzt. Eisberg, Krach- und Schnittsalat pflanzen wir kontinuierlich, damit das ganze Gartenjahr über frisches Grün auf den Tisch kommt. Nüsslisalat säen wir im April für die Sommerernte und im Juli für den Winter. Chinakohl und Winterendivie pflanzen wir wie Feldsalat im Juli, damit uns im Winter der Salat nicht ausgeht. Selbst gezogener, junger Spinat, frisch als Salat genossen, ist eine Delikatesse.
Irgendwie haben wir zu Tomaten eine spezielle Beziehung, schliesslich will sie auch intensiver gepflegt werden als andere Gemüsesorten. Bei einer gut ausgereiften Tomate spüren wir förmlich die gespeicherte Wärme. Da wir auf unserer Höhe erst sehr spät aussäen können, kaufen wir die Tomatensetzlinge zu und pflanzen diese im Mai aus. Sonst laufen wir Gefahr, dass die Tomaten nicht ausreifen bis zum Herbst. Das regelmässige Ausknipsen der Seitentriebe und Aufbinden der Zweige führt uns täglich zum Tomatenbeet.
Wenige Zucchini-Pflanzen decken den Bedarf unserer Familie ab. Meist pflanzen wir zu viel davon und müssen dann mit riesigen Exemplaren hausieren gehen. Am besten schmecken sie, wenn man die jungen Früchte regelmässig erntet.
Zwiebeln haben bei uns immer mehr an Popularität gewonnen, denn sie sind einfach anzubauen und lassen sich gut lagern. Wir schätzen sie als schmackhaftes Gemüse und vor allem die roten italienischen Zwiebeln als gute Salatbeigabe. Zwischen Lauch und Karotten gepflanzt, halten Zwiebeln Karotten- und Lauchfliegen fern. Für uns besteht der Luxus darin, Gemüse und Früchte nach Möglichkeit kurz vor dem Essen zu ernten, damit keine wertvollen Vitamine und Mineralstoffe verloren gehen.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen AR tätig, wo er mit Hilfe seiner Familie den Schau-Kräutergarten von A. Vogel hegt.
Vetter ist Autor des Buches «The Lazy Gardener – Wie man sein Glück im Garten findet».
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Fotos: © Dave Bühlmann

Tags (Stichworte): ArtischockenAuberginenGurkenKürbisKarottenKartoffelnRadieschenRetticheSalatZwiebeln

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