Den Absturz verarbeiten
Der Verlust von Arbeit, Geld und Prestige ist für viele ein schwerer Schlag. Auch hier – nicht nur bei Tod und Scheidung –, ist Trauerarbeit angesagt. Ein Gespräch mit Catharina Jlardo, Psychologische Beraterin.
Seit fünf Jahren veranstaltet Catharina Jlardo, Psychologische Beraterin, Coach und Trauerfachfrau, spezielle Reisen für Menschen, die über den Tod des Partners oder die Scheidung nicht hinwegkommen. Nun hat sie eine neue Zielgruppe im Visier: Führungskräfte, die viel Geld in den Sand gesetzt oder ihren Job verloren haben. Ihr Unternehmen «Lequa» will Pleite-Managern und Burnout-Börsianern helfen, ihre Illusionen zu begraben um für neue Projekte Platz zu schaffen. Andreas Krebs sprach mit ihr.
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• "lequa"; Kursangebote für mehr Lebensqualität
Catharina Jlardo, Sie wittern Potenzial bei Finanz-Crash-Opfern. Ist das nicht unanständig?
Nein, es ist ein absolut geeigneter Zeitpunkt, um über die Tabuthemen Trauer und Lebensfreude zu sprechen. Jeder ist irgendwie von der Wirtschaftskrise betroffen. Viele Menschen verlieren in der Finanzkrise Halt gebende Lebensgrundlagen. Der Geldverlust hinterlässt einen emotionalen Verlust: Prestige geht verloren, viele können ihren Lebensstandard nicht halten, manche fallen in existenzielle Krisen, können sich zum Beispiel ihr Haus nicht mehr leisten.
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«Ausgespielt»; Andreas Krebs schreib über die Krise, über Menschen, welche ihre Stelle verloren haben und über mögliche Modelle für die Zukunft.
Sie sagen, die Wirtschaftskrise ist eine Chance. Das sehen Betroffene anders.
Verständlicherweise ja. In unserem Wohlstandssuhlen ging es verloren, Krisen als Chancen wahrzunehmen. Es ging auch verloren, im positiven Sinne voneinander abhängig zu sein. Viele Menschen haben verlernt, mit Verlusten auf einer natürlichen Ebene umzugehen. Wir können aber lernen, uns nach neuen Möglichkeiten umzuschauen – das ist unsere Chance. Dabei ist es wichtig, unsere Trauer zu verarbeiten und sich von ihr zu verabschieden, sonst bleibt der Platz mit Illusionen besetzt, wie es hätte sein können, wenn...
Wie kann man Trauer verarbeiten?
Man muss sich tief mit sich selbst beschäftigen. In meinen Workshops und auf den Reisen stellen die Teilnehmer den Zugang zur Natürlichkeit, zum inneren Kern wieder her. Sei dies auf Wanderungen, in der Kreativität oder einfach nur in der Ruhe. So werden eigene Ressourcen wiederentdeckt.
Was uns wirklich arm macht
Die Organisation «Menschen für Menschen» gibt einem Brief vom 24.11.08 den Titel: «Was macht uns wirklich arm?» Darin steht: «Während heute Banken ‹Nothilfe› von fast 800 Milliarden Franken dafür erhalten, dass sie verantwortungslos und höchst spekulativ agieren, wird eine ganz andere Finanzkrise, die zutiefst beschämend ist, weit in den Schatten gedrängt: Weltweit leben 1,4 Milliarden Menschen unter der Armutsgrenze. Das bedeutet ein Leben mit oft weniger als 1,25 Dollar am Tag. Viele der Betroffenen sind Kinder. Wer schnürt ihr Rettungspaket? Wer wahrt ihr Recht auf Nahrung, Bildung und Gesundheit?» Der Jahresbericht 2009 von Amnesty International zeigt, dass die zunehmende Armut Hand in Hand geht mit bewaffneten Konflikten, verstärkter Gewalt und Rassismus. Als Antwort auf diese grossen Herausforderungen lanciert die Menschenrechtsorganisation die weltweite Kampagne «Für ein Leben in Würde».
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