Das Reich der Pilze

Sabine Hurni | Ausgabe_5_2018

Pilze sind die wahren Herrscher der Welt. Ohne sie gäbe es die meisten Pflanzen nicht. Doch Pilze können auch krank machen. Oder heilen. Die Isopathie macht sich die Heilkraft der Pilze zunutze.

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Mögen Sie Pilze? Frisch zubereitet mit Zwiebeln und Petersilie vermutlich schon. Die Welt der Pilze besteht jedoch nicht nur aus Köstlichkeiten auf dem Teller oder kurligen Auswüchsen im Wald. Pilze sind auch Heilmittel, Krankmacher, Schädlinge im Garten oder Hilfsmittel in der Lebensmittelindustrie. Vom Steinpilz im Wald über den Vitalpilz als Nahrungsergänzung bis hin zum Schimmelpilz auf frischen Erdbeeren gibt es Pilze in nicht enden wollender Vielfalt.

Früher dachte man, Pilze seien eine Untergruppe der Pflanzen. Das stimmt so aber nicht. Rein biologisch betrachtet gehören sie sogar mehr zu den Tieren als zu den Pflanzen. Konkret aber bilden sie das grosse Reich der «eukaryotischen Kreaturen». Das heisst, sie enthalten Zellen mit Zellkern, in denen ihre genetischen Informationen gespeichert sind. Genauso wie Tiere benötigen auch Pilze für ihren Stoffwechsel organische Nährstoffe anderer Lebewesen, die sie mithilfe von Enzymen aufschlüsseln und für sich verfügbar machen – so wie es der Mensch mithilfe der Verdauungsenzyme tut. Diesen Mechanismus findet man nur bei Tieren und eben Pilzen. Auch die Tatsache, dass Pilze kein Blattgrün haben, aus dem sie mithilfe des Sonnenlichts Energie gewinnen, bringt sie näher zu den Tieren als zu den Pflanzen.  

Pilze gehören zu den ältesten Bewohnern der Erde. 2012 wurden in Japan zwei Kilometer unter dem Meeresboden 20 Millionen Jahre alte Pilzsporen gefunden. Als die Forscher die geborgenen Überreste einer Nährlösung aussetzten, erwachte das Wesen zu neuem Leben!

Um sich zu ernähren, brauchen Pilze einen Untergrund, mit dem sie sich verbinden können. Egal ob sie aus einer Zelle, wie die Backhefe, oder einem Zellverband, wie die Steinpilze gehören, sind sie nie unabhängig von ihrer Umwelt: Sie brauchen Erde, Holz oder organisches Gewebe, um zu überleben. Dabei können sie in friedlicher Symbiose mit ihrem Wirt zusammenleben wie die Pilze im Wald oder die Flechten auf der Baumrinde. Offenbar stehen mehr als 80 Prozent der Landpflanzen in einer Lebensgemeinschaft mit Pilzen, so auch die Orchideen. Pilze können ihrem Wirt aber auch als Parasit Schaden zuführen, zum Beispiel Haut- und Nagelpilze oder die vielen Arten von Schimmelpilzen. 

Im Reich der Pilze gibt es niedere Pilze, die wirtschaftlich eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Sie werden in der Lebensmittelindustrie verwendet, um zum Beispiel den Blauschimmel in den Roquefort zu bringen, Salami zu impfen, Quorn oder Aromastoffe herzustellen oder das Brot aufgehen zu lassen. Die Pilze, die wir aus dem Wald kennen, gehören hingegen zu den höheren Pilzen, die einen oberirdischen Fruchtkörper ausbilden und ein unterirdisches Mycel haben. Zu dieser Gruppe gehören die Schlauchpilze (Morcheln) und die Ständerpilze (Fliegenpilz).

Pilze sind aus unserem Leben also nicht wegzudenken. Vermehrt finden Sie auch den Weg in die hiesige Naturheilkunde. Ich meine nicht die psilocybinhaltigen Zauberpilze, die halluzinogen wirken und ein grosses therapeutisches Potenzial in sich bergen, das es noch genauer zu untersuchen gilt. Ich meine die zahlreichen Vitalpilze, die den Markt der Nahrungsergänzungen erobert haben.

In der chinesischen Medizin werden Pilze seit Jahrtausenden als Heilmittel eingesetzt. Inzwischen hat sich aus den Lehren der TCM die Erkenntnis über Vitalpilze auch in der Schweiz verbreitet. Es gibt verschiedene Hersteller, die Vitalpilze anbieten. Zudem sind bereits mehrere Fachbücher darüber erschienen. Vitalpilze sind Nahrungsergänzungen, die wertvolle Enzyme, Nährstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe enthalten. Je nach Zusammensetzung können sie bei unterschiedlichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen eingesetzt werden. Der Brasil Egerling zum Beispiel ist reich an Mineral- und Spurenelementen wie Kalium, Phosphor, Zink und Kupfer und gehört zu den wichtigsten Pilzen mit Heilkraft. Eingesetzt wird er insbesondere zur Stärkung des Immunsystems, zur Reduktion von Allergien, Diabetes und Cholesterin. Zudem sollen antikanzerogene Eigenschaften nachgewiesen worden sein. Ein anderer Vitalpilz, der Chinesische Raupenpilz, wirkt erwiesenermassen positiv auf das Herz, die Atmung und die Leistungsfähigkeit. Der Glänzende Lackporling wiederum wird in der TCM bei Bluthochdruck, Gelenkentzündungen, Schlaflosigkeit und erhöhten Triglyceridwerten eingesetzt. Vitalpilze sollte man im Fachhandel oder über eine versierte Fachperson beziehen.

Für Pilze in homöopathischer Form gilt das ebenso. Richtig eingesetzt können sie viele Leiden mildern oder gar heilen. Isopathie heisst eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die sich von der Homöopathie ableitet und mit Pilzen arbeitet. Bei Hahnemanns Homöopathie wird «Ähnliches mit Ähnlichem» geheilt: Wespenstiche heilen schneller mit Apis, dem homöopathischen Bienengift, ein Schnupfen mit wundmachendem Sekret verschwindet mit Allium Cepa, dem homöopathischen Zwiebelsaft. Die Isopathie nach Dr. Enderlein hat einen etwas anderen Ansatz. Hier heilt «Gleiches mit Gleichem». Das heisst, dieselbe Substanz, die mich krank gemacht hat, wird verdünnt und potenziert wie in der Homöopathie. 

Der Biologe Günther Enderlein (1872–1968) hat erkannt, dass sich Keime unter Stress, bei ungesunder Ernährung, zu viel Alkohol oder Schadstoffbelastungen verändern. Er hat für verschiedene Krankheitsbilder die Ursache in Keimen gefunden, die eigentlich nicht schädlich sind, sich durch die externen Stressfaktoren aber zu krankmachenden Keimen verändert haben. So hat er zum Beispiel Präparate aus dem Blauschimmelpilz Penicillium requefortii entwickelt, die gegen Darminfektionen mit Escherichia coli wirken. Isopathische Arzneimittel wie die von SANUM sind homöopathisch aufbereitete Pilzpräparate und bieten eine wirksame und langjährig bewährte Therapie zur Behandlung akuter und chronischer Krankheiten. Lassen Sie sich am besten in Drogerien oder Apotheken beraten.

Zur Person
Sabine Hurni
ist dipl. Drogistin HF und Naturheilpraktikerin, betreibt eine eigene Gesundheitspraxis, schreibt als freie Autorin für «natürlich», gibt Ayurveda-Kochkurse und setzt sich kritisch mit Alltagsthemen, Schulmedizin, Pharmaindustrie und Functional Food auseinander.



Fotos: istockphotos.com, zvg

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