Das Organ Gottes

Fabrice Müller | Ausgabe_04_18

Die reiskorngrosse Zirbeldrüse im Zentrum des Gehirns ist ein geheimnisvolles Organ, über das die Wissenschaft nur wenig weiss. In den alten Religionen gilt sie als Tor zu Hellsichtigkeit und Sitz der Seele.

@ «Gehirntanz» von Nana Nauwald. Weitere Bilder der Künstlerin: www.visionary-art.de

Ra versank jeden Abend im Meer und machte sich auf seine Reise durch die Unterwelt. Untertags reiste er in seiner Sonnenbarke, begleitet von seiner Tochter Maat – der Göttin der Weltordnung – über das Firmament. Von dort strahlte sein Licht auf die Erde. Das Licht wurde durch den goldenen Horus-Falken verkörpert; dessen Augen waren die Sonne und der Mond. Beim Streit mit Seth, dem Gott der Finsternis, verlor Horus ein Auge. Thot, der Gott der Heilkunst, heilte das Auge. Er übergab es dem Horus, der es jedoch seinem Vater Osiris, dem Totengott, opferte und es ihm als drittes Auge einsetzte. Dadurch kam das Licht in die Unterwelt.

Das Auge des Horus ist auf spiritueller Ebene eng mit der Zirbeldrüse verbunden: Es wird wie die Zirbeldrüse dem sechsten Sinn des Menschen, unserer Intuition, zugeordnet. «Der sechste Sinn entspricht im feinstofflichen Chakrasystem dem sechsten Chakra, das auch als drittes Auge bezeichnet wird», erklärt Heilpraktiker und Schamane Stefan Limmer, der zusammen mit der Biologin Birgitt Täuber- Rusch das Buch «Wunderwerk Zirbeldrüse» verfasst hat.

Das Geheimnis des Kiefernzapfens

Immer wieder stösst man auf die Form des Kiefernzapfens als Symbol für die Zirbeldrüse, etwa im alten Ägypten. Aber auch in Mexiko sowie bei den Griechen und Römern sind Statuen und Darstellungen mit dem Kiefernzapfen bekannt. «In der katholischen Tradition finden wir den Kiefernzapfen als Zeichen der spirituellen Erleuchtung in Gott», erinnert Limmer. Bis heute gibt die zwischen den beiden Gehirnhälften gelegene, winzig kleine Drüse Anlass zu allerlei Spekulationen. Schon der französische Philosoph René Descartes (1596–1650) war von der Zirbeldrüse fasziniert; er hielt sie für den Sitz der menschlichen Seele. Die Zirbeldrüse wird schon seit Langem mit der spirituellen Erleuchtung des Menschen in Verbindung gebracht. «Mit der Aktivierung der Zirbeldrüse öffnen wir das Tor zur Erleuchtung», sagt auch Limmer und erklärt: «Im Hinduismus wird der Weg als Aktivierung der Chakras und das Aufsteigen der Kundalini-Energie beschrieben, die bei entsprechender Vorbereitung auf die aktive Zirbeldrüse trifft und dann das Tor zur Erleuchtung öffnet.»

Corpus pineale, der Dirigent

Im Westen wurde die Zirbeldrüse oft missverstanden und in ihrer Wirkung sowie Bedeutung unterschätzt. Die meisten Wissenschaftler anfangs der 1950er-Jahre vertraten die Meinung, dass die Zirbeldrüse ein im Laufe der Evolution verkümmertes Organ sei. Diese – möglicherweise falsche – Interpretation verlangsamte die Forschung rund um die Zirbeldrüse zusätzlich. Erst das im Jahr 1954 publizierte Buch «The Pineal Gland: A Review of the Physiological Literature» von M. Altschule und J. Kitay von der Harvard-Universität läutete ein neues Zeitalter der Zirbeldrüsen- Forschung ein. «Als eine der wenigen nichtpaarigen Strukturen im Gehirn nimmt sie wegen ihrer aussergewöhnlichen, zentrierten Lage und durch die fehlende Blut-Hirn-Schranke eine Sonderstellung im zentralen Nervensystem ein», schreiben Limmer und Täuber-Rusch. So sei die Zirbeldrüse ein übergeordneter Taktgeber und habe als solcher die Aufgabe, unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden aufrechtzuerhalten. Was das Kleinhirn für das Nervensystem, ist die Zirbeldrüse für das Hormonsystem, so das Autorenpaar: «Sie fungiert sozusagen als Dirigent, der das Zusammenspiel vieler Faktoren aufeinander abstimmt und moduliert.»

Aus heutiger wissenschaftlicher Sicht ist die Zirbeldrüse, auch Epiphyse oder Corpus pineale genannt, Teil des sogenannten endokrinen Systems. Dieses ist – neben dem Nervensystem – verantwortlich für die Regulation und Koordination der zahlreichen physiologischen Prozesse, die im menschlichen Körper ablaufen. Wie in einer Dissertation der Freien Universität Berlin zum Thema «Aufbau und Funktion der menschlichen Zirbeldrüse» beschrieben wird, spielt das Organ eine wichtige Rolle für den Schlaf-Wach-Rhythmus und beeinflusst unter anderem den Zeitpunkt des Eintritts eines Menschen in die Pubertät. Bereits bei der Geburt ist die Entwicklung der Drüse weitgehend abgeschlossen. Die meisten Zirbeldrüsen haben eine längliche oder ovale Form sowie eine graugelbe Farbe. Bei Erwachsenen ist die Zirbeldrüse zirka sieben bis acht Millimeter lang und wiegt zwischen 100 und 500 Milligramm.

Die Zirbeldrüse aktivieren, das dritte Auge öffnen – so gehts:
• Verzicht auf Fluoride, Nikotin, Koffein, Zucker
• Schutz vor elektromagnetischer Strahlung (Handy, WLAN usw.)
• Natürlicher, ausgewogener Rhythmus von Tag und Nacht
• Ausreichend und guter Schlaf
• Regelmässige Meditationen
• Regelmässiges Singen und Summen
• Stimulierung durch Rhythmus und Trance – z. B. durch Trommeln
• Vegane oder vegetarische Ernährung; möglichst keine tierischen Produkte
• Kurkuma entkalkt die Zirbeldrüse und schützt sie vor Fluorid
• Vitamin K2 löst Verkalkungen
• Charakterschulung

Von Melatonin und Serotonin

Die kleine Drüse zählt zu den am besten durchbluteten Organen überhaupt. Sie besteht aus Parenchym und Bindegewebe. Lichtmikroskopisch betrachtet, handelt es sich um grosse, leicht basophile Zellen mit grossem Zellkern. Sie produzieren Melatonin, wie eine Arbeitsgruppe um den Dermatologen Aaron B. Lerner von der Yale Universität (USA) schon 1958 festgestellt hat. Melatonin gilt als Schlafhormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus sowie weitere, zeitabhängige Rhythmen des Körpers steuert. Die Zirbeldrüse wandelt das am Tage über Sonnen- und Tageslicht im Gehirn gebildete Glückshormon Serotonin in der Dunkelheit der Nacht in das Schlaf- und Schutzhormon Melatonin um. Neben seinen Aufgaben für einen erholsamen Schlaf schützt es unter anderem vor Krebs, Herzinfarkt und Alterung, fängt freie Radikale ab, steuert den Appetit und verhindert Demenz. Wissenschaftler aus Glasgow haben herausgefunden, dass Menschen, die unter Alzheimer leiden, einen niedrigeren Melatoninspiegel aufweisen als gesunde Menschen.

Im Laufe der menschlichen Evolution soll sich die Zirbeldrüse stark zurückgebildet haben, berichtet Biophysiker und Autor Dieter Broers, der sich mit seinen Forschungen zur Wissenschaft des Bewusstseins einen Namen gemacht hat. Der Grund für die Zurückbildung der Zirbeldrüse liegt laut Broers unter anderem daran, dass die Menschen ihrem natürlichen Lebensrhythmus nicht mehr folgen – die Nacht ist längst zum Tag geworden. Das mangelnde Sonnenlicht und eine verminderte Nachtruhe beeinträchtige die Funktion der Zirbeldrüse «erheblich», schreibt Broers. Hinzu kämen die hohen Belastungen des Körpers mit Toxinen wie zum Beispiel Fluoriden; dies führe zu einer Verkalkung der Zirbeldrüse. Recherchen der Ärztin Jennifer Luke von der Universität Surrey in England haben bestätigt, dass Fluoride die Funktionsfähigkeit der Zirbeldrüse stark hemmen. Demnach sammelt sich im Gewebe der Zirbeldrüse mehr Fluorid an als in jedem anderen harten Gewebe im Körper. Diese Ablagerungen hemmen offenbar die Drüse in ihrer Funktionsfähigkeit. Gemäss einer Studie aus Indien soll Fluorid gar zu einer Beeinträchtigung der Denkleistung führen.

Das «dritte Auge»

Faszinierend ist die Zirbeldrüse jedoch nicht nur, weil die Wissenschaft immer noch relativ wenig über ihre Funktion weiss, sondern auch, weil man ihr in spiritueller Hinsicht die Funktion des dritten bzw. verborgenen Auges zuspricht. Gemäss wissenschaftlichen Untersuchungen verfügt die tief im Zentrum des Gehirns sitzende Drüse über Lichtrezeptoren. Das lässt darauf schliessen, dass die Zirbeldrüse einst eine ähnliche Funktion wie die des Auges hatte, auch wenn sie sich seltsamerweise innerhalb des Schädels befindet. Eine Hypothese von David Klein, Leiter der Neuroendokrinologie des Instituts für Pädiatrie und menschliche Entwicklung (NICHD), schlägt vor, dass die ursprünglichen Netzhäute beide Funktionen hatten, nämlich Bilder aufzunehmen und Melatonin zu produzieren. Laut Sérgio Felipe de Oliveira, Wissenschaftler an der medizinischen Hochschule von São Paulo und Direktor der Pineal Mind Clinic, steht eine vermehrte Aktivität der Zirbeldrüse in direktem Zusammenhang mit psychischen Aktivitäten wie Visionen und Meditation. «In der Zirbeldrüse befindet sich der Same des Bewusstseins», erklärt Stefan Weiss, Leiter des Instituts Pranic Healing Schweiz. «Dieser Same, der wie eine blaue Perle aussieht, ist mit der höheren Seele verbunden. Indem wir über den Samen in der Zirbeldrüse meditieren, gewährt er uns Zugang zur Seele.»

Der klare Geist

Durch die moderne Lebensweise der Menschen wird die Funktionstüchtigkeit der Zirbeldrüse laut Stefan Limmer und Birgitt Täuber-Rusch eingeschränkt oder sogar blockiert. Dann sei aufgrund ihrer Bedeutung für viele physiologische Vorgänge mit teilweise gravierenden Störungen und Einschränkungen zu rechnen – zum Beispiel in Form des chronischen Müdigkeitssyndroms oder von Burn-out, Schlafstörungen, Kreislaufproblemen und weiteren Gesundheitsstörungen. Alkohol, Nikotin, Kaffee und Drogen blockieren als Giftstoffe die Zirbeldrüse und somit auch – so Limmer – «den Zugang zu einem erweiterten Bewusstsein und einem klaren Geist». Er empfiehlt eine ausgewogen vegane oder zumindest vegetarische Ernährung. Auf Lebensmittel tierischen Ursprungs sollte weitgehend verzichtet werden. Speziell für die Zirbeldrüse zu empfehlen sind tryptophanhaltige pflanzliche Lebensmittel wie Sojabohnen, Cashewkerne, Weizenkeime, Erdnüsse, Sesamsamen, grüne Bohnen oder Kirchererbsen. Als problematisch – nicht nur für die Zirbeldrüse – gelten Fluoride, also Salze der Fluorwasserstoffsäure. Verschiedene Studien belegen deren schädliche Wirkung auf den menschlichen Körper. Laut der Forschung von Jennifer Luke weist die Zirbeldrüse die höchste Konzentration an Fluorid im Körper auf.

Buchtipps
• Ulrich Warnke «Die Öffnung des 3. Auges: Quantenphilosophie unseres Jenseits-Moduls», Scorpio Verlag 2017, Fr. 46.90
• Stefan Limmer, Birgitt Täuber-Rusch «Wunderwerk Zirbeldrüse. Das Bewusstseinstor zu einer erweiterten Wahrnehmung», Momanda 2018, Fr. 29.90
• Joe Dispenza «Werde übernatürlich. Wie gewöhnliche Menschen das Ungewöhnliche erreichen», Koha-Verlag 2017, Fr. 38.90

Der Rhythmus der Schamanen

Um die Zirbeldrüse zu stärken, empfiehlt Stefan Limmer, auf alles, was Fluorid enthält, zu verzichten – zum Beispiel Zahnpasta, Mundwässer, teilweise auch Nahrungsergänzungsmittel und Speisesalz. Um Fluorid aus der Zirbeldrüse und aus dem Körper auszuleiten, sei die Einnahme von Curcumin empfehlenswert, enthalten zum Beispiel in Kurkuma. In einer indischen Studie von 2014 konnte gezeigt werden, dass der regelmässige Verzehr von Kurkuma das im Körper vorhandene Fluorid ausleitet. Vitamin K2 wiederum hilft, vorhandene Verkalkungen in der Zirbeldrüse zu lösen und neue zu unterbinden. Damit die Zirbeldrüse optimal arbeiten kann, ist zudem die Eliminierung von künstlichen elektromagnetischen Feldern eine wichtige Massnahme – namentlich durch vermeiden, Abstand halten, abschalten, neutralisieren und abschirmen.

Durch Singen oder Summen – bzw. die dadurch erzeugten Schwingungen – wird die Zirbeldrüse aktiviert. Sehr empfänglich ist sie für bestimmte Rhythmen, zum Beispiel den 4- bis 7-Hertz-Rhythmus, der im Schamanismus seit Menschengedenken genutzt wird. Der monotone Trommelrhythmus versetzt den Menschen in den sogenannten Alpha-Zustand und lädt zu Bewusstseinsreisen ein. Schliesslich haben – so Stefan Weiss – unsere Tugenden einen starke Wirkung auf den Zugang zur Zirbeldrüse. Deshalb werde im Pranic Healing grossen Wert auf Charakterbildung sowie die Chakra- und Aura-Reinigungstechniken gelegt. Dazu gehöre auch, die eigenen Gedanken und Emotionen zu reflektieren und Selbstverantwortung zu übernehmen.

Linktipps
www.stefanlimmer.de
www.pranichealing.ch
www.diss-fu-berlin.ch
www.dieter-broers.de

Fotos:  «Gehirntanz» von Nana Nauwald. Weitere Bilder der Künstlerin: www.visionary-art.de

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