Carte Blanche
Die Engel des Schweizer Militärs
Auch bei ihrer Arbeit als Regierungsrätin zählt Susanne Hochuli fest auf die Unterstützung von Engeln. Und diese sind überall – auch im Militär.

Am Kopfende meines Bettes wacht das himmlische Schutzengelbuch «Unsichtbare Wegbegleiter» über meine Träume. Ich weiss nicht, ob es einen Himmel gibt. Engel gibt es aber bestimmt. Ich blättere oft in diesem Buch und suche für mich und mir liebe Menschen Weisheiten, die andere gedacht und gelebt haben. Wenn man sich neu definieren muss in seinem Leben, auch und vor allem als Regierungsrätin, sind Engel lebensnotwendig. Sie haben die Weitsicht, die einem fehlt, sie gehen die Dinge mit der nötigen Gelassenheit an. Sie geben Geborgenheit, wenn das Leben allzu stürmisch ist. Sie sind mitten unter uns, nicht überirdisch abgehoben. Fast in jedem Menschen steckt ein Stück eines Engels. «Man weiss erst dann, ob man einem Engel ins Gesicht gesehen hat, wenn er wieder gegangen ist», lehrt eine jüdische Weisheit.
Solchen Engeln begegne ich jeden Tag. Sie loben etwas, das man selber unzufriedenstellend findet. Sie helfen weiter, wenn das eigene Wissen nicht ausreicht. Und sie lassen immer wieder durchschimmern, wie viel mehr in einem Menschen steckt, als sein Habitus vermuten lässt. Eben Engelhaftes.

Als grüne Regierungsrätin, die bis anhin gar keine Berührungspunkte mit der Armee hatte – ausser in der Kindheit mit der Militärschoggi, muss es sehr schwierig sein, das Amt der Militärdirektorin auszuüben. Ist es aber nicht, solange die jüdische Weisheit über allem steht. Bei der grossen Armeeübung Protector konnte ich Kontakte schliessen mit den Höchsten der Armee.Was reden mit diesen Männern?, dachte ich. Über das, was dich bewegt, war die Antwort. Und so sprach ich Divisionär Hans-Ulrich Sohlentaler darauf an, was denn das etwas zerlebte Armband an seinem Arm bedeute. Das sei ein Geschenk eines Indianers, den er in Amerika kennen gelernt habe. Das Armband sei Zeichen einer tiefen Freundschaft und begleite ihn immer. «Auch das hier», sagte der Divisionär und klaubte einen Stein aus seinem Hosensack hervor. Und schon drehte sich unser Gespräch um Dinge, die hinter dem Fassbaren stehen: das Wesen der Natur, die Freundschaft unter völlig verschiedenen Menschen. Was bedeutet Heimat? Wo ist man daheim und warum? Was vermittelt Heimat? Der Text unserer Nationalhymne? Ganz sicher nicht, sagte ich zum Chef der Luftwaffe, Markus Gygax, am Vorbeimarsch der beübten Truppe der Übung Protector. Wir diskutierten über Traditionen, ob die für Heimat stünden. Ob sich Heimat wandeln und die Menschen dort abholen dürfe, wo sie sind; was die Armee mit Heimat zu tun habe – und just in diesem Moment flog die Patrouille Suisse über die Menschen. Die waren ergriffen.
Es muss immer wieder Gespräche geben über Heimat, vor allem mit Menschen, die nicht zum gewohnten Umfeld gehören. Zusammen müsste es möglich sein, Heimat für alle zu schaffen. Heimat hat etwas mit Geborgenheit zu tun. Keiner sagt es schöner als Goethe: «Geborgenheit ist freilich ein stärkeres Wort für Glück.» Und Engel helfen, weil ich weiss, dass diese Aufgabe, Heimat für alle zu schaffen, Nummern zu gross ist für Menschen wie mich.
Zur Person
Susanne Hochuli, erste grüne Regierungsrätin im Aargau, ist Mutter einer 16-jährigen Tochter und wohnt noch immer auf ihrem Biobauernhof in Reitnau, der vom besten Bauern der Welt bewirtschaftet wird.
Foto: nd.strupler/flickr/cc
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