Bäumig

Remo Vetter | Ausgabe_12/17

Im Winter gibt es nichts zu tun im Garten? Von wegen! Jetzt ist die ideale Zeit, um Gehölze zu setzen respektive zu stutzen. Remo Vetter erklärt, wie es geht.

@ istockphoto.com, zvg

Die Faszination eines schönen Gartens besteht auch darin, dass er das ganze Jahr hindurch attraktiv ist. Im Winter verleihen Raureif und der erste Schnee Bäumen und Sträuchern eine märchenhafte Stimmung und die immergrünen Pflanzen wirken gerade in dieser Jahreszeit irgendwie geheimnisvoll. Wer glaubt, dass es nun im Garten nichts zu tun gäbe, irrt sich. Gerade an milden, sonnigen Tagen nutzen wir die Gelegenheit, um an der frischen Luft tätig zu sein und dem Garten Gutes zu tun. Zum Beispiel kann man sich um bestehendes oder neu anzuschaffendes Gehölz kümmern. Insbesondere grössere Gehölze sind nicht nur im Sommer als Schattenspender wichtig; aus gestalterischer Sicht erfüllen sie gerade auch im Winter eine wichtige Aufgabe: Sie sorgen dafür, dass der Garten nicht wie eine ebene weisse Fläche wirkt, sondern verleihen ihm eine räumliche Struktur.

Winterschutz im Garten
• Kübelpflanzen
Kübelpflanzen sollten über die Wintermonate geschützt und leicht beschattet stehen. Dadurch verhindert man ein ständiges auftauen am Tag und einfrieren in der Nacht, was bei Pflanzen zu Stresserscheinungen führen kann. Bei immergrünen Kübelpflanzen dürfen wir im Winter das Giessen nicht vergessen. Zudem müssen wir sicherstellen, dass winterfeste Kübel auf einer Styroporplatte stehen, damit das gefrierende Wasser die Töpfe nicht sprengt.
• Rasen
Das Entfernen der Blätter ist wichtig, damit der Rasen über die meist feuchte Jahreszeit nicht leidet. Zudem sollte der Rasen bei starkem Frost nicht unnötig betreten werden. Eine Düngegabe vor dem Schnee versorgt ihn mit den notwendigen Nährstoffen.
• Rosen
Wir empfehlen, veredelte Gartenrosen mit Gartenerde oder Kompost anzuhäufeln, damit die Veredlungsstelle und der Wurzelbereich vor Frost geschützt sind. Zudem lohnt es sich, Rosensträucher mit Reisig oder Tannenzweigen und evtl. mit Vlies einzupacken, damit die neuen Triebe und Knospen geschützt sind.
• Stauden
Gartenstauden ziehen sich im Winter in den Wurzelballen zurück. Die oberirdischen Pflanzenteile sterben ab. Stauden, die standfest sind, lassen wir stehen und schneiden erst im Frühjahr zurück. Damit verhindern wir ein Gefrieren in den Wurzelbereich. Und bei Frost sehen die gefrorenen Stauden aus wie lustige Antennen.
• Immergrüne Gehölze
Immergrüne Gehölze benötigen unsere Aufmerksamkeit, denn sie betreiben auch im Winter Photosynthese und benötigen an frostfreien Tagen eine genügende Wasserversorgung.

Büsche und Bäume pflanzen. Sofern das Wetter es zulässt, das heisst kein Schnee liegt oder Frost herrscht, können im Dezember Sträucher, Büsche und Bäume gepflanzt werden. Wir sorgen dabei dafür, dass die Gehölze im Boden tief wurzeln können. Die einst schweren Lehmböden haben wir mit Sand, Kies und Kompost durchlässiger gemacht. Sandböden sind zwar gut geeignet, haben aber den Nachteil, dass Wasser und Nährstoffe nicht lange gespeichert werden können. Hier helfen bodenverbessernde Massnahmen wie das Beimischen von guter Pflanzenerde und Kompost. Die Gehölze werden es später mit einem kräftigen Wuchs verdanken.

Im Gegensatz zu wurzelnackten Exemplaren können sogenannte Containerpflanzen das ganze Jahr über gesetzt werden. Zudem sind sie meist kräftiger, da sie im Container meist schon gut durchwurzelt sind und nur noch umgesetzt werden müssen. Und so geht es: Vor der Pflanzung stellen wir den Wurzelballen zirka 30 Minuten in ein Wasserbad, damit er sich mit Wasser vollziehen kann und so eine gute Starthilfe hat. Das Pflanzloch sollte ca. dreimal so gross sein, wie der Wurzelballen. Wir achten darauf, dass der Unterboden gut gelockert ist und keine Staunässe entstehen kann, denn das würde zu einer «Wachstumsdepression» führen. Falls nötig, geben wir etwas Kies oder Splitt in das Pflanzloch. Bewährt hat sich bei uns das Auslegen eines engmaschigen Gitternetzes in das Pflanzloch, da Mäuse mit Vorliebe junge Wurzeln anknabbern. Dann wird die Pflanze in das vorbereitete Loch gestellt. Falls der Wurzelballen stark durchwurzelt ist, schneiden wir die Wurzeln leicht an – das regt die Wurzelneubildung an. Die Gehölze sollten etwa fünf Zentimeter tiefer eingepflanzt werden als sie es im gekauften Topf waren. Nach dem Einsetzen die Gartenerde um die Pflanzen gut andrücken. Kleine Erdwälle um die Pflanzen verhindern das seitliche Ablaufen des Wassers. Nach der Pflanzung muss man gut und reichlich angiessen.

Gartenarbeiten im Dezember
Obst- und Gemüsegarten
Winterlager für Obst und Gemüse anlegen und regelmässig kontrollieren
Anbauplan für die kommende Saison anfertigen
Werkzeug und Geräte säubern, ölen, allenfalls reparieren und einwintern
Vorgezogene Kräuter ins Gewächshaus oder Haus nehmen
Bei frostfreier Witterung immergrüne Pflanzen im Garten, Gewächshaus und Frühbeetkasten giessen
Ziergarten
Winterschutz für Nützlinge anbieten
Vogelfutterhäuschen aufstellen. Jedoch erst mit der Fütterung beginnen, wenn eine geschlossene Schneedecke liegt. Merkblatt Vogelfütterung siehe www.vogelwarte.ch
Frostempfindliche Gegenstände schützen oder versorgen. Sicherstellen dass Wasserleitungen entleert sind.
Beerentragende Sträucher schneiden und für Advents-Gestecke verwenden.

Rückschnitt von Gehölzen. In vielen Laub- und Nadelgehölzen nisten und brüten im Frühsommer Vögel – darum ist es nicht ratsam, Gehölze in dieser Zeit zu schneiden, sondern eben jetzt im Winter. Vor Schnittarbeiten prüfen wir das Werkzeug auf einwandfreie Funktion und Schärfe, denn das Verletzen der Rinde durch Einreissen der Schnittfläche könnte zu Schädigungen der Pflanze führen. Im Allgemeinen streben wir mit dem Rückschnitt an, das Aussehen einer Pflanze zu korrigieren, sprich diese in Form zu bringen, neue Austriebe anzuregen und die Blühleistung zu fördern.

Wichtig ist, dass Gehölze regelmässig und vor allem im Kronenbereich ausgelichtet werden. Dazu entfernen wir zu dicht stehende und sich kreuzende Triebe zuerst. Falls nötig kürzen wir die Seitentriebe eines Baumes gleichmässig ein, vor allem, wenn das Gehölz zu gross geworden ist. Wir versuchen stets knapp über «Aussenaugen» zu schneiden, die Triebe also über einem nach aussen gerichteten Auge einzukürzen. So behält das Gehölz trotz des Rückschnitts seine natürliche Wuchsform. Bei älteren Gehölzen ist es wichtig, immer wieder einen Verjüngungsschnitt durchzuführen. Dazu werden alle Triebe so tief wie möglich an der Basis entfernt. So schaffen wir Platz und Luft für neue, blühfreudige Triebe. Wenn wir diese Schnittregel immer bei älteren Trieben berücksichtigen, d. h. kein Trieb älter als vier bis fünf Jahre ist, erhalten wir starke, blühende Gehölze.

Tipps für das Bepflanzen von Töpfen, Kisten und Kübeln
Kübelpflanzen sind gerade bei urbanen Gärtnern auf Balkon, Terrasse oder im Hinterhof sehr beliebt. Denn mit einer Topfbepflanzung lassen sich Wohnräume zu erweiterten Aussen- und Gartenräumen erweitern. Zudem kann ein als Kübelpflanze gehaltenes Gewächs bei einem etwaigen Umzug gut transportiert bzw. umgesiedelt werden.
• Wichtig bei der Wahl von Kübeln sind folgende Kriterien
Feste Behälter mit Löchern im Bodenbereich sind zu bevorzugen, damit das Wasser abfliessen kann. Falls wir eine nicht winterharte Pflanze wie z. B. Oleander oder Rosmarin halten, sollte der Kübel entweder mit Rollen oder Tragegriffen ausgestattet und so gut transportierbar sein. Wir stellen unsere Kübel auf rollfähige Holzuntersätze, wie sie in jedem Gartencenter erhältlich sind. Wir verwenden frostsichere und witterungsbeständige Töpfe und andere Behälter. Grundsätzlich achten wir darauf, dass diese gross genug sind, damit sich die Pflanzen gut entwickeln können. Das Verhältnis soll für das Auge aber auch ein stimmiges, harmonisches Bild ergeben – man will ja einen Bonsai nicht in ein Weinfass pflanzen.
• Und so geht’s
Zuerst legen wir im unteren Bereich eine Drainage-Schicht von 5 bis 10 Zentimetern aus Splitt oder Kieselsteinen an, damit überschüssiges Wasser gut durch die Bodenlöcher abfliessen kann. Auf die Kieselsteine legen wir ein Stück wasserdurchlässiges Vlies (nicht Plastik), damit sich die Erde nicht in die Drainageschicht schlämmt. Ist der Kübel so vorbereitet, kann es an das eigentliche Bepflanzen gehen. Wir nehmen die Pflanze aus dem gekauften Kulturtopf und lockern die Wurzeln etwas auf: Einfach mit einem Holz Rillen in den Wurzelballen ziehen, falls die Pflanze schon stark durchwurzelt ist. Anschliessend setzen wir die Pflanze am neuen Standort etwas tiefer als zuvor, füllen den Topf oder Kübel mit guter Gartenerde und geben gleich etwas biologischen Dünger als Starthilfe. Grössere Gefässe mulchen wir mit Schilfhäcksel oder schönen Steinchen, was sehr apart wirkt. Bei Kübelpflanzen von Zierstämmchen empfehle ich eine Unterbepflanzung. Diese beschattet den Kübel, was ein Aufheizen durch die Sonneneinstrahlung und das Austrocknen verhindert. Als Unterbepflanzung können saisonale Pflanzen wie Geranien oder mehrjährige Pflanzen wie Storchenschnabel verwendet werden. Auf dem Balkon oder der Terrasse können aber auch Unterbepflanzungen mit Cranberrys, Erdbeeren oder Kräutern wie Thymian oder Oregano angepflanzt werden – so hat man immer Frisches für die Küche zur Hand.
• Pflege von Kübelpflanzen
Pflanzen im Kübel können genauso schnell und kräftig wachsen wie Pflanzen in Gartenboden. Voraussetzung für einen gesunden und vitalen Wuchs ist die regelmässige Wasser- und Nährstoffversorgung. Durch den begrenzten Wurzelraum sind Kübelpflanzen besonders stark auf ihre Gärtner angewiesen, vor allem an heissen Sommertagen. Es gilt auch allfällige längere Abwesenheiten zu organisieren, sei es indem man den Nachbar bittet, zu giessen oder aber ein einfaches Bewässerungssystem verlegt. Schon so oft sind in den Ferien Pflanzen vertrocknet.
Alle zwei bis drei Jahre sollten Kübelpflanzen umgetopft und mit frischer Erde versorgt werden. Dazu nehmen wir die Pflanze vorsichtig aus dem alten Kübel und entfernen möglichst viel alte, lockere Erde; zusätzlich schneiden wir das Wurzelwerk etwas zurück, was die Pflanze zu Wachstum anregt. Dann setzen wir sie mit viel frischer Erde in einen neuen, meist grösseren Topf ein. Eine Mulchschicht aus Schilfhäcksel oder Pinienrinde verhindert Unkrautwuchs.

Zur Person
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im A. Vogel Besucherzentrum in Teufen Appenzell Ausserrhoden tätig.

Foto: istockphoto.com, zvg

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